Wasser-/Abwasser-Trends Leben im Schwamm: Die Stadt der Zukunft ist am Wasser gebaut

Quelle: Dominik Stephan 3 min Lesedauer

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Dem einen steht das Wasser bis zum Hals, der nächste sitzt auf dem Trockenen: Die Stadt der Zukunft muss das Wasser mitdenken, sind Experten überzeugt. Ob Starkregen, ob Trockenphase, gerade Niederschlagswasser verdient eine neue Betrachtung. Die Zukunft könnte einem Konzept gehören, dass im Ausland bereits als „Schwammstadt“ Furore macht.

Ohne Wasser geht es nicht: Das Konzept der Sponge-City soll Hochwasserschutz und Stadtbewässerung versöhnen.(Bild:  Messe München GmbH)
Ohne Wasser geht es nicht: Das Konzept der Sponge-City soll Hochwasserschutz und Stadtbewässerung versöhnen.
(Bild: Messe München GmbH)

Wasser bleibt wenn schon nicht das Element, dann doch das Molekül des Lebens. Doch als Flut ist das kühle Nass bedrohlich – das Ausbleiben von Regen in langen Trockenphasen jedoch kaum weniger, Ob Starkregen, Hochwasser, Hitze oder Trockenheit, Städte, Dörfer und Siedlungen müssen lernen, Niederschlag neu zu denken, fordern Experten. Bloß wie?

Ein Schlagwort, dass in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt wird, ist die „Schwammstadt“ Sponge-City. Hinter diesem Begriff steckt nichts anderes als die Idee, dass eine Stadt durch Grünzonen, Feuchtgebiete, Wasser- und Überflutungsflächen sowie Wasserspeicher und Rückhaltebecken Niederschläge quasi „aufsaugt“. Das Wasser wird so zurückgehalten, statt in Kanäle und Vorfluter, sprich Oberflächenwasser, abzufließen. Dieser urbane Schwamm würde so nicht nur die Auswirkungen von Starkregen oder langen Schlechtwetterperioden puffern und Hochwasser unwahrscheinlicher machen, sondern könnte auch Wasser für Zeiten ohne nennenswerte Niederschlägge zurückhalten. Das hilft auch, Grünflächen, Parks und Alleenbäume zu bewässern, die die Luftqualität vor Ort verbessern.

Schwamm(stadt) drüber: In Singapur, Wien oder Hamburg bald Alltag?

Die Schwammstadt ist dabei keineswegs bloß eine Vision: Neben einer Reihe chinesischer Metropolen und Singapur hatte Kopenhagen nach einem Hochwasser im Sommer 2011 einen entsprechenden Plan als Skybrudsplan (deutsch: Wolkenbruchplan) auf den Weg gebracht. Insgesamt sollen bis 2035 rund 1,8 Milliarden Euro für das Schwammstadt-Projekt ausgegeben werden. Dazu gehören auch ein Netzwerk unterirdischer Entlastungstunnel genauso wie die Bewässerung von Pflanzen mit Wasser aus zentral gelegenen Kläranlagen.

Auch in Deutschland und Österreich setzen Städte wie Hamburg, Wien oder Berlin entsprechende Maßnahmen ein: So hat Hamburg mehrerer Neubaugebiete umsetzen können, bei denen Regenwasser von der Kanalisation entkoppelt aufgefangen wird. In Wien setzt man beim neuen Stadtteil Seestadt für die Stadtbegrünung auf großzügige, zusammenhängend gestaltete Wurzelräume, die Niederschlagswasser speichern und über lange Zeiten an die Stadtbäume abgeben. Außerdem agieren in die Baumgruben integrierte und mit streusalzresistenten Stauden bepflanzte Sicker-, Filter- und Absetzbecken wie dezentrale Kleinstkläranlagen.

Was braucht es in „Sponge City“ wirklich?

Doch wie wird eine Stadt zum Schwamm? Indem die verschiedenen Fachabteilungen, von der Stadtentwässerung über die Raum- und Verkehrsplanung sowie das Grünflächenamt eng verzahnt zusammenarbeiten, erklärt Johannes Lohaus, Sprecher der Bundesgeschäftsführung der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA): „Diese Zusammenarbeit beginnt idealerweise bereits in der Phase Null, also vor dem eigentlichen Projektbeginn.“

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Rechtlich hat die dezentrale Niederschlagswasserbewirtschaftung im Abwasserrecht des Wasserhaushaltsgesetzes und der Landeswassergesetze ebenso wie im Baurecht ein erhebliches Gewicht, wie Lohaus betont: „Der rechtliche Rahmen muss aber noch weiter im Sinne einer wasserbewussten Zukunftsstadt optimiert werden.“ Unter anderem müsse im Wasserhaushaltsgesetz ein klarer gesetzlicher Auftrag zur Entwicklung der dezentralen Niederschlagsbewirtschaftung normiert werden, so der Experte. Dazu kommt, wer hätte es geahnt, der Ruf nach mehr Geld. So sollen die Bundesländer wasserrechtlich Möglichkeiten der Entgelt- oder Gebühren(mit)finanzierung des Starkregenrisikomanagements schaffen, bzw. entsprechende Möglichkeiten vorsehen, so der Chefwasserwirtschafter nicht völlig uneigennützig.

Wasser- und Abwasserthemen, -Techniken und -Konzepte stehen im Mittelpunkt der IFAT vom 13. bis zum 17. Mai 2024 in München.

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