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PROCESS: Welche möglichen Auswirkungen könnte der Atomausstieg auf die Standortpolitik und -entscheidungen der Unternehmen des VCI haben?
Tillmann: Energiepreise spielen bei Standortentscheidungen in Bereichen mit energieintensiver Produktion eine sehr wichtige Rolle. Unternehmen mit verschiedenen Standorten auf der Welt machen Investitionsentscheidungen für stromintensive Prozesse u.a. davon abhängig, wie hoch die Stromkosten in den verschiedenen Regionen sind. Bei einem solchen Vergleich schneidet der Standort Deutschland schon heute nicht gut ab. Stromkosten sind nicht der einzige Faktor, doch sie werden immer wichtiger. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Standort Deutschland durch steigende Strompreise immer mehr an Attraktivität verliert. Das wirkt sich negativ gerade auf Investitionen in neue Produktionsanlagen aus. Mit der Energiewende droht daher eher ein schleichender Produktionsverlust in Deutschland, weniger die Stilllegung und Abwanderung von bestehenden Kapazitäten.
PROCESS: Deutsche Chemieunternehmen haben bei den Entwicklungen energieeffizienter Produktionsverfahren weltweit eine Poleposition. Könnte die Energiewende dazu beitragen, dass die deutsche Chemie diese Position weiter ausbaut?
Tillmann: Es liegt im wirtschaftlichen Eigeninteresse eines jeden Unternehmens, seinen Energieverbrauch zu senken, um Kosten zu sparen. Die deutsche Chemie arbeitet nicht erst seit den Beschlüssen zur Energiewende an Produkten zur Steigerung der Energieeffizienz. Uns ist es allein seit 1990 gelungen, den Strombedarf durch Effizienzmaßnahmen trotz einer Produktionssteigerung von 40 Prozent konstant zu halten. Die energiebedingten CO2-Emissionen sind sogar um fast 50 Prozent gesunken. Nur so ist es heute überhaupt noch möglich, wettbewerbsfähig am Standort Deutschland zu produzieren. Der Wille und die Tendenz zur Effizienzsteigerung sind bei den Chemie-Unternehmen sehr ausgeprägt, Unternehmen sehen Investitionsentscheidungen in Energieeffizienz aber natürlich immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Nach den Erfolgen der letzten 20 Jahre wird das Potenzial, die Effizienz noch weiter nach oben zu treiben, immer geringer und auch teurer zu realisieren.
* Das Gespräch führte PROCESS-Redakteurin Anke Geipel-Kern.
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