VCI fordert Neustart Ein Jahr der Rückschläge für die chemisch-pharmazeutische Industrie

Quelle: VCI 3 min Lesedauer

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie steckt weiter in der Krise: Produktionseinbruch, schwache Nachfrage in Europa und kaum Erholung in Sicht. Während das Auslandsgeschäft stützt, fordert der VCI dringend Reformen von der neuen Bundesregierung.

Der VCI fordert, dass die neue Bundesregierung schnell und zielgerichtet den viel beschworenen Neustart anpackt.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Der VCI fordert, dass die neue Bundesregierung schnell und zielgerichtet den viel beschworenen Neustart anpackt.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Das Jahr 2024 endete für die chemisch-pharmazeutische Industrie mit einem empfindlichen Rückschlag. Nicht nur, dass die konjunkturelle Erholung sowohl für die deutsche als auch die europäische Industrie ausblieb. Vielmehr setzte sich der Abwärtstrend in vielen Branchen fort. Mit der Folge, dass die Nachfrage nach Chemie „made in Germany“ speziell am Heimatmarkt Europa schwach blieb. Die Produktion brach im vierten Quartal kräftig ein. Positive Impulse kamen einzig aus dem außereuropäischen Ausland.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagte: „2024 war ein weiteres Jahr zum Vergessen für die Industrie. Diesen Tiefpunkt wollen wir hinter uns lassen, auch wenn Trumps unberechenbare Zollpolitik, erneut steigende Energiepreise und ungelöste Strukturprobleme weiter für Verunsicherung in den Unternehmen sorgen. Wir brauchen eine radikale wirtschaftspolitische Kurskorrektur. Es gibt keine Schonfrist für die neue Bundesregierung, sie muss jetzt liefern. Economy First muss die Devise sein.“

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Lobende Worte fand der Verband für den schnellen Abschluss der Sondierungsgespräche und die Ergebnisse bei Steuern, Strompreisen und Bürokratieabbau. Der Verband sieht jedoch erheblichen Nachbesserungsbedarf. Große Entrup betont: „Europa findet nicht statt, dabei muss es Chefsache sein. Und wer ‚whatever it takes‘ proklamiert, darf das Sparen nicht vergessen. Wir verlangen einen ehrlichen Kassensturz. Bei der Verteidigung aufzurüsten, ist alternativlos. Aber bei den Investitionen in die Infrastruktur können wir den Verschiebebahnhof ‚raus aus dem Haushalt – rein ins Sondervermögen‘ nicht gutheißen. Der Verschleiß des Standorts Deutschland liegt nicht an knappen Kassen, sondern an mangelnder Priorisierung.“ Der VCI-Hauptgeschäftsführer fordert die Parteien auf, Gräben zuzuschütten. „Wir können uns keinen Rosenkrieg mehr leisten. Rauft euch zusammen. Es geht um unser Land.“

Inlands- und Europageschäfe schwächeln

Trotz des enttäuschenden Schlussquartals hält der VCI an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2025 fest: Die Produktion wird stagnieren, da das Plus in der pharmazeutischen Industrie das Minus in der Chemie kompensieren kann. Der Branchenumsatz wird insgesamt voraussichtlich um 1 % sinken. Die Produktion sank im Vergleich zum Vorquartal kräftig um 4,2 % (ein Minus von 1,2 % im Vergleich zum Vorjahreswert). Die Kapazitätsauslastung ging auf 74,7 % zurück und lag weiterhin unter der Rentabilitätsschwelle. Die Preise für chemische und pharmazeutische Erzeugnisse stagnierten. Damit lagen die Erzeugerpreise nur noch knapp unter ihrem Vorjahreswert. Der Gesamtumsatz der Chemie- und Pharmaindustrie konnte im Vergleich zum Vorquartal leicht ausgeweitet werden und erreichte 53,1 Milliarden Euro. Der Umsatz aus dem Vorjahr wurde weiterhin deutlich verfehlt. Stabilisierend wirkten die Umsätze mit Kunden aus dem außereuropäischen Ausland. Das Inlands- und Europageschäft blieb schwach. Die Zahl der Arbeitsplätze der Branche bewegt sich aufgrund von Zuwächsen im Pharmabereich bei rund 480.000 Beschäftigten in Summe noch auf einem stabil hohen Niveau.

Obwohl sich die Weltwirtschaft im vierten Quartal 2024 mit einer leicht steigenden Dynamik zeigte, lag das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union nur knapp 0,2 % über dem Vorquartal. Zur Einordnung: Es war das schwächste Wachstum unter den weltweit wichtigen Volkswirtschaften. Schlusslicht Europas war die deutsche Wirtschaft, die im letzten Quartal erneut schrumpfte und damit das zweite Jahr in Folge eine Rezession durchlebte.

Der VCI fordert, dass die neue Bundesregierung schnell und zielgerichtet den viel beschworenen Neustart anpackt. Wolfgang Große Entrup führt aus: „Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und industrieller Motor Europas tragen wir eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen. Wirtschaftliche Stärke und politischer Einfluss sind zwei Seiten einer Medaille – das gilt für Europa ebenso wie für Deutschland. Unser Land hat es selbst in der Hand. Die verantwortlichen Köpfe in Berlin müssen jetzt entschlossen die Wirtschaftswende umsetzen. Das ist ein gewaltiger Kraftakt, aber keine unüberwindbare Herausforderung.“

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