Strahlschichttechnologie Interview: Trends und Entwicklungen in der Verfahrenstechnik zur Partikelherstellung
Das Technologiezentrum Weimar von Glatt Ingenieurtechnik feierte unlängst 20-jähriges Jubiläum. Zu seinen Kernkompetenzen gehören Wirbelschicht- und Strahlschichttechnologien für die pulververarbeitenden Industrien. Mit Dr.-Ing. Michael Jacob, Leiter Geschäftsbereich Anlagenbau bei Glatt Ingenieurtechnik, sprach PROCESS über die aktuellen Trends in diesem Gebiet.
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PROCESS: Herr Dr. Jacob, das Technologiezentrum Weimar fokussiert vier Branchen: Pharma, Food, Feinchemie und Feed. Wo gibt es gemeinsame Anforderungen beim Produktdesign, und wo liegen die wesentlichen Unterschiede?
Jacob: Allen Branchen ist gemeinsam, dass sehr unterschiedliche Produkte benötigt werden, die effektiv und mit sehr hoher Reproduzierbarkeit hergestellt werden müssen. Es zeigt sich auch, dass immer aufwändigere und komplexere Produktstrukturen entwickelt werden. Beispielsweise werden immer mehr Produkte funktionalisiert, um Freisetzungen zu beeinflussen. Wesentliche Unterschiede bestehen hauptsächlich in den benötigten Produktionskapazitäten und in der Anzahl der Produktwechsel. Multi-Funktionsanlagen werden sehr häufig in den Bereichen Pharma und Food benötigt. Monoprodukt-Anlagen überwiegen in den Geschäftsfeldern Feinchemie und Feed.
PROCESS: Haben sich die Fragestellungen der Kunden in den letzten Jahren geändert?
Jacob: Meiner Meinung nach sind die Anforderungen komplexer geworden. Der Trend geht weg von der Apparatelieferung hin zu Entwicklung, Konzeption und Realisierung kompletter Systeme. Weiterhin ist die Produktvielfalt größer geworden. Neue Entwicklungen auf diesem Technologiefeld eröffnen neue Anwendungsgebiete und neue Produktstrukturen.
PROCESS: Glatt Ingenieurtechnik hat vor einigen Jahren das Strahlschichtverfahren entwickelt. Wie unterscheidet sich das Verfahren von der klassischen Wirbelschicht?
Jacob: Die Strahlschichtverfahren konkurrieren nicht mit der klassischen Wirbelschicht. Das neue Verfahren stellt eine Erweiterung des Einsatzbereiches der klassischen Wirbelschichtverfahren dar. Es unterscheidet sich vor allem im technischen Aufbau des Lufteintritts in den Prozessraum. Auf den traditionellen Anströmboden wird komplett verzichtet. Das Verfahrensprinzip hat andere strömungsmechanische Eigenschaften, die Vorteile bei der Eindüsung von Flüssigkeiten bieten und die Behandlung von schwer fluidisierbaren Stoffen ermöglichen. Unter diese Produktkategorie fallen beispielsweise sehr feine Materialien, Produkte mit sehr breiten Korngrößenverteilungen, unregelmäßiger Oberflächenstruktur sowie hoher Klebrigkeit. Zudem ermöglicht der exakt einstellbare Luftstrom eine hervorragende Energiebilanz. Ergebnis sind extrem wirtschaftliche Prozesse.
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