Anbieter zum Thema
Dass im Pharmabereich die Uhren auch im Bereich Instandhaltung etwas anders ticken, verdeutlichte Dr. Josef Friedrich von Merz: „Liegt kein Risiko-Management-Plan vor, wird die Food and Drug Administration FDA mit einem ‚Warning Letter reagieren – da sind die rigoros.“
Wichtig sei festzuhalten: Was kann wo schief gehen? (Risiko-Identifikation) Wie wahrscheinlich wird es schief gehen? (Risiko-Analyse) Was sind die Folgen, wenn es schief geht? (Auswertung der Risiko-Analyse)
Um diese Fragen belastbar beantworten zu können, brauche der Instandhalter zuverlässige und verfügbare Daten, Trendanalysen und statistische Verfahren sowie einen Vergleich verschiedener Datensätze mit kompatiblen Daten.
Darauf basierend sind dann Entscheidungen zu treffen: Ist das Risiko akzeptabel bzw. werden die Akzeptanzkriterien erfüllt? Mit welchen Maßnahmen können die Risiken reduziert oder eliminiert werden? Was ist die richtige Balance zwischen Nutzen, Risiko und Ressourcen? Entstehen mit dem Reduzieren oder Eliminieren von Risiken neue Risiken? Der dringende Rat von Dr. Friedrich: „Risiko-Beurteilungen immer im Team, nie alleine durchführen!“
Reaktion vs. Prävention vs. Zustandsorientierung
Der generelle Kostendruck nimmt auch den Instandhalter in die Verantwortung, seine Prozesse so effektiv wie möglich zu gestalten und Kostentreiber zu eliminieren. Hartmut Schultz von Sigma-Aldrich Biochemie führte vor, wie eine Optimierung ‚klassischer Instandhaltungsprozesse möglich ist. Instandhaltung erfolgt in seinem Unternehmen als Ergebnis von Instandsetzung. „Dies mag unsauber erscheinen – erst kaputt gehen lassen und dann nachdenken – hat aber seine Berechtigung“, so Schultz.
Die wiederkehrenden Tätigkeiten lassen sich effizienter durchführen, wenn der innerbetriebliche Ablauf standardisiert ist. Bei der Sigma-Aldrich Biochemie wird nach Feststellung einer Abweichung vom Sollwert ein Werkstattauftrag eingereicht.
Die Beurteilung der Abweichung erfolgt in der Regel durch Hartmut Schultz oder den Betriebsingenieur. Welche Maßnahmen nun zu erfolgen haben bzw. welche bereits durchgeführt wurden, wird schriftlich auf dem Werkstattauftrag vermerkt.
Durch diese handschriftliche Notiz auf dem Werkstattauftrag ist es jedem im Unternehmen schnell und einfach möglich, sich über den Stand des Auftrags zu informieren, ohne nach dem jeweiligen Bearbeiter suchen zu müssen oder Besprechungen einzuberufen.
Durch die weitgehende Standardisierung des Arbeitsablaufes einer Instandhaltungsmaßnahme ist der Anteil der Nebenzeiten im Prozess nahezu minimal. „Meiner Ansicht nach ist dies der erste wesentliche Einsparungsabschnitt im Instandhaltungsprozess: Verringern Sie die Nebenzeiten und Sie gewinnen Arbeitszeit“, so Schultz.
Lohnt denn aus seiner Sicht eine vorbeugende Instandhaltung überhaupt nicht? „Prävention bietet sich immer dann an, wenn die Kosten der Reaktion zu hoch werden.“ Nur wenn selbst präventiv betreute Geräte noch zu hohe Kosten verursachen, könne versucht werden, durch eine intensivere – eventuell kontinuierliche – Zustandskontrolle den Inspektionsaufwand zu minimieren und zu automatisieren. Aber: Für Hartmut Schultz geht nichts über die persönliche Inaugenscheinnahme bei einem Rundgang durch den Betrieb.
Wie sagte doch ein Teilnehmer bei einer anderen Veranstaltung: „Mein Management hat mir ein tolles Störungsfrüherkennungs-System bewilligt: Ich darf wieder zwei Maschinenschlosser für Kontrollgänge einsetzen.“
Fazit: Auf beiden Tagungen wurde die Bedeutung des Kontraktoren-Managements betont. Das Einbeziehen aller Sub-Kontraktoren und ein unterbrechungsfreier Informationsfluss sind wichtige Voraussetzungen für den Erfolg jeder Instandhaltungsmaßnahme.
Und: Der Auftraggeber sollte eine langfristige Beziehung mit seinem Kontraktor anstreben, zudem auf eine gewisse Kontinuität bei den Mitarbeitern des externen Dienstleisters achten – wenn die Fluktuation zu hoch ist, leidet die Qualität. Last, but not least gab einer der Teilnehmer als generelle Warnung vor: „Wer nur auf die Kosten schaut, der verliert seine Nachhaltigkeit.“ Die Kunst sei, den Schnittpunkt zwischen Ausfallkosten und Instandhaltungsaufwendungen möglichst tief zu legen. n
Der Autor ist freier Redakteur bei PROCESS.
(ID:290574)