Förderung von Early-Stage-Firmen

Gründerwelle endlich auch in der Chemie angekommen

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Bayer fördert Startups vielfältig, etwa auch durch Partner-Programme wie „Partner your Antibodies“. Hier fließt mehr Geld als nur ein Zuschuss – die Erwartungen von Bayer sind jedoch auch größer. Letztlich bilden solche Partnering-Programme die Ergänzung der eigenen Forschungsaktivität mit dem Ziel, neue Arzneimittel zu entwickeln. Das erste Investment hatte Ende Juni 2017 auch der im April 2016 gegründete Bayer Trendlines Ag Innovation Fund zu vermelden. Investiert wurde in die Neugründung IBI-Ag, eine Firma, die eine neue, umweltfreundliche Plattform zur Schädlingsbekämpfung zum Ziel hat.

Eine Millionen Euro Gewinn im Pitch-Wettbewerb

Eine eher bescheidene Startup-Unterstützung bilden die Startup-Inkubatoren in den Bayer-Forschungsstandorten Berlin, San Francisco und West Sacramento. Hier können junge Life-Science-Unternehmen Labors und Büros mieten und damit Vorteile des zentralen Forschungscampus nutzen. „CoLaborator“ nennt Bayer sein Inkubatoren-Modell. Ganz neu ist Cube mit dem Cube Cooperation Space, einem Berliner Innovations-Ökosystem in einem markanten, zehngeschossigen Gebäude vor dem Berliner Hauptbahnhof), das weder Accelerator, noch Inkubator sein will.

Es soll Startups und Industrieunternehmen ermöglichen, gemeinsam an einem konkreten Projekt zu arbeiten. Als einer der Gründer hat Bayer hier die Schlüsselthemen Life Science und Digitale Gesundheit eingebracht. Das Unternehmen Cube ist zugleich Veranstalter der Cube Tech Fair. Auf der ersten Messe dieser Art im Mai 2017 konnten Startups ihre Geschäftsidee pitchen– und bis zu 1 Mio. Euro gewinnen. (Gewinner war Enlitic: https://www.enlitic.com/press-release-05172017.html für ein Deep-Learning-Programm für Mediziner)

VC-Investoren mit wertvoller technologischer Expertise

Die meisten Chemie- und Pharmakonzerne konzentrieren sich jedoch derzeit auf die Standard-Förderungsformen von Startups in Form einer Investition in der Gründungs- oder späteren Serie-A- oder-B-Phasen. So etwa Evonik, die Startups in den Feldern Ressouceneffizienz, Gesundheit & Ernährung und Globalisierung unterstützt. Die übliche Minderheitsbeteiligung in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro. Evonik ist dabei in der Regel einer von mehreren Venture-Capital-Investoren, aber eben auch einer von denen, die technologische Expertise und Infrastruktur und nicht zuletzt Marktzugang bieten können. Von einer der jüngsten Beteiligungen über die Venture-Capital-Einheit von Evonik profitierte Numaferm, ein Spin-off der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, das die Produktion von Peptiden effizienter machen will. Die Seed-Finanzierung im einstelligen Millionen-Euro-Bereich im September 2017 wurde u. a. vom High-Tech Gründerfonds mitgetragen. Insgesamt möchte Evonik 100 Mio. Euro in vielversprechende Startups und spezialisierte Venture Capital Fonds investieren.

Schon seit über 15 Jahren aktiv ist BAF Venture Capital. Im Fokus stehen innovative, chemie-basierende Technologien und neue Materialien und Werkstoffe, wobei die BASF es bevorzugt, in einer sehr frühen Phase der Unternehmensgründung in die Finanzierung einzusteigen. Doch das ist nicht Gesetz: Im September 2017 führte der Konzern die Finanzierungsrunde für das schwedische Unternehmen Applied Nano Surfaces (ANS) an, zusammen mit dem bisherigen Investor Fouriertransform. ANS ist bereits mit diversen Technologien für die Oberflächenbehandlung auf dem Markt, die Reibung und Verschleiß reduzieren. Vielversprechende Kundenprojekte sollen jetzt in die Großserienproduktion gebracht werden.

Wohl auch, um zu den ganz jungen Startups Zugang zu erlangen, beteiligte sich die BASF an Acceleratoren, etwa der Innovationsplattform „Startup Autobahn“, die Ende Juli vorgestellt wurde. Gemeinsam mit Partnerunternehmen wie Daimler, Porsche und Hewlett Packard arbeiten Experten des Chemiekonzerns mit Startups aus den Bereich Blockchain, Sensor-Technologie, Augmented Reality und Future Manufacturing. Ein Pilotprojekt entstand beispielsweise mit dem Startup Kreatize, das eine digitale Bestellplattform entwickelt für Automobilhersteller entwickelt. Ein weiteres Projekt mit den Startups Ahrma und Quantoz entwickelte eine intelligente Palette, die neben Position und Bewegung auch Beladungszustand, Aufprall oder Sturz weitermeldet und so die Lieferkette transparenter macht. Daneben engagiert sich BASF an dem Programm TERRA des Startup-Accelerators RocketSpace mit dem Ziel, innovative Lösungen in den Bereichen Ernährung und Gesundheit zu finden.

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