Newsticker Februar: Aktuelles aus der Prozessindustrie Gras statt Chemie – Mehr Cannabis für Standort Leuna

Von Wolfgang Ernhofer 5 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

03.02.2026

Leuna (dpa/sa) *17:26 Uhr – Cannabis-Hersteller baut Standort in Leuna deutlich aus

Im Chemie-Dreieck im Süden Sachsen-Anhalts finden nicht nur klassisch chemisch-pharmazeutische Unternehmen gute Bedingungen vor. «Wir brauchen für unsere Produktion - für Licht, Bewässerung und Klimatisierung - vor allem zuverlässig Strom, den bekommen wir hier», sagte der Sprecher des Cannabis-Herstellers Aurora, Dirk Heitepriem. Das börsennotierte Unternehmen baut seinen Standort in Leuna derzeit deutlich aus. In Zukunft solle «signifikant» mehr sogenanntes Medizinal-Cannabis in pharmazeutischer Qualität produziert werden, sagte Heitepriem. Genauere Angaben zur Menge machte er nicht.

Käuferinnen und Käufer der Produkte von Aurora seien grundlegend in zwei Gruppen zu teilen: Schwerstkranke und jene, die Cannabis seit der Lockerung des Cannabisgesetzes im Frühjahr 2024 legal zur «Selbsttherapie» kaufen, so Heitepriem. Der rechtliche Umgang mit dem Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis ist auch nach der Gesetzesänderung weiter stark umstritten.

Schwerstkranke Menschen, die medizinisches Cannabis konsumieren, sind den Angaben nach unter anderem Multiple-Sklerose-Patienten oder Menschen, die durch andere Erkrankungen chronische Schmerzen haben. Die Krankenkasse erstattet in solchen Fällen häufig die Kosten für das sogenannte Medizinal-Cannabis. Unter den Selbstzahlern sind laut Heitepriem Menschen mit ganz unterschiedliche Krankheitsbilder - unter anderem Personen mit ADHS, Endometriose oder Parkinson.

Zuletzt waren die Einfuhren von medizinischem Cannabis in Deutschland stark angestiegen. Zur Verarbeitung importiere Aurora Cannabis aus Kanada, hieß es. Mit dem Ausbau des Standortes in Leuna wollte das Unternehmen «die Grundversorgung in Deutschland sichern», so Heitepriem. In Sachsen-Anhalt habe man schon vor der Änderung des Cannabisgesetzes die Sicherheit gehabt, eine Produktion aufzubauen, betonte er. Deshalb glaube man an die Produktionsstätte im Süden Sachsen-Anhalts.

Aurora hat eigenen Angaben nach 2015 in Kanada seine erste Lizenz für den Anbau und Verkauf von medizinischem Cannabis erhalten. 2016 exportierte das Unternehmen demnach erstmals Cannabis nach Deutschland. Die Produktionsstätte für medizinisches Cannabis in Leuna wurde 2020 zertifiziert. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in Frankreich, Polen und Großbritannien.

Frankenthal (dpa) *09:45 Uhr – Pumpenhersteller KSB verzeichnet Rekordjahr

Ein gut laufendes Pumpengeschäft hat dem Pumpen- und Armaturenhersteller KSB 2025 ein Rekordjahr beschert. Und 2026 will der SDax-Konzern aus Frankenthal trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Weltwirtschaft seinen Wachstumskurs fortsetzen, wie KSB zur Vorlage seiner vorläufigen Zahlen mitteilte.

Angesichts der andauernd schwierigen wirtschaftlichen Situation und den weltweiten politischen Spannungen zeigte sich Unternehmenslenker Stephan Timmermann mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr sehr zufrieden. KSB habe 2025 «zu einem erneut besten Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte gemacht». Bereits 2024 hatte das Unternehmen Bestwerte erreicht.

2025 stieg der Umsatz vorläufigen Berechnungen zufolge im Jahresvergleich um 2,3 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro. Ähnlich stark zog der Auftragseingang in dem Zeitraum auf 3,2 Milliarden Euro an - vor allem dank einer stark angeschwollenen Nachfrage im Absatzmarkt Wasser. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde im mittleren Bereich des Zielkorridors von 235 bis 265 Millionen Euro erwartet und damit über dem Vorjahr, hieß es weiter. Die finalen Zahlen will KSB am 26. März präsentieren.

02.02.2026

Hannover (dpa) *17:30 Uhr – Chemie-Tarifverhandlungen für 585.000 Beschäftigte beginnen

Für rund 585.000 Beschäftigte der chemisch-pharmazeutischen Industrie beginnen am Dienstag (14.30 Uhr) in Hannover die bundesweiten Tarifverhandlungen. Die Gespräche zwischen Vertretern der Gewerkschaft IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) sind auf zwei Tage angesetzt. Vor Verhandlungsbeginn wollen beide Seiten vor die Presse treten. Für die IG BCE spricht Verhandlungsführer Oliver Heinrich, für den BAVC Matthias Bürk.

Schon im Dezember steckten Gewerkschaft und Arbeitgeber ihre Positionen ab, regionale Tarifgespräche im Januar blieben erwartungsgemäß ohne Ergebnis. «Es gibt immer noch massiven Nachholbedarf bei den Löhnen», hatte Heinrich gesagt. Die Gewerkschaft fordert höhere Einkommen für Tarifbeschäftigte und Auszubildende sowie Instrumente zur Beschäftigungssicherung.

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Die Arbeitgeber verweisen dagegen auf die angespannte Lage der Branche und sehen keinen Verteilungsspielraum. Gemeinsames Ziel müsse sein, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Das gelinge nur mit mehr Produktivität, nicht mit höheren Kosten, hatte Bürk erklärt. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Februar aus.

München (ifo) *07:30 Uhr – Ifo Institut: Geschäftsklima in der Chemie leicht verbessert

Das Geschäftsklima in der Chemischen Industrie hat sich im Januar geringfügig verbessert. Der Index stieg auf minus 23,5 Punkte, nach minus 24,6* Punkten im Dezember. Dabei trübte sich die aktuelle Lage deutlich ein und fiel auf minus 34,9 Punkte, nach minus 29,7* Punkten im Dezember. Die Erwartungen hellten sich dagegen auf, von minus 19,3* auf minus 11,4 Punkte im Januar. „Die Chemie blickt etwas weniger pessimistisch in die Zukunft, doch die laufenden Geschäfte bleiben schwach“, sagt ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Herrschte zum Jahresende 2025 noch Krisenstimmung, so stabilisiert sich die Nachfrage im Januar leicht. Erstmals seit Monaten stieg der Auftragsbestand. Der Indikator verbesserte sich von minus 23,7 auf plus 3,4 Punkte. Die Auftragsbücher sind für 1,8 Monate gefüllt, im Oktober waren es noch 1,4 Monate. Trotz dieser positiven Signale bewerten die Unternehmen den gesamten Auftragsbestand mit minus 47,1 Punkten weiterhin als sehr niedrig. Die Kapazitätsauslastung in der Chemischen Industrie liegt mit 72,7 Prozent deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 80,9 Prozent. Die Unternehmen planen, die Produktion in den nächsten Monaten zurückzufahren und Personal weiter zu reduzieren. „Der anhaltende Preisdruck und die Unsicherheiten im Außenhandel durch drohende Zölle belasten die Chemische Industrie“, sagt Wolf.

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