E-Fuels aus Wasserstoff EU macht Bahn frei für E-Fuels: Technologie in den Startlöchern

Von Dominik Stephan

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Das EU-Parlament setzt auf eine Mindestquote von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) im Verkehr: Alleine Deutschland brauch demnach bis 2030 mehr als eine Milliarde Liter Power-to-X-Kraftstoffe. Aber ist das technisch überhaupt machbar? Ja, sagen Anlagenbauer - wenn entsprechende Projekte jetzt angeschoben würden.

Die EU bringt eine E-Fuels Mindestquote und Anlagenbauer wittern das große Geschäft: Bringt der Stromsprit die klimaneutrale Tankstelle?
Die EU bringt eine E-Fuels Mindestquote und Anlagenbauer wittern das große Geschäft: Bringt der Stromsprit die klimaneutrale Tankstelle?
(Bild: Chemieanlagenbau Chemnitz)

Nicht nur Batterie: Das EU-Parlament beim klimaneutralen Verkehr auch auf E-Fuels. Ein Beschluss vom 15.09.2022 sieht sogar eine Mindestquote von mindestens 5,7 Prozent Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe bis 2030 vor – für Deutschland entspricht das einem Anteil von einer Millionen Tonnen (mehr als 1 Mrd. Liter) E-Fuels pro Jahr. Für die Industrie wurde für grünen Wasserstoff ein Mindestanteil von 50 Prozent bis 2030 beziehungsweise 70 Prozent bis zum Jahr 2035 beschlossen.

Nicht wenige Technologieunternehmen begrüßen diesen Trend: „Die Entscheidung des Parlaments ist eine Weichenstellung für das Erreichen der Klimaziele mit E-Fuels als bezahlbare CO2-neutrale Alternative im Verkehr“, erklärt Jörg Engelmann, Geschäftsführer von CAC (Chemienanlagenbau Chemnitz). „Die Mindestquote schafft die dringend notwendige Planungssicherheit sowohl für Investoren als auch für Anwender und wird den weiteren Markthochlauf anreizen. Um allein den deutschlandweiten Bedarf zu decken, benötigt es vier Großanlagen.“

Ohne Batterie geht's auch: Retortensprit aus Wasserstoff

Denn: Rund 1,4 Milliarden Pkw sind aktuell weltweit unterwegs. Und auch, wenn Autos in Umweltfragen keinen leichten Stand haben - entscheidend ist das alte Kanzlerwort von dem "was hinten rauskommt". Synthetische Kraftstoffe aus regenerativ erzeugtem Strom – auch E-Fuels genannt – können den CO2-Ausstoß nahezu komplett verhindern, da nur so viel Kohlendioxid emittiert wird, wie auch zur Produktion dieser Kraftstoffe zum Einsatz kommt.

Das ist jedenfalls die Vision hinter dem Strom-Sprit, der es ermöglichen würde, bestehende Fahrzeuge und Infrastrukturen weiter zu nutzen. Die Erzeugung dieser E-Fuels aus Wasserstoff und Kohlendioxid oder Kohlenmonoxid erfordert andere Technologien als die Raffination von Erdöl und Naphtha.

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Wie das aussehen könnte, zeigt ein Verfahren der Chemnitzer Ingenieure: Dieses stellt aus Wasserstoff und CO2 synthetisches Benzin her, das - so der Wasserstoff mittels emissionsneutral erzeugtem Strom gewonnen wird - tatsächlich klimaneutral wäre.

Power-to-X im Einsatz: So wird aus Strom Benzin

Das benötigte Kohlendioxid kann etwa Industrieabgasen entnommen oder aus Bio-Prozessen gewonnen werden. In einer gemeinsam mit der TU Bergakademie Freiberg entwickelten und Europas größten Anlage hat das CAC-Team bereits mehr als 45.000 Liter "grünes" Benzins hergestellt und das Verfahren zur Marktreife geführt. Alle technischen Voraussetzungen sind gegeben, um es sofort in den großindustriellen Maßstab hochzuskalieren.

Automobilhersteller und Fahrzeugtechnik-Entwickler haben den Kraftstoff auf Prüfständen und in Flottenversuchen getestet und die Praxistauglichkeit bestätigt. Einen außergewöhnlichen Härtetest absolvierte das synthetische Benzin beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Mai 2022 und landete auf dem Podium in der Kategorie Alternative Kraftstoffe.

Bringt die Mindestquote für E-Fuels klimaneutrale Autos?

Aktuell ist ein Praxisprojekt zu CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen unter dem Slogan ,,E-Fuels for Future" gestartet. Durchgeführt wird der Langzeittest von der Uniti Bundesverbandmittelständischer Mineralölunternehmen, gemeinsam mit dem ADAC und dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Unter anderem testen ,,Die Autodoktoren", bekannt aus Fernsehen und Youtube, E-Fuels im Alltag und berichten auf Ihren Kanälen von ihren Erfahrungen.

In allen Anwendungsfällen wurde dem E-Fuel aus Sachsen ein ausgezeichnetes Urteil ausgestellt. Es entspricht der Otto-Kraftstoffnorm DIN EN 228 und es ist REACH-zertifiziert, die Voraussetzung für den Verkauf an Tankstellen. Das E-Fuel kann sofort ohne technische Anpassungen am Fahrzeug konventionellem Kraftstoff beigemischt werden oder fossilen Kraftstoff komplett ersetzen. Für den Einsatz und Vertrieb kann auf die aktuelle Transport- und Tankstelleninfrastruktur zurückgegriffen werden.

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