Newsticker Februar: Aktuelles aus der Prozessindustrie Erste Chemie-Tarifrunde ohne Ergebnis – Fronten bleiben hart

Von Wolfgang Ernhofer 9 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

04.02.2026

Hannover (dpa) *14:07 Uhr – Erste Chemie-Tarifrunde ohne Ergebnis – Fronten bleiben hart

Die erste bundesweite Tarifrunde für die Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie ist ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Gespräche seien nach zwei Tagen ohne Ergebnis vertagt worden, teilten beide Seiten am Mittwoch mit. Sie werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden fortgesetzt. Bei den Verhandlungen geht es um die Bezahlung von rund 585.000 Beschäftigten der Branche in Deutschland in 1.700 Betrieben.

Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) hatten seit Dienstag in Hannover erstmals auf Bundesebene verhandelt.

Während die Arbeitgeberseite Lohnzurückhaltung fordert, will die Gewerkschaft mit höheren Entgelten die Kaufkraft stärken und verlangt daneben tarifvertragliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Im Januar hatte es bereits regionale Tarifgespräche gegeben, die aber ohne Ergebnis geblieben waren. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Februar aus.

Ein konkretes Angebot hätten die Arbeitgeber während der zweitägigen Gespräche nicht vorgelegt, hieß es bei der Gewerkschaft. Von einem Abschluss seien beide Seiten noch weit entfernt. «Die Arbeitgeber sehen kaum Spielraum beim Entgelt», sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich und machte klar: «Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben. Die Arbeitgeber müssen sich noch deutlich bewegen.»

BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk verteidigte dagegen die Forderung nach einer «tarifpolitischen Atempause». Die Branche habe in den vergangenen Jahren enorm an Substanz verloren. «Es gibt auf absehbare Zeit keine Zuwächse, die wir verteilen können», so Bürk.«Machen wir Arbeit am Standort Deutschland noch teurer, verschärfen wir die Krise.»

Auf deutliche Ablehnung stieß die Forderung der IG BCE nach einer tariflichen Beschäftigungssicherung. «Sichere Arbeitsplätze lassen sich nicht verordnen», sagte Bürk. «Der beste Schutz für Arbeitsplätze am Standort Deutschland ist ein Sofortprogramm für mehr Wettbewerbsfähigkeit», fügte er hinzu. «Je schneller wir wieder wettbewerbsfähig werden, desto besser sind die Perspektiven für die Beschäftigung.»

Bagsvaerd (dpa) *10:43 Uhr – Preisdruck bei Abnehmmitteln: Novo-Nordisk-Aktie bricht ein

Starke Konkurrenz für seine Abnehmspritze Wegovy und das Diabetes-Mittel Ozempic bringt den Pharmakonzern Novo Nordisk in Bedrängnis. Die Dänen gehen für 2026 von weniger Umsatz aus – es wäre der erste Rückgang seit fast einem Jahrzehnt. Zudem wird das US-Geschäft durch eine Einigung von Novo Nordisk mit der Regierung von Präsident Donald Trump getroffen, die niedrigere Medikamentenpreise vorsieht.

Konzernchef Mike Doustdar sprach in einer Telefonkonferenz von einem «nie dagewesenen Preisdruck». An der Börse brachen Aktien von Novo Nordisk in der Früh zeitweise um 18 Prozent ein auf umgerechnet rund

40 Euro - der Rekord aus dem Juni 2024 lag bei knapp 140 Euro. Um den Kurs zu stützen, kündigte der Konzern für 2026 einen Aktienrückkauf von bis zu 15 Milliarden dänischen Kronen an, umgerechnet etwa 2 Milliarden Euro.

Für dieses Jahr rechnet Novo Nordisk währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent. Das Unternehmen verwies auch auf das Auslaufen von Patenten für seinen Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid. Das angekündigte Umsatzminus wäre der erste Rückgang seit 2017, damals hatte Novo Nordisk leichte Einbußen inmitten eines Preiskampfes bei Insulin verzeichnet. Seitdem waren die Gewichtssenker zum Kassenschlager der Dänen geworden und hatten für Milliardenumsätze gesorgt.

Doch die Spitzenposition bei Abnehmmitteln hat Novo Nordisk verloren. Die Dänen gerieten im Ringen mit dem US-Wettbewerber Eli Lilly ins Hintertreffen, dessen Mittel als effektiver gelten. Zudem brachten in den USA Apotheken und andere Hersteller mit regulatorischen Schlupflöchern billigere Kopien von Abnehmmedikamenten auf den Markt.

Vorstandschef Doustdar hat bereits den Abbau von rund 9.000 Stellen angekündigt.

Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung auf deutliche Preissenkungen für Blockbuster wie Wegovy und Ozempic. Präsident Trump will die Kosten im Gesundheitssystem senken und hat Pharmakonzernen mit hohen Zöllen gedroht, sollten sie nicht für niedrigere Preise sorgen und mehr Produktion in die USA holen.

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Im vergangenen Jahr steigerte Novo Nordisk dem Umsatz immerhin. Er kletterte um sechs Prozent auf gut 309 Milliarden dänische Kronen (rund 41,4 Mrd Euro). Das operative Ergebnis fiel um ein Prozent auf 127,7 Milliarden Kronen. Unter dem Strich verdiente Novo Nordisk mit 102,4 Milliarden Kronen ein Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Neben dem Umbau hat Doustdar die Entwicklung neuer Medikamente zum wichtigsten Ziel erklärt. Hoffnungen setzt er auch auf die Wegovy-Pille, die in den USA Ende 2025 zugelassen wurde. Allerdings ist Konkurrent Lilly mit einer eigenen Abnehmtablette dicht auf den Fersen.

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