Praxistipps Großanlagenbau

Diese Gefahren lauern bei der Vertragsgestaltung im Großanlagenbau

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Ist z.B. vereinbart, dass in englischer Sprache und der Sprache des Ziellandes die Korrespondenz zu erfolgen hat (gleich, ob Englisch die vertragsführende Sprache ist), so führt dies unweigerlich zu hohen Aufwänden für Übersetzungen auf Auftragnehmerseite. Daher sollte nur eine Sprache, die beide Vertragsparteien gleichermaßen beherrschen, als Korrespondenzsprache vertraglich vereinbart werden. Sollte hierzu keine Einigung erzielt werden können, sind Übersetzungskosten unbedingt kaufmännisch mit zu kalkulieren.

Das Projekt und die Baustelle

Die Arbeit am Projekt ist handfester geworden, die Großbaustelle wurde mobilisiert. Der Personenkreis, der über die zu verrichtenden Arbeiten kommunizieren muss, ist noch größer geworden. Unter Umständen sind dies Dritte, die als Nachunternehmer für den Auftragnehmer tätig sind. Im Zeitalter des Global Sourcing können dies auch Menschen sein, welche ihre Herkunft in Ländern haben, in denen z.B. die Beherrschung der englischen Sprache wenig verbreitet ist. In der Koordinierung der Bautätigkeiten können hieraus erhebliche Schwierigkeiten entstehen, die einzelnen Arbeiten solch einem Nachunternehmer anzuweisen.

Ein Weg wäre, den eigenen Nachunternehmer vertraglich zu verpflichten, Baustellenpersonal zu stellen, welches über ausreichende Kenntnisse der englischen Sprache verfügt. Was passiert jedoch, wenn der Nachunternehmer auf solches Personal nicht ausreichenden Zugriff hat. Dolmetscher für die Baustelle wären ein Ausweg. Nur wer trägt die Kosten hierfür? Und wer trägt die Konsequenzen aus eventuellen Produktivitätsverlusten? Beides muss sowohl im Vertrag zwischen dem Auftraggeber des Projektes und seinem Auftragnehmer als auch in den Verträgen zwischen Auftragnehmer und seinen Nachunternehmen kalkulatorisch und terminlich berücksichtigt werden.

Das Wort und seine Wege

Dass Sprache Quell vielen Übels sein kann, ist bekannt seit dem 1. Buch Mose (Genesis) 11,7–9. Es ist jedoch nicht bekannt, ob der Weg des gesprochenen oder geschriebenen Wortes beim Turmbau zu Babel ebenfalls Quell des Übels war. Im industriellen Projektgeschäft scheint es jedoch so zu sein. Es ist gängige Praxis, dass in Vertragswerken vom Auftragnehmer gefordert wird, seine Hauptansprechpartner für die unterschiedlichen Fachdisziplinen namentlich unter Angabe der Kontaktinformationen zu nennen. Dies ist im Prinzip eine gute Idee, so werden die Wege zur Abstimmung von einzelnen Sachverhalten kürzer.

Ein Problem hierbei ist jedoch die Rechtswirksamkeit dieser unmittelbar zwischen den Fachdisziplinen der Vertragsparteien herbeigeführten Abstimmungen. Ein zweites Problem dieser Vorgehensweise ist die unkoordinierte Verteilung von Entscheidungen innerhalb der Vertragsparteien. Eindeutigkeit ist das Schlüsselwort für die vertragliche Festlegung der Kommunikationswege. Legen Sie vertraglich fest, auf welchem Wege (Festlegung der Korrespondenzadressen) Änderungen am Vertragsgegenstand, Anordnungen des Auftraggebers und andere vertragshoheitliche Sachverhalte kommuniziert werden müssen, um Rechtswirksamkeit zu erlangen.

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