NAMUR-Hauptsitzung 2009

Die Herausforderungen an industrielle Kommunikation wachsen

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Wireless im Praxistest

Mit Spannung wurde das Ergebnis eines Feldtests für WirelessHart-Komponenten erwartet. An diesem Test in Anlagen der BASF nahmen verschiedene Hersteller teil, die den neuen drahtlosen Standard künftig in ihrem Portfolio anbieten. Hauptfokus lag auf der Interoperabilität, der Handhabbarkeit und dem Zeitverhalten. Des Weiteren sollten Fragen bezüglich der Koexistenz mit anderen Funksystemen beleuchtet werden. „Die beste Verbindung ist das Kabel, aber manchmal können Funklösungen eine sinnvolle Alternative sein“, formulierte Martin Schwibach, BASF, diplomatisch.

Im Test wurden in der BASF-eigenen Kläranlage defekte Schleifkontakte durch mobile Komponenten ersetzt. Über 120 Meter wurden die Messwerte vom Räumer in die Messwarte übertragen. Bei einer Wasseraufbereitung ging es darum, die Räumung der Becken zu vereinfachen. Dafür wurde über eine drahtlose Füllstandsmessung online der Schlammpegel übertragen. Dadurch konnten teure instandhaltungsintensive Schleifkontakte ersetzt werden. Bei einem Reaktor wurden zusätzliche drahtlose Temperatursensoren installiert, um damit neue Prozessführungsstrategien einfach und flexibel zu erproben. Bei der Überwachung eines Rückkühlwerkes mussten Messwerte von Füllstand und Temperatur via Funk übertragen werden. Hier lag der Fokus auf dem Kabelersatz, da es weite Strecken zwischen Messort und Warte zu überwinden galt. Die Messwerte galten der Optimierung der Kühlleistung und der Temperaturüberwachung der Lagergetriebe.

Auch nach dem Praxistest ist klar, dass eine funkbasierte Lösung nur zum Einsatz kommt, wenn es wirtschaftlich und technologisch Sinn macht, etwa bei bestimmten topologischen Gegebenheiten oder für die Gewinnung bzw. Übertragung zusätzlicher Prozessinformationen. Immerhin: WirelessHart erfüllt wesentliche Kernanforderungen der NE 124 in Bezug auf die Koexistenz der Basistechnologien, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Es gewährleistet die Interoperabilität von Geräten auf der Funkebene, und auch die Forderungen im Hinblick auf Security werden erfüllt.

Vernichtendes Urteil zur Geräte- und Systemintegration

Vernichtend fällt allerdings das Urteil zur Geräte- und Systemintegration aus. „Wir brauchen nur ein herstellerübergreifendes Konfigurationstool“, forderte Schwibach. „So lange es diese Inoperabilitäten gibt, ist eine Killerapplikation für Wireless-Lösungen noch weit entfernt.“ Apropos Standards: Angesichts der vielen unterschiedlichen Batterien im Praxistest schloss sich gleich die Forderung nach einer einheitlichen Batterie, Bauform und dem Anschluss des Batterieträgers an. In Schulnoten ausgedrückt, vergab Schwibach insgesamt eine 3,3. „Wireless-Anwendungen leiden erheblich unter der Erblast unzureichend gelöster Probleme in der Geräteintegration“, so Schwibach. Ohne diesen Part verbesserte sich die Note auf 2,6 und so lautet das Fazit von Schwibach: „WirelessHart bietet Chancen trotz Altlasten.“

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