NAMUR-Hauptsitzung 2009

Die Herausforderungen an industrielle Kommunikation wachsen

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Ethernet: Neue Konzepte gefragt

Auch das Ethernet sollte man laut Kegel im Auge behalten. Um diese Technologie praxistauglich zu machen, sind allerdings neue Konzepte nötig. Hier muss eine eigene physikalische Schicht definiert werden und das TCP/IP-Protokoll von der gewohnten 8-Leiter-Verbindungstechnik gelöst werden. Kegel nannte als Analogie die heutige Telefontechnik – dank DSL sind sowohl schnelle Internetzugänge möglich, trotzdem funktionieren weiterhin alte Wählscheibentelefone. „Die DSL-Technik und DART könnten die Grundlage für hohe Übertragungsraten und eigensichere Energieeinspeisung über nur zwei Drähte sein“, überlegt Kegel laut, warnt aber gleichzeitig vor dem hohen Aufwand.

Auch bei der Wireless-Technologie sieht Kegel Chancen, neue Anwendungsfelder zu erschließen. Auf die Fragen nach dem Durchbruch fand er jedoch deutliche Worte: „Noch vermisse ich eine echte Killerapplikation für Wireless; auch über die Security-Fragen hat man sich meiner Meinung nach bislang zu wenig Gedanken gemacht.“

Unabhängig davon, welcher Kommunikationsweg gewählt wird: „Die Voraussetzung für eine sichere Kommunikation ist eine sorgfältig ausgeführte, qualitativ hochwertige physikalische Ebene.“ Problematisch sieht Kegel die Geräteintegration: „Die Frage, ob EDDL oder FDT, hat die Diskussion beherrscht und die breite Akzeptanz der digitalen Kommunikation erschwert.“

Damit stieß Kegel auf offene Ohren bei den Anwendern, denn die Forderung nach einer einfachen Geräteintegration zog sich durch fast alle Gespräche. „Wir fordern eine einheitliche Integrationslösung für alle PLS-Systeme, Geräte und Protokolle“, so Dr. Norbert Kuschnerus, Vorsitzender der Namur. „Die Namur begrüßt daher ausdrücklich die FDI-Kooperation.“ Dabei müssen frühere Versionen integriert werden, um zu verhindern, dass ein drittes Konzept neben EDDL und FDT/DTM entsteht.

Daten werden zu Informationen

„Im Gegensatz zur zwischenmenschlichen Kommunikation funktioniert die Kommunikation zwischen technischen Systemen nicht automatisch“, beschreibt Hanisch das grundsätzliche Problem. „Nach wie vor müssen erhebliche Ressourcen bei Herstellern und Anwendern eingesetzt werden, um eine Kommunikation über Systemgrenzen hinweg zu ermöglichen.“ Prinzipiell nützen die reinen Daten wenig. Zu wertvollen Informationen werden sie erst, wenn sie in einem sinnvollen Zusammenhang stehen. Mit einer angepassten Mensch-System-Kommunikation können die Rohdaten in Informationen verwandelt werden. Damit wird eine schnellere Beurteilung des Prozesszustandes und ein zielgerichteter Eingriff bei Abweichungen vom Sollzustand möglich, um letztlich die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen.

„Ziel ist es, den Menschen bei komplexen Entscheidungen zu unterstützen, Fehlerursachen und Verbesserungspotenzial herauszufinden“, führt Hanisch aus und mahnt gleichzeitig an, dass sich die Anwender mit den Daten bzw. Informationen auch auseinander setzen. So sind Prozesskenntnisse, etwa über dynamische Zusammenhänge, das Betriebsoptimum aber auch kritische Grenzen des Prozesses unabdingbar. Und dies ist auch die vorrangige Aufgabe der Anwender, bekräftigte Hanisch. „Anwender wollen Anwendungsexperten und nicht Kommunikationsexperten sein!“

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