NAMUR-Hauptsitzung 2009

Die Herausforderungen an industrielle Kommunikation wachsen

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Kommunikation zahlt sich nicht nur zwischen Feldgeräten und Leitsystemen aus, sondern auch zwischen Anwendern und Herstellern. „Zu Beginn der Arbeiten war die Kommunikation so gestört, dass sogar vom Feldbuskrieg die Rede war“, erinnert sich Dr. Niels Kiupel, Evonik Degussa. Erst spät haben Anwender, Hersteller und Organisationen intensiv miteinander geredet, so dass heute der Feldbus in der Prozessindustrie angekommen ist. Diese Einstellung wurde von mehreren Anwendern gestützt, wie zum Beispiel von Oliver Weigel, BASF, die mittlerweile weltweit mehr als 30 Anlagen mit dem Feldbus ausgerüstet hat. „Das Feldgerätemanagement und die Diagnose haben sich in der Praxis bewährt. Die Instandhaltungs-Mannschaft ist sehr zufrieden“, so seine Erfahrungen. Daher empfahl sein Team, dass alle Neuanlagen mit dem Feldbus ausgestattet werden sollen. Bei Novartis hat man bereits in der zweiten Generation Feldbusse von Fieldbus Foundation und Profibus im Einsatz. „Die Inbetriebnahme geht schneller voran“, so Dr. Joachim Zobel, der aber einräumt, dass hierfür eine gute Vorbereitung und dementsprechend gut ausgebildete Leute nötig sind. Kritik seinerseits gibt es bei der Varianz der Geräteversionen und an der Schnelligkeit von FF. Auch bei Shell äußerte man sich zufrieden und empfahl, diese Kommunikationstechnologie in allen Anlagen zu verwenden. Hier nahm man kürzlich eine Anlage in Nanhai mit 13 000 FF-Geräten in Betrieb.

Weniger ist mehr

Verwunderlich ist jedoch, dass diese neu gewonnenen Informationen dem eigentlichen Nutzer – dem Anlagenfahrer – häufig nicht den gewünschten Nutzen bringen. Obwohl bessere Grafikkarten zur Verfügung stehen und die Monitorauflösung zugenommen hat, ist die Visualisierung nicht unbedingt klarer geworden. „In der Praxis gibt es überladene Prozessbilder, der Anlagenzustand ist schwer zu erkennen, die Übersicht über Teile der Anlage ist unzureichend“, findet Simon Kronemeier, BASF, klare Worte. „Die Prozessbild-Gestaltung ist seit Jahren unverändert.“

Angesichts der Tatsache, dass die Anlagenfahrer immer größere Anlagen bei gleichzeitig erweiterten Aufgaben fahren, kommt der Darstellung auf dem Bildschirm jedoch eine entscheidende Rolle zu. Sie sollte also dringend überarbeitet werden.

Zunächst gilt es, bewährte Prinzipien des Grafikdesigns anzuwenden. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Farbe rot ausschließlich für Alarme und nicht für Stoffströme eingesetzt wird. Allgemein empfiehlt sich lieber eine Schwarz-Weiß-Darstellung statt bunter Bilder. Bereits die Verwendung von gedeckten Farben erhöht die Transparenz für die Anlagenfahrer nachweislich. Weitere Negativbeispiele sah Kronemeier in Animationen (etwa rotierende Förderschnecken) oder in der dreidimensionalen Darstellung von Apparaten. Neue Chancen bieten dagegen neue Grafikobjekte, wie die Einbettung von Trendlinien in einem Kolonnenbild. Auch ermöglicht eine neue Klasse an Prozessbildern eine aufgaben- und prozessorientierte Darstellung. Ziel ist eine bessere Wahrnehmung von Informationen und damit die Lenkung des Bedieners auf die wesentlichen Inhalte.

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