Chemie 4.0

Die Chemie hat Lust auf Zukunft

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Wo kommen Ideen her?

Also doch alles gut, den Lehnstuhl auspacken und zurücklehnen? Leider ist dem nicht so. Tatsächlich täuscht die nach außen hin demonstrierte Gelassenheit der Konzernchefs. Die Tatsache, dass fast jedes Unternehmen der Prozessindustrie mittlerweile einen Chief Digital Officer aufweist, der fieberhaft nach der ultimativen Geschäftsidee fahndet, beweist das Gegenteil. Die Agilität der kalifornischen Start-up-Szene wirft nämlich Fragen auf, auf die Merck, Clariant, Evonik, BASF und Co. momentan Antworten suchen. Wo kommen kreative Ideen her? Wie schaffen Unternehmen ein innovationsfreundliches Klima? Welche Geschäftsmodelle braucht man? Und wie zum Teufel wird man schneller?

Wonach die Firmenteams Ausschau halten, sind „differenzierte kundenspezifische Lösungen und Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette“. Aus dem Unternehmensberater-Deutsch von Dr. Ernst Jenner, Managing Partner bei Ernst &Young übersetzt, heißt das: Kunde und Anwendung analysieren und definieren, dann Partner suchen, die über fehlende Marktkenntnisse verfügen. Oder anders herum ausgedrückt: Reine Chemie zieht nicht mehr, Moleküle zu verkaufen ist out.

Deshalb steigt beispielsweise Evonik jetzt in das Geschäft mit Blaubeerextrakt ein. Die Essener vertreiben die Nahrungsergänzungsmittel unter der Marke Healthberry über ihren online-Vertrieb, wodurch das Geschäft näher an den Endverbraucher kommen soll. Das Online-Geschäft des Spezialchemiekonzerns ist ein Paradebeispiel für das, was Jenner vorschwebt: Direkter Draht zum Endkunden, verknüpft mit innovativer Plattform. Für Evonik ist der Versuchsballon erst der Anfang. Gerade erst hat der Konzern seine brandneue Digitalisierungsstrategie bekannt gegeben. Ein paar hundert Meter weg von der Essener Konzernzentrale in einer ehemaligen Bank residiert nun Henrik Hahn mit seiner 20-köpfigen Gruppe. Er soll als Chief Digital Officer (CDO) der Evonik Digital GmbH für den Konzern die Digitalisierungsaktivitäten koordinieren und bekommt ein schönes Startgeld auf die Hand.

Evonik gibt richtig Gas

100 Millionen Euro bis 2020 sollen in die Entwicklung und Erprobung digitaler Technologien und den Kompetenzaufbau fließen. „Es geht nicht allein um Daten und Technik, sondern insbesondere um neue Geschäftsmodelle, Lösungen und Services für Kunden sowie die Qualifizierung von Mitarbeitern“, erklärt Hahn. Die neue Gruppe solle nach dem Vorbild eines Start-ups arbeiten: „Konzentriert, agil und mit viel Freiraum.“ Partner gehören auch dazu. Evonik hat sich jetzt zwei ins Boot geholt: IBM und die Universität Duisburg-Essen. Mit der Universität will der Konzern Schulungskonzepte und Ideen für interaktive Wissensvermittlung entwickeln.

Durch die Partnerschaft mit IBM profitieren die Essener gleich mehrfach: Zum einen durch die neusten IBM-Technologien, also kognitive, Cloud-basierte Lösungen wie Blockchain und natürlich die Watson-Plattform. Vor allem zwei Watson-Werkzeuge sollen eingesetzt werden: Der Explorer als kognitive Such- und Analyse-Plattform, sowie Knowledge-Studio als Cloud-basierte Anwendung, die Entwicklern hilft, Beziehungen und Korrelationen in unstrukturierten Daten zu identifizieren.

Letztlich will Evonik aber auch an der IBM-Forschung partizipieren, etwa den Arbeiten an Quantencomputern. Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland und General Manager IBM DACH-Region betont auch die Bedeutung künstlicher Intelligenz. Mit Watson schaffe IBM die Grundlage dafür, dass Unternehmen vorhandenes Wissen klug nutzen und im Sinne einer lernenden Organisation weiterentwickeln könnten.

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