Exklusiv-Interview mit Lorenz Bohle „Der Markt entscheidet, ob eine Maschine gekauft wird“
Als Lorenz Bohle sein Unternehmen gründete, hatte er ein Patent, jede Menge Ideen im Kopf und den unerschütterlichen Glauben an die eigene Arbeitskraft. Gut 30 Jahre später ist aus dem Ein-Mann-Betrieb der Weltmarktführer L.B. Bohle Maschinen + Verfahren geworden, der mit 230 Mitarbeiter jährlich 46 Millionen Euro umsetzt.
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Herr Bohle, vom Ein-Mann-Unternehmen zum 230-Mann-Betrieb. Haben Sie das Unternehmer-Gen?
Bohle: Vielleicht nicht gerade ein Gen, aber ein Erbe meiner Jugend auf dem Bauernhof meiner Eltern ist sicher das Bedürfnis mich von eigener Hände Arbeit ernähren zu können und einer eigenen Ideenwelt zu folgen. Während meiner Gymnasialzeit bin ich regelmäßig zur Arbeit auf dem Hof angehalten worden. Und da war es selbstverständlich, dass man hart arbeiten musste. Das war im Nachhinein gesehen sehr lehrreich. Während meiner Ingenieursausbildung habe ich dann mein Faible für analytisches Denken entdeckt und schon in den ersten Berufsjahren Lösungen entwickelt, die zum Patent angemeldet werden konnten.
Immerhin haben Sie es 15 Jahre als Angestellter ausgehalten, bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Wann wurde Ihnen klar, dass dieser Schritt fällig ist?
Bohle: Während meiner Zeit als technischer Leiter bei Rottendorf Pharma hatte ich mehrere Patente angemeldet. Bei den Entwicklungen ging es vor allem um automatische Beschickungsvorrichtungen, die ein staubfreies Händling ermöglichten und damit die Mitarbeiter entlasteten. Auch eine Entgratungsmaschine war dabei. Denn alles was damals zur Entgratung in den 70ern auf dem Markt war, kostete viel Geld und war kaum brauchbar. Während der Jahre als Angestellter wurde mir aber immer klarer, wenn das richtige Patent kommt, muss es die Selbständigkeit sein. Im Jahr 1981 kam dann die Entwicklung eines Kontrollautomaten zur Dicken- und Durchmesserumfangmessung von Tabletten – der Tablettenchecker KA. Mein damaliger Chef stellte mir frei, das Patent selbst zu nutzen, mit dem Argument Rottendorf sei ein Pharmahersteller und kein Maschinenbauer.
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