Chemielaboranten Chemielaboranten-Ausbildung – Fachkräftemangel aktiv begegnen

Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus / Dr. Ilka Ottleben

Ende 2011 fiel der Startschuss für das EU-Projekt Chemlab II. Was sich dahinter verbirgt, erläutert Dr. Thomas Letzel, Leiter der analytischen Forschungsgruppe und des Ausbildungszentrums für instrumentelle Analytik am Competence Pool Weihenstephan, im LP-Interview.

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„ Duale Ausbildungssysteme findet man bislang vorrangig in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, sagt Dr. Thomas Letzel,Ausbildungszentrum für instrumentelle Analytik (AsiA) am Competence Pool Weihenstephan (CPW).
„ Duale Ausbildungssysteme findet man bislang vorrangig in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, sagt Dr. Thomas Letzel,Ausbildungszentrum für instrumentelle Analytik (AsiA) am Competence Pool Weihenstephan (CPW).
(Bild: CPW)

LABORPRAXIS: Herr Dr. Letzel, Ende letzten Jahres fiel der Startschuss für das EU-Projekt Chemlab II zur länderübergreifenden Ausbildung für Chemielaboranten. Was sind wesentliche Inhalte und Ziele dieses Projektes?

Dr. Thomas Letzel: Wir, die bayerischen Initiatoren (Competence Pool Weihenstephan, IHK für München und Oberbayern, Bayerische Forschungsallianz) sowie Initiatoren aus mehreren europäischen und Anrainerländern, begannen im Jahr 2009 unter dem Namen ‚Chemlab I‘ mit der Vorbereitung eines jeweils regional angepassten dualen Systems zur einheitlichen Ausbildung von Chemielaboranten. Aus dieser Anfangsphase heraus entwickelte sich sehr erfolgreich ein gemeinsam getragenes Vorhaben, das nun verstärkt durch die EU im Rahmen eines Leonardo-Da-Vinci-Innovationstransferprojektes unterstützt wird. Die Initiative verfolgt generell mehrere Ziele: Sie versucht den Bedarf der chemischen Industrie in Süd- und Osteuropa nach gut ausgebildeten und praktisch erfahrenen Laboranten zu decken, setzt einen Ausbildungsschwerpunkt im Bereich der analytischen Chemie und fördert die Mobilität dieser Auszubildenden innerhalb Europas.

LABORPRAXIS: Inwieweit kann das nun gestartete Projekt von seinem Vorgänger Chemlab I bzw. dessen Ergebnissen profitieren?

Dr. Thomas Letzel: Ein reibungloser Start von Chemlab II konnte nur deshalb sichergestellt werden, da in der Anbahnungsphase der vergangenen zwei Jahre grundlegende Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der chemischen Berufsbildung erörtert werden konnten. Dabei waren im Vorfeld folgende Punkte besonders wichtig: Das duale Ausbildungssystem mit der Ausbildung in Firma und Berufsschule wurde in den Partnerländern erstmals vorgestellt und Vorbehalte gegenüber einem noch unbekannten System abgebaut. Ein weiterer Punkt war die Bestimmung der Grundbildung im Bereich Chemie in den einzelnen Ländern und eine Einschätzung der gemeinsamen Umsetzung und Relevanz in den jeweiligen Ländern. So gibt es in der Türkei z.B. technische Schulen, deren Ausbildung aber kein besonders hohes Ansehen genießen, sodass dort derzeit überwiegend Akademiker das Berufsbild des Chemielaboranten prägen. Natürlich war es auch wichtig, erste Kontakte mit potenziellen industriellen Ausbildern zu knüpfen und „Berufsschulen“ zu etablieren.

LABORPRAXIS: Wie sieht die Umsetzung von Chemlab II dann jetzt in der Realität aus?

Dr. Thomas Letzel: Im jetzigen Chemlab-II-Konsortium haben sich Ausbildungsinstitutionen, ausbildende Firmen sowie berufsständische Vertretungen aus den vier Partnerländern Deutschland, Griechenland, Polen und Türkei zusammengeschlossen, um zunächst in jedem Land mit der Ausbildung von je fünf Jugendlichen zu beginnen. Dabei werden diese von einem Industriebetrieb eingestellt, sie lernen und arbeiten dort, gehen aber auch gleichzeitig in eine Berufsschule. Die Berufsschule wird in den Partnerländern derzeit durch Universitäten realisiert, da es ja keine speziellen Berufsschulen gibt und Universitäten qualitativ hochwertige Ausbildung sicherstellen können. Die Idee ist natürlich, dass diese qualitativ hochwertige Ausbildung in der Industrie mitgetragen wird und die Jugendlichen einen internationalen Qualitätsstandard mit einem transnational vergleichbaren Abschluss erlangen. Somit soll auch ein gleichwertiger Austausch während und nach der Ausbildung sichergestellt werden. Das Projekt hat sogar schon weitere Interessenten gefunden, die die Ausbildung ebenfalls einführen werden. Die neu hinzugekommenen Akteure Georgien und die Tschechische Republik beteiligen sich sogar ohne zusätzliche Finanzierung durch die EU.

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