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LABORPRAXIS: Worin liegt in diesem Projekt denn das besondere Interesse der EU?
Dr. Thomas Letzel: Sowohl die Europäische Kommission als auch die Industrie haben natürlich ein großes Interesse an gut ausgebildeten und mobilen Arbeitnehmern. Das Chemlab-Projekt setzt dieses Interesse mit den ECVET-System (European Credit system for Vocational Education and Training) und der Mobilität von Lehrlingen in der Ausbilung um. Der ECVET-Ansatz ermöglicht – ähnlich wie das universitäre ECTS-System (European Credit Transfer System) – das Sammeln von Punkten für standardisierte Module und ist in anderen Fachbereichen bereits erfolgreich im Einsatz. Chemlab II möchte diesen Ansatz in der Chemie realisieren. Dabei geht es primär um das Konzept von Lernergebnissen, d.h. es geht nicht darum, wie lange jemand etwas gelernt hat, sondern welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen er oder sie dabei erworben hat. Als ein Beispiel werden alle beteiligten Länder ein einmonatiges ECVET-Ausbildungsmodul mit unterschiedlichen analytischen Schwerpunkten anbieten.
LABORPRAXIS: Was sind nach Ihrer Einschätzung die wesentlichen Anforderungen, die ein Chemielaborant heute erfüllen muss?
Dr. Thomas Letzel: Neben den theoretischen Kenntnissen in der Chemie sind es vor allem die praktischen Erfahrungen, die Chemielaboranten nach ihrer Ausbildung so wertvoll für die Industrie machen. In den letzten Jahren sind die Anforderungen jedoch sehr rasant gestiegen. So entwickelte sich z.B. die instrumentelle Analytik so schnell, dass die Ausbildung in der modernen Analytik schwer Schritt halten kann. Aber auch die Globalisierung ist in der Berufsgruppe der Laboranten heute schon Realität und damit der Umgang mit verschiedenen Sprachen und Kulturen. Dabei sind auch Punkte wie länderspezifische Ökonomie oder der jeweilige Umgang mit dem Umweltschutz besonders spannend. Hier setzt das Projekt besonders gerne an, denn da betreten alle beteiligten Partner Neuland.
LABORPRAXIS: Wodurch können Chemielaboranten von einem international vergleichbaren und dualen Ausbildungssystem profitieren?
Dr. Thomas Letzel: Auf jeden Fall profitieren die Jugendlichen zusätzlich zur fachlichen Kompetenz auch von interkulturellen Einblicken und erweitern so hoffentlich auch den persönlichen Horizont. Nicht zuletzt erhöht sich auch die Chance, vergleichbare Jobs in anderen Ländern zu finden und das, sollte Chemlab II greifen, mit gleicher Qualität.
LABORPRAXIS: Und welche Vorteile ergeben sich für die ausbildenden Unternehmen?
Dr. Thomas Letzel: Die Unternehmen können auf gut ausgebildete Chemielaboranten zurückgreifen. Zusätzlich macht Chemlab II den Beruf des Chemielaboranten attraktiver und wirkt somit auch dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegen. Hinzu kommt noch, dass die Jugendlichen im Betrieb lernen, deshalb diesen auch schon früh kennenlernen und so häufig als Angestellte der Firma sehr verbunden sind. Nicht zuletzt sind die Jugendlichen in der Ausbildung wesentlich günstiger als die später einsteigenden Akademiker (die in den Partnerländern häufig auf vergleichbaren Positionen eingestellt werden).
LABORPRAXIS: Wo besteht in Deutschland Veränderungspotenzial bei der Ausbildung von Chemielaboranten?
Dr. Thomas Letzel: Als jemand, der die gesamte Laufbahn vom Chemielaboranten bis zum Hochschullehrer durchlaufen hat, kann ich sagen, dass das Profil des Chemielaboranten erhalten und geschärft werden sollte, um neben den meist theoretischer ausgerichteten Schulabsolventen und Bachelor bestehen zu können. Und das lässt sich durch eine internationalere Ausrichtung sicher gut unterstützen.
Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Letzel.
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