Handelsblatt-Tagung Chemie 2017

Chemie in der Digitalisierungsklemme?

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Die Agilität der kalifornischen Start-up-Szene wirft Fragen auf, auf die Merck, Clariant, Evonik, BASF und Co. momentan Antworten suchen. Wo kommen kreative Ideen her? Wie schaffen Unternehmen ein innovationsfreundliches Klima im Unternehmen? Welche Geschäftsmodelle braucht man? Wie wird man schneller?

Und vor allem: Was ist eigentlich Innovation? Auf jeden Fall weitaus mehr als technologische Neuerungen, meint Dr. Peter Nagler, Leiter internationale Innovation bei Evonik. Der Spezialchemiekonzern fächert für sich das Thema in sechs Facetten auf: Produkt, Prozess, Anwendung, Service und Geschäftsmodell. „Wir müssen mit unseren Prozessen jedes Jahr um ein bis zwei Prozent besser werden“, definiert er.

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Ideen schmiedet Evonik in Kooperationen mit Hochschulen, Instituten, Anwenderindustrien aber auch Unternehmen, die ganz bewusst nicht mit der Chemie verbandelt sind. Es gelte ein Ecosystem zu schaffen, in dem Innovationen entstehen können, bekräftigt Martin Vollmer, Chief Technology Officer bei Clariant und verweist auf das Innovation Center im Industrie Park Höchst. „Innerhalb des CIC haben wir ein ‚Open Lab‘ eingerichtet, um mit Kunden und anderen Entwicklungspartnern an Innovationsprojekten zu arbeiten.“ Man müsse Geschwindigkeit in den Prozess bringen, weshalb Vollmer eine Renaissance der High-Throughput-Technologien sieht.

Dauerbrenner Endkunde

Der Endkunde rückt in den Fokus, wobei der eigentlich nie so richtig aus dem Fokus war. Seit 20 Jahren treibt die Konzerne die Frage um, was die Märkte wollen und wie man den Kontakt zum Kunden aufbaut. Mit seinen Projekthäusern war Evonik vor 15 Jahren Vorreiter, andere Konzerne lösten ihre Zen­tralforschungen auf und rückten näher in die operativen Bereiche.

Doch jetzt gibt es Big und Smart Data, IoT, Apps, Clouds u.v.m. und es entstehen Unternehmen wie Uber, die zeigen, dass auch noch eine Welt jenseits der Tier-one-Kunden existiert – der Verbraucher, der Wünsche und Vorstellungen hat, die immer individueller werden. Und, der über Techniken wie den 3D-Druck auch für die Chemie zunehmend als Kunde ins Blickfeld rückt.

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Über den Autor

 Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik