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2. Ex-Schutz-Forum 2014

Brand- und Explosionsschutz — zwei Seiten einer Medaille

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Prüfen von Ex-Anlagen

Die Prüfung von Ex-Anlagen ist vorgeschrieben, etwa durch die Betriebssicherheitsverordnung. Doch Wer, Was, Wie und Wie oft prüfen muss, ist nicht immer so klar. In seinem Vortrag machte Dr. Michael Dzieia, Merck, deutlich, dass es eine Universallösung nicht gibt. Jeder Betreiber sollte ein Prüfkonzept erstellen. Da es nicht möglich ist große Anlagen in einem Schritt zu prüfen, müssen einzelne „Prüfpakete geschnürt werden“, so Dzieia. Dabei besteht die Gefahr, dass Bereich oder Anlagenteile durchs Raster fallen. Auch Wechselwirkungen zwischen Bereichen oder Anlagenteilen müssen erhoben werden. Dzieia empfliehlt dazu eine Matrix zu erstellen. Dabei werden betriebliche Abteilungen, z.B. Elektrotechnik oder Rohrleitungsbau, bestimmten Prüffelder/Prüfaufgaben gegenübergestellt. Dzieia rät zudem jeden betriebliche Abteilung eine/en Verwortliche/en festzulegen.

Die Frage nach dem Wer wirft auch die Fragen nach den entsprechenden Qualifikationen auf. Anhand einer Qualifikationsmatrix aller potentiellen Kandidaten lässt sich erkennen, welche Qualifikationen bereits im Unternehmen vorliegen. Sollte es an bestimmten Qualifikationen mangeln, können diese durch Schulungen erlangt oder durch externe Dienstleister erbracht werden. Dabei sollten Betreiber beachten, dass die Verantwortung für die sachgerechte Prüfung immer in der Verantwortung der Betreiber liegt.

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Für das Prüfkonzept sollte der Betreiber auch Prüfinhalten, Prüfarten und Prüffristen festlegen. Hierfür rät Dzieia verfügbare Informationen aus verschiedenen Quellen, etwa Normen, Tagungen, Fachliteratur, Herstellerinformationen oder Produktwarnungen, heranzuziehen. Aber auch betriebliche Erfahrungen sollten hierfür genutzt werden. „Einfach mal den Wartungstechniker fragen.“

Wie erstellt man ein Explosionsschutzdokument

In seinem Vortrag erstellte Klaus Rabenstein, Herding Filtertechnik, gemeinsam mit dem Auditorium ein Explosionsschutzdokument für ein Filtergerät. Grundsätzlich besteht das Explosionsschutzdokument aus drei Teilen – Aufgabenstellung, Gefährdungsbeurteilung mit Schutzmaßnahmen und dem Anhang mit unterstützenden Unterlagen. Der Abschnitt Aufgabenstellung umfasst neben der Beschreibung des Objekts, der Schnittstellen und Verfahren auch explosionstechnische Kenngrößen der Gefahrstoffe und eine Festlegung der explosionsgefährdeten Bereiche (Zonen).

Aus der Gefährdungsbeurteilung werden vorbeugenden, konstruktiven und organisatorische Maßnahmen abgeleitet. Wobei vorbeugende, primäre Schutzmaßnahmen auf das Vermeiden einer explosionsfähigen Atmosphäre abzielen. Vorbeugende, sekundäre Schutzmaßnahmen wiederum sollen wirksame Zündquellen vermeiden. Organisatorischen Maßnahmen umfassen Arbeits- und Handlungsanweisungen, wie ein Rauchverbot, aber auch Wartungsverträge oder regelmäßige Überprüfungen, etwa des Potentialausgleichs.

Nachdem Rabenstein alle genannten Punkte am Beispiel eines Filters abgearbeitet hatte, wurde deutlich, dass die Erstellung des Explosionsschutzdokumentes eine sehr individuelle Beurteilung ist. „Dies muss der Betreiber leisten“, so die Schlussfolgerung Rabensteins.

Fazit

Die Vorträge zeigen nicht nur die enge Verknüpfung von Brand- und Explosionsschutz, sondern auch die steigende Komplexität. Ganz gleich ob der Betreiber die entsprechenden Kompetenzen für Brand- und Explosionsschutzkonzepte, Überprüfung oder Dokumentation selbst aufbaut oder als Dienstleistung von extern bezieht, er ist und bleibt in der Pflicht für den sicheren Betrieb seiner Anlagen Sorge zu tragen.

Neue Anregungen gibt es wieder 2015: Hier informieren wir Sie in Kürze über den Termin der Förderprozess-Foren 2015.

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Über den Autor

M.A. Manja Wühr

M.A. Manja Wühr

Redakteurin