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Schüttgutforum 2012: Der 2. Tag

Alles im Fluss – Lagerung und Austragung von Schüttgütern

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Auch ist das Volumen um einiges größer als man es von klassischen Brennstoffen kennt; eine weitere Herausforderung liegt in der unterschiedlichen Kompressionsfähigkeit der Produkte. „Hier scheitert man mit der klassischen Auslegung sehr schnell“ so Di Matteo. „Man darf nicht mit dem Schüttgut kämpfen“, lautet daher der humorvolle Tipp von Di Matteo, sondern muss andere Methoden anwenden oder spezielle Komponenten neu entwickeln. Genau dies hat das Unternehmen mit seinem Dosiersystem WeighTube getan. Diese Rohrwaage eignet sich vor allem für leichte, sehr schleißende, schwerfließende Schüttgüter. Dank der kompakten und geschlossenen Bauweise entsteht keine hohe Staubentwicklung. Inzwischen ist das Dosiersystem bei zahlreichen Zementherstellern im Einsatz, etwa bei CEMEX Rugby in England und in Kroatien.

Hilfe, wenn der Austrag klemmt

Häufig wird bei der Planung die Fließfähigkeit eines Schüttguts nicht ausreichend berücksichtigt, so zumindest die Erfahrung von Fritz Thegtmeier von Agrichema Materialflusstechnik. Das Unternehmen wird meist dann gerufen, wenn der Austrag nicht optimal funktioniert. Die Fließfähigkeit ist abhängig von der Zusammensetzung der Schüttgüter, der Feuchtigkeit und der Temperatur sowie der Lagerzeit und der Verfestigungspannung. Aus verfahrenstechnischer Sicht müssen bei der Siloauslegung die Geometrie, der Silowerkstoff sowie die Betriebsbedingungen berücksichtigt werden. Trotzdem funktioniert nicht immer alles so, wie es geplant war.

„Wenn man mit den Leuten vor Ort spricht, erkennt man meist die wahren Probleme“, berichtete Thegtmaier und beschrieb, wie eine Verkettung von Umständen zu Problemen bei der Lagerung von Filterstaub im Stahlwerk führte. In diesem Fall wollten die Fahrer schnell verladen, weil sie nach Anzahl der Verladungen bezahlt wurden. Um die Abfüllung zu beschleunigen, benutzten sie häufig den Rüttler. Dadurch kam zu einem verstärkten Schüttgutaustrag mit entsprechend großer Staubentwicklung. Daraufhin wurde der Austrag vom Betreiber verkleinert. Dies hatte zur Folge, dass der Rüttler wieder häufiger zum Einsatz kam. Nun kam es aber zu einer Überfüllung, die wiederum die Verladeeinrichtung zerstörten. In diesem Fall half nur der große Schnitt: Das Silo wurde verkürzt, es wurde ein Schwingtrichter eingebaut und die Verladeeinrichtung wurde gegen einen Verlader mit integriertem Filter ausgetauscht.

Ein anderes Beispiel betraf Zinkoxid, welches in einem Silo mit Schneckenaustrag und einem Auffangkasten mit Räumarm gelagert wurde. Der Austrag geschah über eine eckige keilförmige sich verjüngenden Schurre und einen Verlader mit eckigen Konen. Dabei kam es zu Ablagerungen, so dass der Verlader nicht mehr in die Ursprungsposition fuhr. Wenn das Silofahrzeug in die Halle fuhr, wurde der Verlader häufiger beschädigt. Eine vergleichsweise kleine Änderung lag in dem Austausch der eckigen Schurre durch eine abgerundete Schurre aus Edelstahl und der Anbringung eines Klopfwerks sowie einer neuen Verladeeinheit. Wenig später wurde das Unternehmen erneut gerufen, da die Bälge der Verlader häufiger als gedacht defekt waren. Hintergrund war, dass diese Bälge mechanisch grob von außen gereinigt wurden, so abgeflacht und damit zerstört wurden. Die Lösung lag in einem Luftstoßgerät, einem Shock_Blower, der einen Impuls auf die Konen gab.

Eleganter ist es natürlich, wenn gleich bei der Planung solche Problematiken berücksichtigt werden. In einem Werk für die Aufbereitung von Stäuben (Electric Arc Furnace = Elektrostahl-Staub) aus Stahlwerken wurde daher vorher eine verfahrenstechnische Betrachtung der Silos durchgeführt. „Selbst wenn diese Planung nicht zum Neubau einer Anlage führte, gab die Planung wertvolle Hinweise, welche Komponenten benötigt werden und so ließ sich die bestehende Anlage optimal umrüsten, dass ein sicherer Prozess möglich war“, so das Fazit von Thegtmeier.

Siloräumung – Wenn gar nichts mehr geht

Wenn gar nichts mehr geht, bleibt nur die Siloräumung, die bei entsprechender Größe nicht ungefährlich ist. Häufig weiß der Betreiber gar nicht, wie der Zustand im Innern seines Silos ist. Material, das eigentlich unproblematisch ist, kann sich über die Jahre verfestigen. „Eine der sichersten Methoden stellt die maschinelle Siloreinigung dar“, erklärte Stephan Marx von Martin Engineering. Bei dieser Methode wird im Silo vorsichtig mit entsprechenden Bohrvorrichtungen das verfestigte Material gelöst, so dass es das Silo über das vorhandene Austragsorgan verlassen kann.“ Ein manueller Einsatz ist nicht nötig, dabei ist die Vorgehensweise immer ähnlich: Zunächst wird das Material angebohrt, um das Reinigungsgerät hineinzubringen. Damit lässt sich dann an den entscheidenden Stellen das Silo vorsichtig reinigen, um den Materialfluss wieder in Gang zu bringen.

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