Länderreport VAE

Abu Dhabi nimmt sich Ludwigshafen zum Vorbild

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Farben, Lacke und Bauchemiekalien

Eine Nachfrage nach Farben, Lacken und Bauchemikalien kommt vornehmlich von der Bauindustrie. Obwohl in Dubai in der zweiten Jahreshälfte 2008 der Bauboom unsanft zu Ende ging und auch Abu Dhabi seit dem 2. Quartal 2011 stark auf die Bremse tritt, wird in den VAE insgesamt immer noch sehr viel gebaut. Ein wichtiges Thema steht erst noch bevor: Die Sanierung der oft schlecht gebauten Immobilien.

Für den künftigen Bedarf an Kunststoffen in Primärform und an chemischen Grundstoffen sind verschiedene Investitionsinitiativen ausschlaggebend, die nachgelagerte Produktionen nach sich ziehen und die VAE zu einem international beachteten Chemiestandort machen sollen. Große Fortschritte macht bislang die Abu Dhabi Polymers Company (Borouge), die eine zweite Erweiterungsphase 2010 abgeschlossen und eine dritte, 4,5 Mrd. US$ teure in Angriff genommen hat (siehe Abschnitt Produktion/Branchenstruktur).

Petrochemiekomplexe und Industriepark

In Planung ist ferner eine riesige "Kunststoffstadt" mit mehreren Petrochemiekomplexen und einem Industriepark für die Herstellung von Kunststoffendprodukten. Standort der Chemicals Industrial City ist die Al Gharbia Region westlich von Abu Dhabi. Eigentümer ist Tacaamol, ein Joint Venture der Abu Dhabi National Chemicals Co. (Chemaweyaat; 51%) und der International Petroleum Investment Co. (IPIC; 49%). Die Anteilseigner von Chemaweyaat sind das Abu Dhabi Investment Council (ADIC) und IPIC mit jeweils 40% sowie die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) mit 20%. Das Vorhaben war zuvor unter dem Namen Chemaweyaat mit einem anderen Standort bekannt.

Die propagierte Marschrichtung ist eindeutig: Abu Dhabi möchte seine Ökonomie diversifizieren, einen Mehrwert und - drängender denn je - saubere Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung schaffen. Weil das Emirat die Förderung der Einsatzmittel Öl und Gas kontrolliert, kann es auch die Produktionskosten der neuen Downstream-Aktivitäten bestimmen. Abu Dhabi setzt auf das Verbundkonzept des BASF-Komplexes in Ludwigshafen und möchte dieses sogar noch extremer umsetzen: Die staatliche Öl- und Gasförderung geht an staatliche Raffinerien und Petrochemiefirmen, die ihre Vorprodukte an spezialisierte Kunststoffverarbeiter und Chemiehersteller weiterreichen, die ihrerseits in Sonderindustriezonen direkt neben den großen Chemiekomplexen angesiedelt werden.

Während Abu Dhabi das Kerngeschäft selbst machen will, dürfen private Firmen es ergänzen. In der geplanten neuen Chemiestadt könnten internationale Unternehmen einmal Spezialchemikalien oder Fertigprodukte herstellen, heißt es, von einfachen Plastikerzeugnissen bis zur Kunststoffinnenverkleidung für Flugzeuge. Abu Dhabi, so die Vision, avanciert dann zu einem Zentrum neuer Technologien.

Vision und Wirklichkeit sind jedoch nicht immer deckungsgleich: Die ambitionierten Pläne wurden entwickelt, als der Ölpreis so hoch wie nie zuvor, die Investmentbank Lehmann Brothers noch nicht zusammengebrochen und Dubai im Baurausch waren - in einer Zeit des "Alles-ist-Möglich". War seinerzeit die Rede von zwölf gigantischen Petrochemiekomplexen - alle zwei Jahre ein neuer -, ist man heute bescheidener. Priorität haben Bourouge 3 sowie die Erschließung und Nutzung des Shah-Feldes. Die dort eingeschlossenen Erdgasvorkommen müssen jedoch erst aufwendig gereinigt werden. Abu Dhabi braucht das Gas dringend als Energieträger.

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