Innerhalb des Schüttgutprozesses finden sich viele neuralgische Punkte, die den reibungslosen Materialfluss behindern können. Auf dem Schüttgut-Forum 2018 diskutierten Experten und Anwender über innovative Ansätze, um Schüttgüter in den richtigen Fluss (bevorzugt Massenfluss) zu bringen.
„Wir haben Angst, Risiko einzugehen – aber ohne Risiko keine Innovationen.“ In seiner Keynote konfrontierte Prof. Dr.-Ing. Eberhard Schlücker, Lehrstuhl für Prozessmaschinen und Anlagentechnik (IPAT), Uni Erlangen-Nürnberg, die Teilnehmer mit der Frage: Ist der Technologie-Standort Deutschland in Gefahr? Anhand von Beispielen zeigte Schlücker, dass die beschriebene Situation ernst, aber nicht alternativlos ist.
(Bild: Ernhofer/PROCESS)
Was hilft, wenn nichts mehr fließt? Der spontane Griff zum Hammer, um an den Silowänden zu rütteln, ist jedenfalls keine Option. Vielmehr muss das Silo als Gesamtsystem betrachtet werden, also inklusive Austragung, Dosierung und auch der Einspeisung in die Förderleitung. Grund genug für das 12. Schüttgut-Forum einen Schwerpunkt auf das Thema „Dosieren und Austragen“ zu legen.
Dabei benannte der Tandem-Vortrag von Dr. Harald Wilms, Wilms-ITC, und Harald Heinrici, Schwedes + Schulze, eines der Hauptprobleme – nämlich, dass die meisten Silos immer noch Kernflusssilos sind. Dadurch kommt es zu den bekannten Problemen wie die Ausbildung toter Zonen oder Abflusstrichter, breite Verweilzeitverteilung oder Entmischungserscheinungen. Diese sind aber lösbar, wenn man die Komponenten und vor allem die jeweiligen Produkte gut kennt.
Förderprozess-Foren 2018: Die Referenten des 12. Schüttgut-Forums
„Insbesondere für eine hohe Dosiergenauigkeit gilt, dass das Austragen funktionieren muss, sonst hat die Messung keine Chance – von einer Regelung ganz zu schweigen“, brachte es Heinrici auf den Punkt. Geschäftsführer Walter Geroldinger nimmt dabei jede Herausforderung an: „Für uns ist sogar ein lehmartiger Filterkuchen noch ein Schüttgut!“ Allerdings müsse man die Aufgabe genau kennen, etwa die Mengenverhältnisse, maximale Entnahmepausen oder die Umgebungsbedingungen, um zum Erfolg zu kommen. Sein Tipp: „Alles was sich im Labor messen kann, sollte ich vorher tun.“
Dass eine Kundenanforderung nicht immer zum Problem werden muss, zeigte Dr. Alexander Mildner, Greif-Velox Maschinenfabrik. Den Beweis dazu lieferte er anhand dreier Beispiele, indem der Abfüll- und Verpackungsprozess dadurch verbessert wurde, indem man gezielt auf Probleme der Kunden reagierte.
Auch beim Thema Entstaubung sind noch Innovationen möglich, wie Wolfgang Schulz von Wam darlegte. Mit der Nanofasertechnologie gelang es u.a. einen verbesserten Abscheidegrad, einen geringeren Druckverlust und eine bessere Abreinigung zu erreichen. Der Lohn: niedrigere Investitions- und Betriebskosten. Bevor der erste Tag einen gemütlichen Ausklang fand, zeigte Hendrik Schreier von Glatt Ingenieurtechnik, welche funktionellen Eigenschaften heute ein Granulat besitzen kann. Ob eine verbesserte Löslichkeit oder die verzögerte Wirkstoff-Freisetzung – dem Kundenwunsch sind hier keine Grenzen gesetzt.
Am nächsten Tag standen innovative Verfahren auf dem Programm, etwa wie sich Schüttgutprozesse mithilfe der DEM-Simulation verbessern oder wie sich Produktionsprozesse mit Normkurven und IoT gewinnbringend nutzen lassen. Bereits in der Praxis angekommen ist das Verfahren Fluidlift Ecoblue, das Michael Dürr von Coperion präsentierte, und die pneumatische Förderung revolutioniert. In der Forschung dagegen befindet sich ein Ansatz mit dielektrischen Elastomeren, mit deren Hilfe Materialien vorwärts bewegt werden. Dies funktioniert ähnlich wie ein Muskel, der sich zusammen zieht und entspannt. Durch z.B. Ändern der Frequenz bieten sich interessante Möglichkeiten, so Steffen Hau, Uni Saarland.
Abschließend ging es noch einmal zur Sache, sprich in den Explosionsschutz, bei dem Dr. Alexander Leksin einen hervorragenden Überblick über die Gefährdungsbeurteilung und das Erstellen eines Explosionsschutz gab. Dabei ging er auf kommende mögliche Gesetzesänderungen ein, die das sowieso schon komplexe Thema noch einmal komplizieren werden. Komplex ist auch die Lage bei Bränden in Silos – doch dabei gilt – laut Jörg Kayser, DMT, vor allem eines: Ruhe bewahren und die Hotline (Tel. +49-231-5333-237) anrufen. Die dort sitzenden Experten leiten sicher durch den Unglücksfall. Nicht nur dieser Vortrag zeigte deutlich, dass der persönliche fachliche Austausch durch nichts zu ersetzen ist – auf dem diesjährigen Schüttgut-Forum gelang dies wieder hervorragend.
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Förderprozessforen 2018: Impressionen und Abendveranstaltung