Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Moskau/Kiew (dpa) *11:16 Uhr – Großer ukrainischer Drohnenangriff auf Russland
Die Ukraine hat Russland nach Moskauer Militärangaben in der Nacht mit einem massiven Drohnenangriff überzogen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es seien 151 gegnerische Kampfdrohnen abgewehrt worden. Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar, doch den Zahlen nach waren die Gebiete Wolgograd an der Wolga und Rostow im Süden Schwerpunkte der Angriffe. Seit Donnerstagabend verhängte die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija an mehr als 25 Flughäfen Einschränkungen des Betriebs.
Berlin (ots) *09:35 Uhr – Raffinerien brauchen Investitionen statt Sondersteuern
Die diskutierte «Übergewinnsteuer» würde dringend notwendige Investitionen in deutsche Raffinerien gefährden und den Industriestandort Deutschland weiter schwächen. Davor warnt der en2x- Wirtschaftsverband Fuels und Energie. «Die Raffinerien in Deutschland leiden seit Jahren unter ungünstigen Standortbedingungen. Zusätzliche Sondersteuern erschweren oder verhindern notwendige Investitionen in Versorgungssicherheit, Effizienz und klimafreundliche Technologien, ohne einen nachhaltigen preisdämpfenden Effekt für die Kundschaft zu entfalten», so en2x-Hauptgeschäftsführer Prof. Christian Küchen. «Statt der Branche neue Belastungen aufzuerlegen, sollten die Rahmenbedingungen verbessert werden, die leider heute schon Investoren verunsichern und langfristige Kapitalanlagen in Defossilisierung und Modernisierung der Raffinerien hemmen.» Die Branche hat sich in Krisenzeiten als verlässlicher Lieferant erwiesen und ist essenziell für die Versorgung mit Energie und Grundstoffen, auch im Krisen- oder Verteidigungsfall. Daher müssen Investitionen unterstützt und nicht gefährdet werden.
09.04.2026: Milliardenkosten wegen «Energieschock»-Maßnahmen
Brüssel (dpa) *16:52 Uhr – Analyse: Milliardenkosten wegen «Energieschock»-Maßnahmen
Um die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs abzufedern, haben Deutschland und 21 andere EU-Staaten einer Analyse zufolge Maßnahmen im Umfang von mehr als neun Milliarden Euro eingeleitet. Dazu kämen laut der Untersuchung der Denkfabrik Jacques-Delors-Institut bislang weitere 13 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten für den Import fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas seit Beginn des Konflikts.
Der Thinktank schaute sich in seiner Untersuchung an, wie die Länder bisher auf nationaler Ebene auf den «Energieschock» reagierten. Zusammengezählt hätten 22 der 27 Mitgliedsstaaten insgesamt 120 Maßnahmen auf den Weg gebracht. Sie zielten hauptsächlich darauf ab, Preissignale zu schwächen, heißt es in der Mitteilung des Jacques-Delors-Instituts. So setzen einige Länder (9) auf Preisdeckel wie tägliche Obergrenzen oder auf fiskalische Maßnahmen (15 Länder) wie etwa die Senkung der Mehrwertsteuer. In Deutschland etwa dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, um 12 Uhr mittags, Preissenkungen sind rund um die Uhr erlaubt.
Die meisten Initiativen richten sich nach Angaben des Thinktanks an die Allgemeinheit, nur wenige Länder fokussieren sich bei den Entlastungen speziell auf bestimmte Gruppen wie Haushalte mit niedrigem Einkommen oder wirtschaftlich leicht verwundbare Sektoren.
Potsdam/Schwedt (dpa/bb) *16:17 Uhr – Staatsanwaltschaft ermittelt nach Leck in Ölpipeline
Nach dem Pipeline-Unfall im Nordosten Brandenburgs mit dem Austritt von Hunderttausenden Litern Öl ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen des Vorwurfs der Bodenverunreinigung. Das Verfahren richtet sich gegen drei namentlich bekannte Beschuldigte, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte. Zuvor berichtete die «Märkische Oderzeitung».
Aufgrund der laufenden Ermittlungen und unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsrechte könnten nähere Auskünfte derzeit nicht erteilt werden, hieß es von der Ermittlungsbehörde in Potsdam. Dort sind Staatsanwälte schwerpunktmäßig für Umwelt- und Wirtschaftskriminalität zuständig. Nach dem Pipeline-Unfall im vergangenen Dezember stellte die Deutsche Umwelthilfe Strafanzeige gegen die Ölraffinerie PCK in Schwedt. Die Pipeline von Rostock nach Schwedt versorgt die Raffinerie mit Rohöl. Bei Vorarbeiten für einen Sicherheitstest nahe Gramzow in der Uckermark waren mindestens 200.000 Öl Liter ausgetreten.
Berlin (ots) *10:46 Uhr – Biotechstandort Deutschland: Schlüsselakteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik treffen sich in Leipzig
Am 21. und 22. April trifft sich die deutsche und europäische Biotech-Branche in Leipzig. Rund 1000 internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Administration und Medien werden im Kongresszentrum am Zoo zu den «German Biotech Days» erwartet, um aktuelle Forschung und Entwicklungen und die Rahmenbedingungen für die Branche zu diskutieren. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat eine Impulsrede für das Eröffnungsplenum zugesagt, ebenso wie der Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft der Stadt Leipzig, Clemens Schülke. Im Plenum am zweiten Tag erwartet die Teilnehmenden eine Diskussion zu den geopolitischen Rahmenbedingungen und der Souveränität des hiesigen Biotechstandorts u. a. mit der Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium Gitta Connemann und Rainer Becker, stellvertretender Generaldirektor für Gesundheit bei der EU-Kommission. Dirk Panter, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft wird ebenfalls sprechen.
Stand: 08.12.2025
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Köln (ots) *08:27 Uhr – Fach- und Führungskräfte enttäuscht: Industriepolitisch ein verlorenes Jahr!
- Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie sind unzufrieden mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das industriepolitische Umfeld der Branche lässt an vielen Stellen weiterhin zu wünschen übrig, zeigt eine Umfrage der Branchenorganisationen VAA und DECHEMA. Besonders drastisch: Geht die Energiekrise infolge der Situation im Nahen Osten weiter, droht der Industrie ein weiteres Jahr ohne Perspektive. Es fehlt ein ausreichender Beitrag zur Sicherung der hochqualifizierten Arbeitsplätze.
Der größte Schmerzpunkt der Fach- und Führungskräfte unter 18 abgefragten Standortfaktoren sind die Energiepreise. Direkt dahinter folgt Bürokratie als Hemmnis für Wachstum und Innovation. Brisant: Damit decken sich die aktuellen Ergebnisse mit denen aus dem Jahr 2025. «Industriepolitisch ist ein Jahr verloren gegangen», sagt Dr. Christoph Gürtler, 2. Vorsitzender des VAA und Aufsichtsratsmitglied bei Covestro. «Wir laufen Gefahr, hochqualifizierte, für die deutsche Resilienz wichtige Arbeitsplätze in Deutschland nicht mehr sichern zu können. Daher brauchen wir endlich eine Standort- und Wirtschaftspolitik, die nicht weiter kleckert, sondern klotzt.»
Ein Rückschlag für den aufkeimenden Wirtschaftsaufschwung - die Auftragseingänge deutscher Unternehmen stiegen in den vergangenen Monaten - ist die Irankrise, die nach der Erhebung eskaliert ist. Insbesondere die energieintensive Chemiebranche wird hart getroffen durch die rasant gestiegenen Energiepreise. Das belastet schon jetzt das Wirtschaftswachstum in Deutschland moderat, wie unter anderem das DIW Berlin bekanntgab. «Damit die ohnehin gebeutelte Chemieindustrie nicht gänzlich den Boden unter den Füßen verliert, darf es keine industriepolitischen Denkverbote geben», erklärt VAA-Hauptgeschäftsführer Stephan Gilow. «Wir müssen die Energiepreisbelastung verringern, Halbmaßnahmen reichen nicht mehr! Die Ausweitung des Industriestrompreises auf 80 Prozent oder steuerliche Sonderabschreibungen wären das dringend benötigte Zeichen für unseren Standort.»
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen spricht sich angesichts niedriger Getreide- und hoher Spritpreise für mehr Biokraftstoff aus. «Wir haben aktuell sehr, sehr niedrige Preise für Getreide», sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Nach der global sehr starken Ernte im Herbst hätten manche Landwirte nur noch 160 oder 170 Euro pro Tonne Getreide als Verkaufspreis erzielt. «Da legt jeder Landwirt Geld drauf, wenn er produziert, das muss man ganz klar sagen.»
Bei Preisen von weit unter 200 Euro pro Tonne sollten die Vorgaben für die Produktion von Biokraftstoffen gelockert werden, forderte Hansen. In der EU ist gedeckelt, welchen Anteil die «Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen» am Energieverbrauch des Verkehrssektors der einzelnen EU-Mitgliedstaaten haben dürfen. So gibt es weniger Ausbauanreize für getreidebasierte Biokraftstoffe - anders als etwa für Kraftstoffe, die aus Bioabfall gewonnen werden. Hintergrund ist unter anderem die Kontroverse, ob Getreide für die Energiegewinnung angebaut werden sollte oder als Nahrungsmittel («Tank oder Teller»).
Zudem sollte aus Hansens Sicht mehr Biokraftstoff beigemischt werden dürfen. Das Ziel beider Maßnahmen: den Getreidepreis auf einem Niveau halten, das Landwirten das Überleben sichert - und gleichzeitig eine Kontrolle der Spritpreise beziehungsweise Absicherung der Energie.