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Welche Rolle spielt Ammoniak aktuell und zukünftig im Markt?
Delforge: Was wenige wissen: Ammoniak ist bereits heute ein sehr weit verbreitetes Kältemittel, besonders, wenn es um große Leistungsbereiche geht. Darüber hinaus besitzt Ammoniak ein enormes Potenzial für kommerzielle Anlagen im mittleren Leistungsbereich. Im ersten Schritt geht es uns darum, im Markt ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Ammoniak und andere natürliche Kältemittel nicht einfach nur als Alternative zu den synthetischen Kältemitteln gesehen werden – sondern, dass sie sich perspektivisch zu den weit verbreitetsten Kältemitteln entwickeln können.
Neben der hohen Umweltfreundlichkeit – Ammoniak besitzt zum Beispiel ein GWP und ein ODP von Null – müssen wir dazu die Effizienz und Zukunftssicherheit betonen. Darüber hinaus zählt für Betreiber natürlich auch die gesamtwirtschaftliche Betrachtung. Und ein Blick auf den gesamten Lebenszyklus von Kälteanlagen mit Ammoniak zeigt, dass niedrige Betriebskosten verhältnismäßig hohe Investitionen in den Erwerb einer solchen Anlage nicht nur schnell ausgleichen, sondern langfristige Vorteile schaffen – ökologisch und wirtschaftlich. Das gilt umso mehr, wenn man eine eventuelle, zukünftig noch strengere Besteuerung von Kältemitteln nach Umweltkriterien mit ins Kalkül zieht.
Was bedeutet die revidierte F-Gase Verordnung für die Kältemittelbranche im Allgemeinen – und für Ammoniak als natürliches Kältemittel im Speziellen?
Delforge: Mit der neu verabschiedeten F-Gase Verordnung im März 2014 wurde ein Investitionshindernis für die Branche beseitigt. Unternehmen kennen nun die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Installation einer Kälteanlage – insbesondere, welche synthetischen Kältemittel in Zukunft erlaubt, und welche verboten sind. Diese Regelungen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie Teil eines dynamischen Prozesses sind.
Das heißt: Manch konventionelles Kältemittel, das heute noch grundsätzlich erlaubt ist, kann morgen schon zu einem Kostenfaktor werden. So werden in Skandinavien zum Beispiel Steuern im Zusammenhang mit dem GWP und ODP von Kältemitteln fällig. Ein Szenario, das auch in anderen europäischen Ländern nicht unrealistisch erscheint und teilweise schon eingeläutet wurde. Denn die meisten Staaten haben sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls dazu verpflichtet, ihre CO2 Emissionen bis zum Jahr 2020 zu reduzieren. Realistisch betrachtet werden viele Länder diese Ziele verfehlen – und mit hohen Strafzahlungen belegt werden.
Das Geld könnte im nächsten Schritt auf die Verursacher umgelegt werden – zu denen auch synthetische Kältemittel mit GWP und ODP zählen. Am wichtigsten ist aber die Tatsache, dass die neue F-Gase-Verordnung ein Phase-down Szenario darstellt und der zulässige Anteil von F-Gasen somit künftig drastisch sinken wird. Letztendlich lautet die Kernbotschaft daher, dass natürliche Kältemittel die ideale Lösung für Energieeffizienz- und Umweltprobleme darstellen. Ich bin davon überzeugt, dass am Ende diejenigen Anlagenbauer und Endverbraucher profitieren werden, die schnell auf die Nutzung natürlicher Kältemittel umsteigen.
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