Energieffizienz Wie ein Tensidhersteller seine Werke auf Energieeffizienz trimmt

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Ein Schweizer Chemieunternehmen hat in zwei Werken den Energieverbrauch seiner Anlagen unter die Lupe genommen und erstaunliche Potenziale entdeckt. Durch technische Verbesserungen und den Abschluss neuer Lieferverträge spart es sechsstellige Beträge und schafft mehr Energieffizienz.

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Bei Kolb Hedingen wird die Reaktionsabwärme in diesen Speichern gesammelt und zur Heizung von Tanks und Gebäuden genutzt. (Bilder: Kolb Hedingen)
Bei Kolb Hedingen wird die Reaktionsabwärme in diesen Speichern gesammelt und zur Heizung von Tanks und Gebäuden genutzt. (Bilder: Kolb Hedingen)

Der Klimawandel stellt auch die chemische Industrie vor große Herausforderungen. Das Schweizer Chemieunternehmen Dr. W. Kolb hat am Stammsitz in Hedingen den CO2-Ausstoß zwischen 2000 und 2010 durch verschiedene Investitionen zur Reduzierung des Energieverbrauchs massiv gesenkt – bei gleichbleibenden Produktionsmengen. Durch eigene technische Maßnahmen und durch eine Optimierung der Energielieferverträge mit Unterstützung externer Berater spart Kolb– größter unabhängiger Alkoxylierer Europas – aktuell fast eine halbe Million Schweizer Franken im Jahr.

Die Produktionskapazität in den Kolb-Werken in Hedingen (Schweiz) und im niederländischen Moerdijk liegt bei jährlich weit über 100 000 Tonnen: Mittels Alkoxylierung werden u.a. nicht-ionische Tenside für die Wasch- und Reinigungsmittelindustrie sowie Papierprozesschemikalien hergestellt. Die 1964 gegründete Firma wurde 2007 von dem malaysischen Unternehmen KLK übernommen. Beim Rundgang durch das Werk in Hedingen zeigt der Leiter Operationen Dr. Viktor Helbling die Reaktoren mit einem Fassungsvermögen zwischen einer und 25 Tonnen.

Für den Start der Reaktionen benötigt Kolb große Mengen an Dampf. Für den Betrieb der Dampfkessel wurde früher ausschließlich Heizöl verwendet, seit Ende 2007 werden diese Aggregate vorwiegend mit Erdgas betrieben. Der Energieverbrauch in Hedingen liegt jährlich zwischen 15 und 20 Gigawattstunden (GWh). „Diese Energiemenge generiert Kosten, die unter dem heutigen Preisdruck permanent hinterfragt und optimiert werden müssen“, betont Helbling.

Energieeffizienz durch Abwärmenutzung

Bereits Mitte der 80er Jahre begann man in Hedingen mit Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Seitdem wird die bei den chemischen Reaktionen anfallende Abwärme gespeichert. Damit heizt Kolb seine Tanklager und neuerdings auch Gebäude. Anfang des neuen Jahrtausends unterzog das Werk seine Anlagen einer gründlichen Analyse, die die „Energiefresser“ identifizierte. Seither wurde permanent investiert; in den vergangenen fünf Jahren flossen fast zwei Millionen Schweizer Franken in Einsparprojekte: Dem Ersatz alter Druckluftkompressoren folgten bessere Isolationen von Dampfkesseln und Tanks, die Anschaffung effizienterer Kühlwasserpumpen und die Installation einer energieschonenden Abwassereindämpfung mittels Brüdenkompression.

Dank dieser technischen Maßnahmen und abhängig vom Energiepreis hat Kolb jährliche Einsparungen von mehreren 100 000 Schweizer Franken errechnet.

In seinem Werk in Moerdijk hat Kolb die schon in Hedingen praktizierte Nutzung von Abwärme neu konzipiert. Um die Produktionskapazität zu erweitern, war dort der Bau einer neuen Produktionslinie notwendig geworden. Die Ingenieure entwickelten für diese Anlage ein maßgeschneidertes Wärmerückgewinnungssystem: Die bei der Alkoxylierung anfallende Reaktionswärme speist ein Wärmetauschersystem, das wiederum die Rohstoffe erhitzt und damit die nächste Batchreaktion initialisiert.

Bis zu 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Moerdijk lassen sich dadurch einsparen. Die Ende 2008 in Betrieb gegangene Anlage wurde patentiert und erhielt vom Verband der Niederländischen Chemieindustrie (VNCI) den „Responsible Care Award 2010“.

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