Pharmalogistik Wie DHL zum Global Player in der Pharmalogistik aufsteigt

Von Anke Geipel-Kern 4 min Lesedauer

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Medikamente, Impfstoffe, Diagnostika, Biopharmazeutika und neuerdings auch Zell- und Gentherapeutika reisen heute um die ganze Welt. Wie lukrativ dieser stark wachsende Markt ist, hat auch die DHL Group erkannt und strategische Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro bis 2030 angekündigt. Welche Rolle der Life Sciences & Healthcare (LSH) Campus im hessischen Florstadt in der neuen Strategie 2030 spielen soll.

Ein DHL-Mitarbeiter macht Arzneimittel fertig für den Versand.(Bild:  DHL)
Ein DHL-Mitarbeiter macht Arzneimittel fertig für den Versand.
(Bild: DHL)

Wer mit DHL immer noch lediglich gelbe Postautos verbindet sollte schleunigst umdenken. Längst hat sich das Unternehmen zum weltweit aktiven Logistik-Dienstleister gemausert, das Paket und Briefgeschäft ist nur noch eines unter vielen. Auch in der hochspezialisierten und hochregulierten Pharmalogistik mischt die DHL Group mit und das längst nicht unter ferner liefen. DHL rangiert, laut den Marktanalysen von Mordor Intelligenz, in Europa auf Platz eins und verweist damit amerikanische Player wie Fedex und UPS auf die Plätze. Schon jetzt trägt das Geschäft mit der Pharma- und Medizinlogistik fünf Milliarden Euro Umsatz zum Konzernergebnis bei.

Marktanalyse von Mordor Intelligenz

Die Nachfrage nach Pharmalogistik in Europa wird hauptsächlich durch die steigende Nachfrage nach Medikamenten und Impfstoffen angetrieben, die durch die COVID-19-Pandemie und steigende Investitionen führender Pharmaunternehmen angeheizt wird. Die COVID-19-Pandemie hat den Handel mit konventionellen und rezeptfreien Medikamenten (OTC) in Europa verstärkt. Die Steigerung der Produktionsrate von Biologika, Hormonmedikamenten, Impfstoffen, komplexen Proteinen und temperaturspezifischen Nebenprodukten, die einen Kühlkettenversand erfordern, führte auch zu einem deutlichen Wachstum im europäischen Pharmalogistikmarkt. In Europa gibt es eine starke und wettbewerbsfähige Pharmaindustrie. Darüber hinaus treibt die steigende Nachfrage nach Zelltherapien, Impfstoffen und Blutprodukten in der Pharmaindustrie das Wachstum des Pharmalogistikmarktes der Region voran. Die steigende Nachfrage nach Reverse-Logistik im Pharmasektor, die steigende Nachfrage nach temperaturempfindlichen Arzneimitteln und der zunehmende Einsatz von RFID-Technologien für die Pharmalogistik sind kommende Trends auf dem Pharmalogistikmarkt in Europa. Source: https://www.mordorintelligence.com/de/industry-reports/europe-pharmaceutical-logistics-market

Pharma- und Medizintechnik sollen zur Umsatzlokomotive werden

Doch nun will DHL CEO Tobias Meyer in der Pharmalogistik richtig durchstarten. Seit er im September letzten Jahres die „Strategie 2030“ verkündet hat, ist klar: Life Sciences und Healthcare ist als eines von fünf Wachstumsfeldern identifiziert. Im April diesen Jahren hat Meyer denn auch strategische Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre angekündigt, um „die Logistikkompetenzen im Bereich Life Sciences und Healthcare zu verbessern“. Die Hälfte des Geldes soll in die USA fließen und 25 Prozent jeweils in die Regionen Asien-Pazifik und EMEA.

Neue Therapieansätze als Wachstumstreiber bei den Transporten

Der Konzern will vor allem von der steigenden Zahl an Biopharmaka sowie Zell- und Gentherapien profitieren. Die Transporte würden damit kälter, komplexer und erforderten maßgeschneiderte Lösungen, sagte der CEO auf einer Pressekonferenz im September. Vor allem ist damit eine Menge Geld zu verdienen, denn die Pharmakonzerne brauchen spezialisierte Dienstleister, um ihre Arzneimittel sicher und GDP-konform in alle Winkel der Welt zu bringen. Von der Möglichkeit bis 2030 fünf Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz zu erzielen, spricht Meyer und kreiert auch gleich die neue Marke DHL Health Logistik.

Damit das Angebot am Markt auch richtig fliegt, will er für die Pharma- und Medizintechnikkunden zusätzliche Angebote schaffen bzw. erweitern. Dazu gehören integrierte Lösungen für klinische Studien, die Erweiterung des temperaturgeführten Netzwerks sowie spezielle Kurier-Services, welche die erste und letzte Meile überbrücken. Ziel sei es, den Pharma- und Medizintechnikkunden End-to-End-Logistiklösungen aus einer Hand anzubieten.

Biopharmaka sowie Zell- und Gen-Therapien im Blick

Derzeit betreibt DHL Group fast 600 Standorte, Drehkreuze und Lagerhäuser in rund 130 Ländern für die Life-Sciences- und Healthcare-Branche. Insgesamt summiert sich das auf 1,9 Millionen Quadratmeter Lagerfläche. Jetzt sind in Florstadt noch einmal 30.000 Quadratmeter dazugekommen. Für den hessischen Standort ist das die vierte Erweiterung in den letzten Jahren und laut Oscar de Bok, Global CEO DHL Supply Chain ein Beispiel „wie wir unsere Strategie 2030 konkret umsetzen“. Neu hinzugekommen sind deshalb spezialisierte Dienstleistungen wie Probenentnahmen, die Unterstützung klinischer Studien sowie das Handling von Biopharmazeutika und Zell- & Gen-Therapien – all das soll Florstadt fit für die hohen Anforderungen der Biopharmabranche machen und steigende Bedarfe erfüllen. Das betrifft auch die Lagerflächen: Es gibt Temperaturzonen, die bei Bedarf bis zu -70 °C erreichen können, wobei der Fokus auf Temperaturbereichen von 2 bis 8 °C und -20 °C liegt.

Drehkreuz Florstadt

Auch einen Reinraum bietet Florstadt nun den Pharmakunden: Hier können GMP-konform hochsensible Substanzen und pharmazeutische Rohstoffe bearbeitet werden. DHL will damit das Handling von festen und flüssigen Gefahrstoffen bis zu 1.000 Litern – einschließlich API (Active Pharmaceutical Ingredients) und Wirkstoffproben sowie analytischer und mikrobiologischer Tests ermöglichen.

Zudem setzt DHL Supply auf durchgängige Transparenz, Compliance und Digitalisierung – mit täglichen operativen Abläufen, bei denen das Warehouse Management System eng vernetzt mit den IT-Systemen auf Kundenseite arbeitet. Damit werde auch das Supply Chain Management für besonders komplexe und patientenspezifische Produkte wie Clinical Trials oder temperaturkritische Spezialmedikamente effizient gesteuert.

Von Florstadt aus will DHL nicht nur Deutschland sondern ganz Europa beliefern. Der Standort werde so zum „Rückgrat unserer End-to-End Supply Chain Lösungen“, erklärt de Bok.

Hohe Umweltstandards

Mit den neuen Lagerflächen wächst der Campus auf insgesamt 100.000 Quadratmeter Lagerfläche mit 140.000 Palettenstellplätzen. 600 Mitarbeitende sind übrigens hier beschäftigt. Die Lagerhäuser sind mit Solarthermie-Paneelen, Luft-Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen ausgestattet sowie einer LED-Lichtsteuerung. All das hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, dazu bewogen dem Neubau die Gold-Zertifizierung zu verleihen.

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