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Exklusiv-Interview

Warum Wassertechnologie-Anbieter auf integrierte Systemlösungen setzen sollten

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„Entscheidend für die Wasserwende wird es sein, beim Abwasser den Gedanken der Kreislaufwirtschaft einzuführen: Zunächst sparen, es wiederzuverwenden und dann erst zu entsorgen.“ Dr. Engelbert Schramm
„Entscheidend für die Wasserwende wird es sein, beim Abwasser den Gedanken der Kreislaufwirtschaft einzuführen: Zunächst sparen, es wiederzuverwenden und dann erst zu entsorgen.“ Dr. Engelbert Schramm
(Bild: ISOE)

PROCESS: Mit Blick auf deutsche Anbieter fordern Sie ein höheres „systemisches Verständnis“. Wo sehen Sie Defizite?

Schramm: Die Anbieter haben eigentlich ein sehr hohes systemisches Verständnis. Bisher ist es aber wenig üblich, gemeinsam einen Markt zu bereiten. Eigentlich versucht jedes Unternehmen, da möglichst unabhängig zu handeln. Das Risiko, sich Innovationsnetzwerken anzuschließen und dort von anderen abhängig zu sein, sollte bezüglich der integrierten Systemlösungen von den Entscheidern neu bewertet werden.

PROCESS: Sie postulieren in ähnlicher Weise wie die Energiewende eine Wasserwende. Wie soll die konkret aussehen?

Schramm: Am Beispiel der Region Barcelona lässt sich das gut aufzeigen. Dort hat sich in den letzten zehn Jahren eine neue Wasserkultur entwickelt. Um weniger Wasser aus benachbarten Regionen zu verbrauchen, wird dort in der Siedlungswasserwirtschaft nicht mehr nur Trinkwasser verwendet, sondern dieses in vielen Neubauten, z.B. für die Toilettenspülung, durch Regenwasser oder auch durch Grauwasser – also aufbereitetes Wasser aus der Dusche – ersetzt. Zusätzlich wollen nun einige Kommunen ein Betriebswasser aus Abwasser zur Verfügung stellen, damit auch Menschen in älteren Gebäuden Trinkwasser sparen können.

Entscheidend für die Wasserwende wird es sein, beim Abwasser den Gedanken der Kreislaufwirtschaft einzuführen: Zunächst sparen, es wiederzuverwenden und dann erst zu entsorgen. Die öffentliche Wasserwirtschaft kann hier von den Innovationen profitieren, die in der Industriewasserwirtschaft in den letzten 20 Jahren gemacht und umgesetzt wurden.

PROCESS: Sie fordern mit Blick auf Investitionen in die Wasserinfrastrukturen eine Verstärkung der „Capacity Developments“. Was ist darunter zu verstehen?

Schramm: Das ist ein Begriff, der eigentlich aus der Entwicklungszusammenarbeit stammt. Der Begriff Capacity beschreibt dabei die Fähigkeit von Einzelpersonen, Organisationen und Gesellschaften, Sachverhalte und Probleme zu identifizieren, sie zu benennen, zu verstehen und zu lösen. Entsprechende Kompetenzen und Erfahrungen erlauben es, dass z.B. die Besteller in den Exportmärkten mit eigenem Wissen künftige Problemlagen zielgerichtet angehen und nachhaltige Lösungen für künftige Generationen bestellen können. Das Exportnetzwerk „German Water Partnership“ arbeitet schon heute daran, dass auch die Bediener der Systemlösungen „Capacity Development“ erhalten, so dass die neuen Anlagen richtig betrieben werden und nicht nach kurzer Zeit einfach unnütz herumstehen, wie das heute noch häufig der Fall ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Engelbert Schramm die globalen Marktchancen für die deutsche Wasserwirtschaft einschätzt.

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