Anbieter zum Thema
Im letzten Jahr ging in München eine Pilotanlage an den Start, die aus Weizen- und Maisstroh, cellulosebasiertes Bioethanol herstellt und für Dr. von Au der Einstieg in eine Bioraffinerie ist, die in einem Strang Bioethanol für die Kraftstoffindustrie und im anderen Ethylen für die Chemie herstellt. Inspiriert sind solche Überlegungen von Erfahrungen aus Brasilien. Basierend auf der prosperierenden Bioethanolproduktion entwickelt sich dort nämlich gerade ein zweiter Industriezweig – die Herstellung von Bio-PVC und Bio-Poly-
ethylen. Christalsev, einer der größten brasilianischen Ethanolproduzenten, hat Pläne für eine Polyethylenanlage in der Schublade, die eine Jahreskapazität von 350 000 Tonnen haben soll. Integriert seien diese Konzepte noch nicht, meint Wagemann. Aber Entwicklungen wie diese weisen zumindest in die richtige Richtung.
Integrierte Bioraffinerien – Diese Konzepte sind in der Diskussion
- Lignocellulose-Bioraffinerien: Einsatzstoffe sind trockene pflanzliche Biomasse wie beispielsweise Hölzer, Stroh oder Maisstengel auf. Auftrennung in die Fraktionen Lignin, Cellulose und Hemicellulosen; Einsatzreife: Pilotanlage in Planung
- GanzpflanzenBioraffinerien: Stroh und Körner verschiedener Getreidesorten werden getrennt verarbeitet. Stärke wird direkt hydrolysiert und zu Ethanol vergoren. Stroh wird wie bei der Lignocellulose-Bioraffinerie aufgeschlossen. Einsatzreife: Entwicklungstadium
- Grüne Bioraffinerien: Verarbeitete feuchte Grünlandbiomasse (z.B. Grasschnitt) oder Silage wird durch mechanische Fraktionierung zu Presssaft und Presskuchen getrennt. Die im Presssaft enthaltenen Wertstoffe wie Proteine, Aminosäuren und Milchsäure werden gewonnen. Der faserige Presskuchen wird zu Dämmmaterial weiter verarbeitet oder als Viehfutter genutzt; Einsatzreife: Pilotanlage in Planung
- Zwei-Plattform-Konzept Bioraffinerien: Kombination der Bioethanolfermentation mit der Syngas-Technologie. Aus den Stärke- und Zuckeranteilen der Pflanzen wird Ethanol gewonnen. Die faserigen Bestandteile werden thermolytisch vergast. Aus dem entstehenden Syngas kann durch Fischer-Tropsch-Synthese Dieselkraftstoff erzeugt werden. Einsatzreife: Einzelnutzung der Plattformen. Bisher kein integriertes Konzept.
- Thermochemische Bioraffinerien: Erzeugen aus Biomasse (vorwiegend agrarischer Reststoffe) Bioöl und Biokoks. Einsatzreife: Flash-Pyrolyse zur Thermolyse ist im Pilotstadium. Stoffliche Verwertung von Biokoks und Bioöl ist im Forschungsstadium.
- Marine Bioraffinerien: Verwertung von Algenbiomasse. Verfahrensschritte sind Aufschluss, Extraktion und Aufreinigung von Wertstoffen. Einsatzreife: Forschungstadium. Umsetzung ist abhängig von der Verfügbarkeit der Algenbiomasse.
(ID:20412350)