Standortportrait

Vom Sanierungsfall zum Vorzeigestandort

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Kosten senken, Ausbeute steigern

Das Ziel, auf das Konzernchef Rudolf Staudigl seine Mannschaft verpflichtet, lautet deshalb: Operative Kosten senken, Ausbeute steigern. Ein Unterfangen, das der Quadratur des Kreises gleicht. Denn die Silicium-Herstellung aus Rohsilizium und Methanol ist ein energieaufwändiger Prozess mit Reaktionstemperaturen über 1000 °C, Pyrolyseschritten und vielen Destillationsläufen.

Über 200 Produkte entstehen aus lediglich zwei Einsatzstoffen, darunter Silikone, Solar- und Halbleitersilicium, Polymere und Kieselsäure, auch mit GMP-Siegel. „Für eine effiziente Polysilicium-Herstellung ist es extrem wichtig, Stoff- und Energiekreisläufe zu schließen“, betont Dr. Hans Peter Bortner, bei Wacker Silicones, Director Silan Production.

60 % der für die Herstellung benötigte Hitze wird heute über die frei werdende Prozesswärme abgedeckt. Insgesamt sei es gelungen, trotz eines Anstiegs der Produktionsmenge um den Faktor 21 den Wärmebedarf um den Faktor 5 zu senken, sagt Kunkel.

Die Integration der Anlagen zu einem Produktionsverbund, dessen Vorbild in Burghausen steht, war deshalb eine der Hauptaufgaben der vergangenen Jahre. Jetzt ist in Nünchritz alles mit allem vernetzt: Im Mittelpunkt steht die HDK-Anlage, mit der die Verfahrenstechniker zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Herstellung der hochdispersen Kielselsäure erhöht die Wertschöpfung, da bei der Silikonherstellung anfallende Nebenprodukte als Rohstoff eingesetzt werden und dient dem Recycling des in riesigen Mengen benötigten Chlorwasserstoffs.

Die Anlage ist in zwei geschlossene HCL-Kreisläufe integriert. Einer gehört zur Silikonherstellung, der andere zur Polysilicium-Anlage. Besuchern gewährt Portner nur einen flüchtigen Blick in die große Halle. Zu groß sei die Gefahr der Verschmutzung, befindet er. Im Allerheiligsten der Wacker-Produktion ragen die links uns rechts entlang eines Mittelgangs aufgereihten Siemens-Reaktoren in die Höhe. Jeder davon hat eine eigene Strom- und Gasversorgung. Die verbrauchte Strommenge ist ein gut gehütetes Geheimnis. In den Glockenreaktoren geht es heiß her. In der auf 1000 °C aufgeheizten Atmosphäre aus Tri-chlorsilan und Wasserstoff wachsen an Silicium-Stäben innerhalb einer Woche polykristalline Siliciumchunks. Später entstehen an einem anderen Ort aus dem Halbleiter Solarzellen und Wafer.

Auch die Entwicklung in Nünchritz ist noch nicht zu Ende. Kunkels optimistisches Fazit: „Wir setzen uns jedes Jahr neue Effizienzziele und es geht immer noch etwas.“

(ID:43305094)