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Dekarbonisierung

VIK-Jahrestagung: Branche setzt auf Energieeffizienz und Innovationen bei Treibhausgasneutralität und Klimaschutz

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Bereits bei einer aktuellen Runde „VIK und Politik im Gespräch“ am Vormittag hatte VIK-Vorsitzender Dr. Mohr mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Georg Nüsslein und Jakob Schlandt vom Tagesspiegel über Wege zu einem Klimakonsens diskutiert. Unter Leitung von Moderator Klaus Stratmann (Handelsblatt) entspann sich eine spannende Debatte nicht nur auf dem Podium, sondern auch mit den Teilnehmern der Jahrestagung, besonders aus Unternehmen, um konkrete und machbare Schritte für die Energie- und Klimawende. Für Tagesspiegel-Redakteur Schlandt braucht es jetzt einen Verknappungsimpuls, der auch von der Kohle ausgehen könne. Seiner Meinung nach gibt es gute Modelle und Marktlösungen. Die CO2-Preisdebatte sieht er am Zielführendsten. VIK-Vorsitzender Mohr machte dagegen deutlich, dass sich der VIK mit aller Macht gegen einen Anstieg der Netzkosten stemmen wird. "Wir reden in dem Kontext immer wieder über Strompreise und Börsenpreise. Dabei sind die Netzkosten viel entscheidender. Wenn die Netzkosten deutlich höher sind als die Stromkosten, dann ist das keine beruhigende Nachricht für uns", so Mohr.

VIK Jahrestagung 2017

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Gewarnt wurde in der Diskussion vor nationalen Alleingängen Deutschlands – die Industrie und vor allem die energieintensiven Unternehmen bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen. Zukunftsfähig seien nur eine Balance von Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Zugleich bestand Einigkeit bei der Podiumsdebatte, dass die Gespräche über eine „Jamaika“-Bundesregierung letztlich nicht an Energie- und Klimafragen gescheitert sind.

Stresstest für die Energieversorgung lässt auf sich warten

Leonie Gebers von der Industrieabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die BMWi-Staatssekretär Matthias Machnig aufgrund der Politik-Lage vertrat, bekräftigte in der Keynote: Dekarbonisierung müsse bezahlbar und versorgungssicher sein. Deutschland müsse als Industriestandort erhalten bleiben. Zugleich forderte sie jedoch die Wirtschaft auf, tatkräftig an der Entwicklung zur treibhausneutralen Gesellschaft aktiv mitzuwirken.

Der Dreiklang von Politik, Wirtschaft sowie Technologie im Programm der diesjährigen VIK-Jahrestagung war gut gewählt. Über diese Einflussgrößen und Bereiche und ihre Schnittmengen wollte man beim VIK über die notwendigen Schritte bei der Dekarbonisierung in Deutschland sprechen. Wollte, muss man im Konjunktiv nehmen, denn die Politik verweigerte sich in Teilen an diesem Tag zwei nach gescheiterten Jamaika-Koalitionsverhandlungen. Bis auf Georg Nüßlein, dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hatten weitere FDP- und Grünen-Politiker kurzfristig abgesagt. Eine Frage aus dem Auditorium sorgte bei vielen Teilnehmern für Zustimmung und Diskussionsstoff: Warum schafft es die Bundesregierung nicht einen wirklichen Stresstest für die Energieversorgung in Deutschland durchzuführen? Im Bankensektor sei das sogar auf europäischer Ebene gelungen.

Covestro-Manager Sievering brachte die Meinung vieler auf den Punkt: "Wir sollten anfangen, ehrlich darüber zu sprechen, dass eine Energieautarkie in Deutschland nicht möglich ist und diesen Mythos auflösen". In einem Zukunftsszenario der emissions-neutralen Gesellschaft werde man nach Deutschland große Mengen an Energie importieren müssen, so Sievering. Zukünftige Energie-Importe werden seiner Meinung nach nur zu einem Teil aus erneuerbarem Strom aus den Nachbarländern bestehen und zu einem Großteil aus Power2Gas oder Power-2-Liquid kommen.

Für Sievering steht fest: "Wir brauchen den frühzeitigen Einstieg in industrielle Demonstrationsanlagen von CCU-Technologien. Dafür müssen wir aber erhebliche Zeitaufwände und Geduld mitbringen". Die Innovationszyklen der energieintensiven Industrien bedürfen Dekaden. Sievering erwartet beispielsweise ein Scale-Up für den Carbon2Chem-Prozess, die derzeit noch im 5.000-Tonnen-Maßstab liegen auf einen World-Scale-Maßstab, nicht vor dem Jahr 2030. Am Ende einer Diskussions-reichen und spannenden Veranstaltung bleibt die Erkenntnis, dass man allen Shareholdern ein ernsthaftes Ringen um Lösungen bescheinigen kann.

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