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Dekarbonisierung

VIK-Jahrestagung: Branche setzt auf Energieeffizienz und Innovationen bei Treibhausgasneutralität und Klimaschutz

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Dr. Patrick Graichen vom Think Tank Agora Energiewende, skizzierte sieben Aufgaben für die Klimawende. Dazu zählen seiner Meinung nach: 1. Degression der Kosten. 2. Dekarbonisierung. Der Klimawandel beschleunigt sich und zwingt zum Handeln (geht nicht mehr weg). 3. Deflation der Energiepreise. Kohle und Gas bleiben billig, werden aber volatiler. Das führt zu neuen Herausforderungen für die Energiewirtschaft. 4. Dominanz der Fixkosten. 5. Dezentralität der Energieversorgung. 6. Digitalisierung der Energieversorgung und 7. Demokratisierung. Energie betrifft Bürger zunehmend direkt.

VIK Jahrestagung 2017

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Außer dem Stromsektor sieht Graichen nun bis 2030 auch den Wärmebereich und den Verkehr in der Pflicht. Danach stehe ein Industrie-Umbau zur Erreichung der Ziele 2050 an, der jedoch langfristig vorbereitet werden müsse. Graichen forderte mehr zielgerichtete Forschungsförderung für die Treibhausgasneutralität. "Wir brauchen ein EEG für Power-to-X-technologien", so Graichen. Kanzleramtsminister Altmaier und Staatssekretär Machnig aus dem Wirtschaftsministerium hätten diese Idee bereits positiv aufgenommen.

Defossilisierung als langfristiges Ziel

Prof. Dr. Kurt Wagemann, Geschäftsführer der Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. sprach sich für Defossilisierung als langfristiges Ziel aus. Allerdings belege eine europaweite Analyse für die Chemiebranche, dass 100prozentig treibhausgasneutrale Produktion nicht erreichbar ist, nötige Veränderungen mit einem erheblichen Anstieg des Verbrauchs von Strom einhergehen und die Aufgaben nur global lösbar sind. Dennoch sieht Wagemann in der Defossilisierung der Chemie Chancen und Herausforderungen zugleich. Im Kern geht es seiner Meinung nach um nicht mehr und weniger als die gewaltige Transformation der Branche unter Nutzung von EE-Strom sowie alternative Kohlenstoff-Quellen wie Biomasse, Industrial Symbiosis, Circular Ecomomy bzw. Recycling und Power-to-X-Technologien. Die mit dem europäischen Chemieverband Cefic erstellte Studie „Low Carbon Energy and Feedstock for the European Chemical lndustry“ sieht vier Szenarien vor: Business as Usual, ein mittleres, ein ehrgeiziges und ein Maximum-Szenarium.

Der Dechema-Geschäftsführer mahnt jedoch: „Chemieanlagen sind in Stahl gegossen. Daher muss man bei der Klima- und Klimabilanzbewertung über den Lebenszyklus einer Anlage auch die Herstellung der Anlagen und deren Komponenten ebenfalls mit einbeziehen". Die zusätzlichen Investitionskosten der Branche für die vier Szenarien bewegen sich laut Wagemann zwischen 3 Milliarden und 13 Milliarden Euro jährlich. Als größten limitierenden Faktor beschreibt Wagemann den fehlenden Strom aus erneuerbaren Quellen, die mangelnde Skalierbarkeit der Wasserstoff-Routen sowie die begrenzte Biomasse-Verfügbarkeit. Unter den derzeitigen Marktbedingungen sei keine Wettbewerbsfähigkeit für eine derartige Transformation gegeben, so Wagemann.

In der Podiumsdiskussion zu "Politik und Industrie, nach Paris gemeinsam unterwegs!" mit den Impuls-Referenten betonte VIK-Hauptgeschäftsführerin Barbara Minderjahn, dass es nicht nur um Effizienz und Einsparungen beim Energieeinsatz gehe. Vielmehr müsse überlegt werden, wie Innovationen und die Entwicklung neuer Verfahren zum treibhausneutralen Wirtschaften befördert werden könnten. Dagegen bestand Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik bei WWF Deutschland, auf den ehrgeizigen Klimazielen und betonte die Verantwortung Deutschlands dabei. Zugleich bekundete er Unterstützung für Unternehmen, die die Klimaziele ernst nehmen, und begrüßte das Dekarbonisierungs-Diskussionspapier des VIK.

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