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Einfach ist es trotzdem nicht, in die Phalanx der Amerikaner einzudringen, die seit vielen Jahren enge Kundenbeziehungen aufgebaut haben. Die Marktführerschaft teilen sich Honeywell UOP und Lummus. Erstere sitzen bei Dow fest im Sattel. Dow baut gerade in Freeport eine 750.000-Jahrestonnen-Anlage in der die Oleflex-Technik zum Einsatz kommt und die 2015 in Betrieb gehen soll, eine zweite ist in Planung – voraussichtlicher Produktionsstart 2018. Aber auch Lummus ist mit seinem Catofin-Verfahren gut dabei und schon seit Jahren bei Petrologistics mit im Boot, übrigens auch bei der geplanten neuen Anlage.
Schiefergas
Wer profitiert vom Schiefergas-Boom in den USA?
Lummus bietet auch noch einen zweiten Verfahrensweg zu Propylen an: die Olefin-Metathese (siehe Kasten), die in der jetzigen Situation eher Nischencharakter hat, weil der Einsatzstoff 2-buten ebenfalls knapp und deshalb teuer wird und deshalb diesen Verfahrensweg unwirtschaftlich macht.
Reifenhersteller leider an erhöhter Butadiennachfrage
Betroffen von dem Engpass in der C4-Kette ist auch Butadien, worunter besonders die Kautschukhersteller leiden, denn das Gros der weltweiten Butadienproduktion geht in die Reifenherstellung. Die Verknappung an Butadien sei bereits Realität, sagte Lanxess-Chef Matthias Zachert auf der Handelsblatttagung. Momentan stammt das weltweit eingesetzte Butadien aus dem Naphtacracker, und anders als bei Propylen, stecken die On-Demand-Technologien zum Teil noch in den Kinderschuhen.
Die momentan verfügbare Butane/Buten-Dehydrierung krankt an der schlechten Prozessausbeute und war deshalb lange unwirtschaftlich. Doch jetzt, da alle Analysten steigende Butadienpreise prophezeien, wittern Technologieunternehmen fette Beute. Lummus verfügt mit der Catodiene-Technologie bereits über ein Verfahren. UOP treibt seit Juni eine Kooperation mit dem Butadienproduzenten TPC voran, um dessen Oxo-D-Technologie weiterzuentwickeln. Mitsubishi Chemical hat im März auf dem Aiche-Kongress eine oxidative Buten-Dehydrierung vorgestellt.
Auch Linde und BASF haben sich in einer Kooperation an das Thema gewagt. Der neue Prozess soll direkt vom Butan über Buten zum Butadien führen. BASF ist für Prozesstechnologie, Katalysatoren und Extraktionstechnologien zuständig, Linde bringt die Expertise für die Integration, Optimierung und Kommerzialisierung des Prozesses ein. Hauptsächlich gehe es darum, „einen effizienten Prozess zu erarbeiten, der sich durch eine optimale Integration über die gesamte Prozesskette hinweg auszeichnet“, erklärt Dr. Ernst Haidegger (Linde). Die Aufholjagd hat also begonnen. Verfahrenstechnisch können die Europäer allemal mit halten.
* Die Autorin ist leitende Redakteurin bei PROCESS. E-Mail: anke.geipel-kern@vogel.de
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