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Die Rohstoffkosten sind jedoch nur die eine Seite der Medaille. Was fast noch schwerer wiegt, ist der Produktmix der durch die Lightfahrweise entsteht. Das bereits im Naphta-Cracker bestehende Ungleichgewicht zwischen Ethylen und Propylen verschiebt sich noch einmal stärker in Richtung Ethylen, aber auch der Butadien- und C4-Anteil sinkt auf zwei bzw. ein Prozent. Damit droht eine Schwemme an billigem Ethylen und eine weitere Verknappung der Cracker-Nebenprodukte Propylen und Butadien.
Droht Europa eine Ethylenkrise?
Aber was bedeutet es für die weltweite Chemiebranche, wenn billiges Ethylen den Markt überschwemmt? Wie verändern sich die Wertschöpfungsketten, wenn sich das Produktspektrum der Cracker wandelt? Und welche Technologien werden benötigt?
Über diese Fragen ist momentan ein Kampf um die Deutungshoheit entbrannt. Ob Ceresana, Stratley, Allan Booz, Mc Kinsey, AT Kearney, Frost & Sulivan oder Deloitte – im Wochenrhythmus werfen die internationalen Marktforschungsinstitute Schiefergasstudien und Handlungsempfehlungen in die Diskussion. Einig sind sich die Analysten, dass die entstehenden Ethylenanlagen die Europäer in eine Zwickmühle bringen werden. „Der Aufbau von Kapazitäten in Nordamerika, im Mittleren Osten und in China resultiert bis 2017 in Überkapazitäten von sechs Millionen Tonnen und zwingt Europa mindestens zwei Millionen Tonnen Ethylen vom Markt zu nehmen“, sagt Dr. Walter Bürger-Kley, Managing Partner bei Stratley.
Neue Technologien braucht das Land
Eine nicht wegzudiskutierende Tatsache ist auch der Propylen-Engpass, der zwar bereits seit mehr als 15 Jahren besteht, aber in den letzten fünf Jahren dramatisch zugenommen hat. Das hat die Nachfrage nach On-Purpose-Technologien, die Propylen abseits der Crackerrouten, z.B. direkt aus Propan oder aus Methanol herstellen, stark befördert und ein Ende ist bisher nicht in Sicht.
Bevorzugte Technik ist dabei die Propandehydrierung, was die drei Anbieter, darunter die Anlagenbausparte von Thyssen Krupp Industrial Solutions, momentan beflügelt. „Wir glauben, dass in Nordamerika bis 2020 etwa drei Millionen Tonnen PDH-basierte Propylen-Kapazitäten aufgebaut werden. Das entspricht fünf bis sechs großen PDH-Anlagen, die allein in diesem Zeitraum gebaut werden und in Betrieb gehen“, sagt Max Heinritz-Adrian, Head of Gas Technologies, Thyssen Krupp Industrial Solutions. Der Trend zu PDH-Anlagen habe sich in den letzten fünf Jahren nicht nur durch den Schiefergasboom in den USA, sondern auch durch die Entwicklung der On-Purpose-Technologie in China beschleunigt.
Thyssen Krupp ist im Konzert der drei Anbieter, zu denen auch Honeywell UOP und Lummus gehören, eher ein Newcomer und auf entsprechend harten Wettbewerb gestoßen, da die drei Verfahren zwar technologisch verschieden sind, aber den gleichen Ausgangsstoff nutzen und im erzielten Produktspektrum vergleichbar sind. Doch der von Uhde entwickelte Star-Prozess, verkürzt für Steam Active Reforming, hat seinem Namen bereits Ehre gemacht. „Unser Markteintritt war erfolgreich und wir konnten eine ganze Reihe von Projekten akquirieren, u.a. ein Projekt in den USA“, sagt Heinritz-Adrian.
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