Pharma-Forschung Schaltbarer Kunststoff die für Medikamenten-Entwicklung

Redakteur: Manja Wühr

Forscher haben einen schaltbaren Kunststoff für die Medikamenten-Entwicklung entwickelt. Er ermöglicht eine zerstörungsfreie Ernte von Zellkulturen.

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Das Team um Dr. Jean-François Lutz, Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP, hat nun gemeinsam mit seinen Kollegen vom IBMT und vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung einen Kunststoff entwickelt, der bei 37 °C wasserabweisend und ein idealer Nährboden für biologische Zellen ist. „Kühlt man den Kunststoff auf 25 °C ab, also auf Raumtemperatur, zieht das Material Wasser an: Die Zellen meiden den Kontakt, werden fast kugelförmig und lassen sich leicht herunterspülen. Die Zugabe eines Enzyms wird so überflüssig“, sagt Lutz.

Von dem Kunststoff könnte beispielsweise die Pharmaindustrie profitieren. Denn bei Versuchen mit Zellkulturen, etwa um die toxische Wirkung eines Medikamentes zu testen, können die Zellen zerstörungsfrei aus der Petrischale entfernt werden. Bisher müssen die Forscher ein Enzym zugeben, das die sensiblen Zellen beschädigen kann. Solche Beschädigungen beeinflussen dann auch die Ergebnisse.

Zwar gibt es bereits ähnliche schaltbare Kunststoffe. Der große Unterschied beim neuen Kunststoff: Seine Basis ist Polyethylenglycol, kurz PEG. Im Gegensatz zu den anderen schaltbaren Kunststoffen ist dieses Material biokompatibel, d.h. Zellen wachsen sehr gut darauf. Ein weiterer Vorteil: Das Material ist wasserlöslich und nicht toxisch. In etwa zwei bis drei Jahren, hofft Lutz, könnten Petrischalen serienmäßig mit dem neuen Kunststoff beschichtet werden.

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