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Pumpen-Forum 2018 – zwischen digitalen Tools und analogem Pumpen-Alltag

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Firmen zum Thema

Pumpen korrekt betreiben

Wird die digitale Transformation zu einem störungsfreieren Pumpen-Alltag führen? Voraussetzung dafür ist, dass sich Pumpen-Planer und -Betreiber mit den Grundlagen der Pumpentechnik auskennen. Und hier hakt es gewaltig, mahnt Stefan Leuchtenberger von Pumpentechnik Bass. Seiner Erfahrung nach werden die Herausforderungen der Planung/Auslegung, der Montage, des Betriebs und der Instandhaltung in vielen Unternehmen unterschätzt.

Wie aber kann der Betreiber hier gegensteuern? Leuchtenberger hat dazu konkrete Vorschläge: Vor allem plädiert er für die Einführung einer zentralen Pumpenstelle – nur so könne auch bei Vergabe von Aufgaben an externe Dienstleister die notwendige Kernkompetenz für Pumpen aufrechterhalten werden. Des weiteren setzt er auf weniger Komplexität, soll heißen: Der Betreiber sollte einen Werkstandard einführen und konsequent aufrechterhalten (Anzahl von Lieferanten reduzieren, Pumpengrößen und Laufraddurchmesser normen, Drehzahlregelung per Frequenzumformer oder Keilriemen). Ansonsten plädiert er für eine konsequente Schwachstellenanalyse, um Profit-Killer zu identifizieren und zu beseitigen.

Die häufigsten Probleme und damit die häufigsten Profit-Killer sind der Trockenlauf bzw. der Lauf im eigenen Saft. Die Leuchtenberger-Lösung: Installation eines induktiven Durchflussmessers IDM in der Druckleitung, verbunden mit einem pumpenspezifischen Abschaltpunkt (‚Abschalten der Pumpe bei einer Fördermenge Q unter 5 m³/h‘). Die Top Lösung sieht so aus: IDM plus FU-Mengenregelung – diese Konfiguration verzeihe selbst Fehler bei der Auslegung von Pumpen.

Es zählt immer das Gesamtsystem

„Die Pumpe ist in Ordnung, sie wurde nur falsch ausgelegt oder wird falsch betrieben“ – so oder ähnlich lautet über die Jahre hinweg im Pumpen-Forum ein Konsens der Referenten. Unter dem Motto “Es ist das System, nicht die Pumpe!“ schloss sich Dr. Peter Fischer (Vestolit) dieser Überzeugung an. Denn hartnäckige Probleme mit Pumpen haben selten ihre Ursache in der Konstruktion der einzelnen Maschine oder ihrer Teilkomponenten. Was zählt ist das Gesamtsystem, zu dem neben der verfahrenstechnischen Hardware z.B. auch die Bedienungsmannschaft, die Instandhaltung und die Unternehmensorganisation gehören. Anhand von Beispielen demonstrierte er, wie durch konsequente Analyse der verursachenden Effekte und die kreative Anwendung von verfahrenstechnischem Wissen nachhaltige Problemlösungen umgesetzt werden können. Sein Fazit:

  • Es zählt immer das Gesamtsystem! Das beste Fachwissen zu Einzelkomponenten hilft selten, nur die ganzheitliche Betrachtung bringt alle Puzzleteile an ihren Platz. Das erfordert aber eine gute und breit angelegte verfahrenstechnische Ausbildung.
  • Unterschätze nie den Widerstand eingefahrener Strukturen und rechne mit ihnen!
  • Die beste Erkenntnis hilft nichts, wenn sie nicht festgehalten und weitergetragen wird (auf möglichst vielen Schultern und in einer ordentlichen Dokumentation)!

Prof. Eberhard Schlücker (Universität Erlangen-Nürnberg) behandelte eines seiner Lieblingsthemen: Dass alle Pumpen pulsieren und das System und die Pumpe interagieren – mit schädigenden Druckschwingungen. Schlücker formuliert das anschaulich so: „Die Pumpe spielt Tennis mit dem System“. Merke: Alles schwingt, sobald mechanische Energie zugeführt wird, und elastische Bauteile oder Kontinua beteiligt sind. Werden Eigenfrequenzen getroffen, so können sich die Systeme aufschaukeln und das Fluid und die Struktur interagieren. Schlücker: „Die Schwingung im Fluid bleibt im Fluid, die Schwingung in der Struktur geht überall hin!“

Ergänzendes zum Thema
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Aus dem analogen Pumpen-Alltag

Manfred Thamm (ehemals Bayer Pharma Aktiengesellschaft) übernahm den Schlusspart und berichtete über den Alltag eines Pumpen-Experten in der Welt der Pharmazeuten – die in Wirkstoffen, Qualitäten und Produktionsmengen denken, für die Technik eher nur notwendiges Übel ist. Diese Kernaussagen haben es in sich:

  • Die Betriebsanleitung wird in aller Regel erst in die Hand genommen, wenn etwas passiert ist.
  • Oft hat die Pumpe mehr mit der Reinigung zu kämpfen als mit dem eigentlichen Produkt.
  • Eine großvolumige Anlage zu reinigen funktioniert – die Pumpe selbst kann aber nicht per CIP/SIP sauber werden. Es ist deshalb in aller Regel notwendig, die Pumpe auszubauen und zu reinigen – sonst bleibt in der Pumpe Medium zurück.
  • Wenn Sie von einer Pumpe zwei Jahre nichts hören: Dann haben Sie alles richtig gemacht!
  • Fazit

    Während die digitale Transformation der Pumpenwelt mit allerlei Marketing-Bling-Bling viel Aufmerksamkeit generiert, geht es in der analogen Welt geruhsamer zu. Für den Praktiker, den Betriebsingenieur oder den Instandhalter sind die analogen Fortschritte aber mindestens genauso wichtig wie die digitalen.

    Save the date: Das 17. Pumpen-Forum findet im Rahmen der Förderprozess-Foren 2019 am 19./20. November wieder auf der Festung Marienberg in Würzburg statt.

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