Namur-Hauptsitzung 2022 Prozessautomatisierung auf neuen digitalen Wegen

Von Sabine Mühlenkamp

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Die Digitalisierung stellt die Prozessindustrie vor große Herausforderungen, gleichzeitig bietet sie faszinierende Chancen. Auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung stellen die Automatisierer interessante Beispiele vor, wie die Digitalisierung Anlagen nicht nur sicherer macht, sondern die Prozessindustrie auf ihrem Weg zur Klimaneutralität begleitet.

Nun heißt es Abschied von Bad Neuenahr nehmen und sich auf neue Wege begeben. Die Namur-Hauptsitzung findet nun in Neuss statt, wo es sicher ebenso viele Gelegenheiten für den Austausch geben wird.(Bild:  PROCESS / Kempf)
Nun heißt es Abschied von Bad Neuenahr nehmen und sich auf neue Wege begeben. Die Namur-Hauptsitzung findet nun in Neuss statt, wo es sicher ebenso viele Gelegenheiten für den Austausch geben wird.
(Bild: PROCESS / Kempf)

Der persönliche Austausch wurde schmerzlich vermisst, doch nun ist es wieder soweit: Die Interessengemeinschaft Automatisierungstechnik der Prozessindustrie (Namur) trifft sich nach vielen Jahren in Bad Neuenahr diesmal in Düsseldorf Neuss.

Die Aufgaben sind nicht weniger geworden, wenn man etwa auf die Rahmenbedingungen für die funktionale Sicherheit schaut. Vor allem das Thema Security spielt eine immer größere Rolle. Der diesjährige Sponsor Hima zeigt daher in Vorträgen und Workshops nicht nur, wie sich Safety und Security unter einen Hut bringen lassen, sondern vor allem, wie sich die steigende Komplexität leichter handhaben lässt. Die Digitalisierung spielt hier eine Schlüsselrolle. Beiträge von den Anwendern ergänzen diesen Part, diese beschäftigen sich mit der Nutzung von Ethernet-APL in sicherheitsrelevanten Applikationen, der Verzahnung von Safety und Security sowie dem Einfluss von funktionaler Sicherheit in verschieden Anwendungen und Lebenszyklusphasen aus Sicht der Anlagenbetreiber.

Ein weiterer Schwerpunkt in Neuss wird auf dem Thema Nachhaltigkeit liegen. Die Automatisierer sind längst zum Enabler für die grüne Transformation geworden, etwa mit innovativen Regelungstechnologien oder dem Einsatz von KI, mit denen sich Prozesse besser an ihrem energetischen Optimum betreiben lassen. Wie wichtig solche Technologien sind, beweist eine Zahl des ZVEI: So sollen sich allein im Industriesektor in Deutschland mit bestehenden Energieeffizienztechnologien 200 TWh Energie pro Jahr sparen lassen. Es besteht also noch Luft nach oben.

Nachhaltigkeit im Fokus

Um nur ein Beispiel zu nennen: elektrische Motoren sind für einen großen Teil des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Neuere Motoren können sich in Bezug auf die Energieeffizienz längst sehen lassen. Das Problem: Motoren werden in der Regel über Jahrzehnte betrieben, daher sind noch viele ältere Motoren im Einsatz. In einem Workshop werden Strategien für deren Ersatz vorgestellt.

Ein anderer Ansatz auf dem Weg zur Klimaneutralität ist, dass die Produkte von Anfang an nachhaltig gedacht, designt und genutzt werden. Hier setzt die Kreislaufwirtschaft an. Und hier braucht es die Erfahrung der Automatisierer und die Digitalisierung. Digitale Datenerfassungssysteme erfassen Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes hinweg und beschleunigen so den Aufbau von dringend notwendigen Stoffkreisläufen.

Roboter für Inspektionsrundgänge

Ein weiterer Hebel: Automatisierte Anlagen können Prozesse mit maximaler Effizienz fahren. In letzter Konsequenz sind dies autonome Anlagen, in denen Sicherheit und Produktqualität maximiert werden. Nicht zuletzt schafft ein autonomer Betrieb bei Mitarbeitenden den Raum für neue Ideen und Optimierungspotenziale.

Und damit schließt sich der Kreis zu einem weiteren spannenden Vortrag. Für autonome Anlagen benötigt man neben der Digitalisierung Unterstützung von Robotern. Daher entwickelten BASF, Bayer, Boehringer, Merck und Wacker zusammen mit Invite in den vergangenen Jahren eine gemeinsame Vision für den Einsatz von mobilen Robotern in den Produktionsstätten. Beeindruckende Ergebnisse wurden bereits auf der Achema im Rahmen der Open-Innovation-Challenge Plant Service Robot präsentiert.

Gesucht wurde ein autonomer Serviceroboter namens Andy, der in der Lage ist, rund um die Uhr wiederkehrende Aufgaben wie Sicherheitsrundgänge in Chemie- und Pharmaanlagen zu übernehmen. Dazu gehört das Sammeln von Sensordaten, die Beobachtung von Anlagen und die Entnahme von Proben. Besondere Herausforderungen waren das sichere Befahren von Industrieanlagen mit Hindernissen, wie Treppen, oder die genaue Erfassung von Daten durch Bilderkennung von Displays sowie einfache Interaktionen. Eines der Highlights innerhalb des Parcours war die Aufgabe, eine klassische − bisher für die menschliche Bedienung − ausgelegte Probenstation zu bedienen.

Ohne hier zu viele Einzelheiten zu verraten − die Teams übertrafen die Erwartungen in Bezug auf Präzision, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit bei weitem. Der nächste Kollege könnte also schon bald ein robotergestützter sein.

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