Exklusiv-Interview: Wasser und Abwasser 4.0

Prof. Paul Uwe Thamsen über aktuelle und zu erwartende Entwicklungen in der Wasserwirtschaft

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PROCESS: Sie sprechen von revolutionären Entwicklungen – wird die doch eher konservative Wasser- und Abwasserwirtschaft hier mitziehen?

Thamsen: Ich finde die Wasser- und Abwasserwirtschaft keinesfalls konservativ – da brauche ich nur auf das Großprojekt „Leit- und Informationssystem Abwasser“ mit der schönen Abkürzung „Lisa“ der Berliner Wasserbetriebe zu verweisen, in dem alle Pumpstationen der Stadt zu einem komplexen Automations-Netzwerk zusammengeführt wurden und jetzt von einer Zentrale gesteuert werden. Die Leitzentrale hat Ähnlichkeit mit der Steuerzentrale des Raumschiffes Enterprise aus den bekannten Filmen. Dies gilt übrigens auch für viele andere Leitzentralen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Hier liegt offensichtlich bereits ein hoher Automatisierungs- und Vernetzungsgrad vor, der beste Voraussetzungen für eine weitere Digitalisierung und intelligente Steuerung bietet. Wir gehen davon aus, dass die Betreiber der Wasser- und Abwasserwirtschaft hier sehr wohl die Möglichkeiten der Digitalisierung umsetzen und nutzen werden.

„Das Thema Datensicherheit hat hohe Priorität“

PROCESS: Es gibt Warnungen, dass Hacker auch die Wasserversorgung in Deutschland ins Visier nehmen. Im Extremfall könnten Pumpen ausfallen oder die Wasseraufbereitung gestört werden, so ein Sprecher des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Birgt die Digitalisierung zu hohe Risiken?

Thamsen: Selbstverständlich hat das Thema Datensicherheit eine hohe Priorität! Diese besteht allerdings auch schon für die bereits bestehenden aktuellen Netzwerke zur Automatisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Die Wasserversorger haben hierzu kompetente IT-Abteilungen, die sich um die komplexen Computernetzwerke und natürlich auch um die Datensicherheit kümmern. Dieses Thema wird zudem im universitären Bereich von einigen Fachkollegen bearbeitet, die auf Erfahrungen aus der Energieversorgung, Verkehrsregelung oder auch Fahrzeugtechnik aufbauen.

Darüber hinaus existieren bis heute in der Wasserversorgung, aber auch in der Abwasserentsorgung redundante manuelle Systeme, die im Notfall eine ausreichende Versorgungssicherheit gewährleisten. Die größeren Pumpstationen betreiben dazu Stromversorgungen oder auch Pumpen, deren Funktionen über Verbrennungsmotoren gesichert werden. Trotz der Gefahren, die neuartige mechatronische Systeme mit vernetzter Infrastruktur mit sich bringen, wollen wir aber auch nicht die Augen schließen und alles wieder auf mechanische Steuerung zurückschalten. Damit würden wir all die Vorteile aus der Automatisierung und Digitalisierung wieder verlieren, die neben dem Ressourcenschutz auch zu einer besseren Wirtschaftlichkeit und damit zu günstigen Kosten für die Verbraucher geführt haben.

PROCESS: Herr Prof. Thamsen, vielen Dank für das Gespräch.

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