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Standards und mehr
Heute beherrschen drei Themen die Branche: Die Standardisierung, der Gewerke übergreifende Workflow und die herstellerunabhängige Interoperabilität. „Standards sind kondensiertes Wissen“, beschrieb es ein Referent auf dem Digital Plant Kongress 2013 von PROCESS treffend. Alle abzusehenden Trends und Entwicklungen schreien geradezu nach einer Standardisierung, hieß es.
Wobei der eine oder andere Teilnehmer den Begriff Standardisierung gern ablösen würde und lieber von Funktionen sprechen möchte: „Wir müssen bei Planungsprozessen dazu übergehen, in Funktionen wie Kühlung und Entlüftung zu denken, weniger in Komponenten wie Behälter, Pumpen und Kompressoren,“ lautete eine Forderung. Die Vorteile sind vielfältig: Standards (Funktionen) beschleunigen die Planung und sie erhöhen deren Qualität, weil sie helfen, Fehler zu vermeiden. Nicht zuletzt kann auch der jüngere Ingenieur-Absolvent schneller aktiv in ein Planungsprojekt einbezogen werden.
Was bemängeln Planer, wenn man sie nach ihren Wünschen in Sachen Software-Tools befragt? Es sind nach wie vor die im Grunde seit Beginn der breiten CAD-Nutzung bekannten Probleme mit den Schnittstellen. Die Software-Anbieter stimmen den Klageliedern regelmäßig verständnisvoll zu – und bleiben bei proprietären Angeboten.
Wie man als Kunde gegen solches Verhalten aufbegehren kann, das hat die Automobil-Industrie gezeigt: Über den Branchenverband VDA (Verband der Automobilindustrie) einigten sich die großen OEM wie Daimler, VW, Audi und BMW auf bestimmte Plattformen und zwangen alle Engineering-Dienstleister, mit diesen Tools zu arbeiten.
2024: Was kommt?
Der Blick zurück ist immer einfacher als ein Ausblick in die zukünftigen Entwicklungen. Die IT-Anbieter sind da stets bemerkenswert visionär. Realistischer ist es, sich Wünsche der User anzusehen.
Dr. Tommy Kern, Planungsingenieur der Pharmatec in Dresden hat eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie die Branche ihre Kunden noch besser bedienen könnte – beispielsweise beim Customizing: „Es muss mit der Software eine einfache Entwicklungsumgebung für eine verbessertes und verständlicheres Customizing mit angeboten werden, damit der Kunde seine Anpassungen in der Software problemlos in Eigenregie durchführen kann,“ so seine Erwartung.
Derzeit müssten hier oft für viel Geld und Zeit Consultant-Stunden beim Anbieter der Software in Anspruch genommen werden. Dabei gingen oft Informationen über die zusätzliche Schnittstelle ‚Consultant‘ verloren und die Anpassungen erfolgten nicht so präzise, wie der Kunde es wünsche.
Als never ending story empfindet auch Dr. Kern die Schnittstellen-Problematik: „Als Anlagenplaner und Anlagenbauer können wir oft nur mit viel händischem Aufwand die Grafik- und Spezifikations-Daten zu Bauteilen eines Lieferanten in unser Projekt aufnehmen – Lieferanten nutzen die unterschiedlichsten Software-Lösungen. Eine Standardisierung beim Datenaustausch ist hier sehr erwünscht!“
Auch ein besseres Zusammenspiel zwischen Engineering/CAD-Software und ERP-Software steht auf der Wunschliste der Pharmatec-Ingenieure: „Da im Endeffekt zwei große Software-Systeme im Projekt aufeinandertreffen, muss aufeinander abgestimmt werden können, wer von beiden Programmen den Lead hat.“ Und selbstverständlich müsse der Austausch der Daten über eine Schnittstelle gewährleistet sein.
Das Bill Gates zugeschriebene Zitat „How you gather, manage, and use information will determine whether you win or lose“ („Wie Sie Informationen sammeln, verwalten und benutzen wird darüber entscheiden, ob Sie gewinnen oder verlieren”) hat nichts an Aktualität verloren.
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