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Der selbstbestimmte Patient: Das noch unbekannte Wesen
In Europa 2020 verlassen sich die meisten Patienten weiterhin auf die Empfehlungen von Ärzten, Apothekern und Fachleuten, so sehen es 70 % der befragten Pharmaentscheider. Die direkte Kommunikation zwischen Pharmaindustrie und Patienten bliebe damit begrenzt. „Das muss nicht so bleiben“, betont hingegen Hanno Brandes, der in diesem Zusammenhang auf die wachsende Bedeutung des E-Marketings verweist: „Die Kommunikation mit dem Endverbraucher wird sich sukzessive ändern. Nicht mehr nur monologisch via Werbung, sondern dialogisch zum Beispiel über Social Media oder virtuelle Gesundheitsnetzwerke. Eine solche Neuausrichtung der Kommunikation eröffnet für die Pharmaindustrie weitaus mehr Chancen als Risiken, sofern diese von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt ist.“
Strategische Optionen für die Zukunft – die individuelle Sichtweise zählt
Auch wenn die Umfrage von Management Engineers und Insead im Hinblick auf viele Zukunftstrends der europäischen Pharmaindustrie deutliche Mehrheiten liefert, so findet sich dort immer auch die „gut begründete andere Sicht der Dinge“. Letztlich steht damit jedes Unternehmen vor der Aufgabe, aus seinen individuellen Einschätzungen ein eigenes konsistentes strategisches Zukunftsbild für sich zu entwickeln. Vereinfacht lassen sich hierbei die drei Strategietypen Harvesters, Consumerists und New Golden Agers unterscheiden.
Harvesters
Dieser Kategorie der „skeptischen Traditionalisten“ lässt sich knapp die Hälfte der befragten europäischen Pharmaunternehmen zuordnen. Sie gehen davon aus, dass sich im Gefüge der Marktakteure – und hier insbesondere in der Rolle des Patienten – kaum etwas ändert. Folgerichtig werden diese Firmen ihre Kommunikation auch weiterhin auf die Healthcare-Professionals konzentrieren. Gleichwohl erwarten aber auch die Harvesters, dass sich im Zuge des medizinischen Fortschritts Investitionen in neue Geschäftsfelder lohnen. Optimismus besteht insbesondere im Hinblick auf Biopharmazeutika, während die Chancen von Lifestyle-Medikamenten und einer personalisierten Medizin zurückhaltend bewertet werden.
Consumerists
Diese „am amerikanischen Markt orientierten Pragmatiker“ kommen in der Umfrage auf einen Anteil von 20 %. Sie rechnen in Zukunft mit dem mündigen Patienten, der gegenüber den Ärzten und der Pharmaindustrie eine gleichermaßen kritische wie dialogbereite Position einnimmt. Dieser Patient ist für Lifestyle-Medikamente zwar ebenso aufgeschlossen wie für die präventive und personalisierte Medizin, muss aber von deren Nutzen noch nachhaltig überzeugt werden. Die Consumerists werden dieses potenziell veränderte Konsumentenverhalten in ihr Geschäftsmodell integrieren und mit einer zweigleisigen Marketingstrategie offensiv verfolgen. Sie kommunizieren sowohl mit den Professionals als auch mit den Patienten, um gerade dieser Zielgruppe gegenüber Vertrauen aufzubauen.
New Golden Agers
Das sind die „optimistischen Visionäre“, zu denen ein Drittel der befragten Manager gezählt werden kann. Sie gehen davon aus, dass sich alle Trends zu einem Ideal-Szenario kumulieren, sich dabei Technologie-Investitionen in voller Breite auszahlen und Lifestyle-Produkte auf eine steigende Nachfrage stoßen. Dabei werden die Patienten weiterhin auf den Rat der Healthcare-Professionals hören, die ihrerseits aber der Kompetenz der Pharmaindustrie voll vertrauen. Auf dieser stabilen Basis sind die Patienten auch der präventiven und personalisierten Medizin gegenüber aufgeschlossen und leisten entsprechende Eigenbeiträge. Die New Golden Agers verfolgen konsequenterweise eine Unternehmensstrategie, die einen maximalen Mix an Produkten und Vertriebskanälen gestattet. Ihr Marketing ist entsprechend multipel und komplex.
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