Anilin Neues Verfahren soll World-Scale-Produktion von Anilin ermöglichen

Redakteur: Manja Wühr

Aufgrund einer neuen MDI-Anlage im Weltmaßstab am Bayer-Standort Shanghai steigt auch der Bedarf am Vorprodukt Anilin. Hierfür haben Forscher von Bayer Materialscience ein neues Verfahren entwickelt.

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Uerdingen – Das neue Verfahren zur Anilin-Produktion arbeitet adiabat, d.h. ohne Wärmeaustausch. Das hat den Vorteil, dass hier – im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren – auf einen aufwändigen Kühlölkreislauf verzichtet werden kann. Damit ist die Grundlage für eine World-Scale-Produktion geschaffen.

Stahlkessel ersetzt Rohrsystem

Bei dem Verfahren findet die Reaktion in einem großen Stahlkessel und nicht wie üblich in vielen langen Röhren statt. Der Katalysator ruht auf einem Gitterrost, der von Nitrobenzol und Wasserstoffgas durchströmt wird. Ein Wärmeaustausch mit der Umgebung ist unnötig, da die Reaktionswärme mit dem Gasstrom entweicht. Der kühlende Ölkreislauf fällt weg.

Entwickelt wurde das Verfahren im Testlabor „Mini 9“ bei Bayer Materialscience in Uerdingen. Die Herausforderung bei der Konstruktion war vor allem die Feinabstimmung der Parameter – die Strömungsgeschwindigkeit des Gases, die Temperaturen oder die Konzentration der Reaktionspartner. Auch der richtige Katalysator musste gefunden werden, um eine gute Anilin-Ausbeute zu erreichen.

Mit dem adiabaten Verfahren hat sich die Reinheit des Anilins verbessert und der Aufwand für die Reinigung reduziert. Auch wenn in Shanghai die Anlage weiter wächst, bleibt „Mini 9“ nicht stehen. Denn im Labor lässt sich das Verfahren am besten optimieren. Und das große Ziel heißt 100-prozentig reines Anilin.

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