Gasturbinenkraftwerk im Industriepark Griesheim Neues Kraftwerk für den Notfall?

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

PQ Energy will 250 Millionen Euro in ein Reserve-Gasturbinenkraftwerk im Industriepark Griesheim investieren. Die endgültige Entscheidung hängt aber noch an einigen Faktoren.

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In Griesheim soll ein neues Gaskraftwerk gebaut werden. Der Betreiber des Industrieparks ist Infrasite Griesheim, ein Unternehmen der Infraserv-Höchst-Gruppe.
In Griesheim soll ein neues Gaskraftwerk gebaut werden. Der Betreiber des Industrieparks ist Infrasite Griesheim, ein Unternehmen der Infraserv-Höchst-Gruppe.
(Bild: Infraserv Höchst)

Frankfurt – Geht es nach dem schweizer Unternehmen PQ Energy, soll im Industriepark Griesheim ein Gasturbinenkraftwerk entstehen, das im Rahmen der Energiewende als flexibel einsetzbare Anlage zur Versorgungssicherheit der Stadt Frankfurt und der Rhein-Main-Region beitragen kann.

Das Projekt wurde bei der Sitzung des Gesprächskreises der Nachbarn des Industrieparks Griesheim erstmals öffentlich vorgestellt. Bei der Sitzung hat Dr. Dominique Candrian, Geschäftsführer der Firma PQ Energy, den aktuellen Stand der Planungen vorgestellt und Fragen interessierter Bürger beantwortet. Kritik gab es dafür, dass die Gesamtkosten vom Netzbetreiber auf die Verbraucher zurückfallen würden, so das Höchster Kreisblatt.

Bis zu 500 MW elektrische Leistung

Geplant ist ein Gasturbinenkraftwerk mit bis zu 500 MW elektrischer Leistung, das für die Stabilisierung der Stromnetze eingesetzt werden und zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit beitragen soll. Nach Analysen von PQ Energy kann es ab dem Jahr 2019 zu einer Unterdeckung bei den Kraftwerkskapazitäten kommen. Der Grund: Atomkraftwerke gehen vom Netz, doch die Produktionskapazitäten der erneuerbaren Energien werden bei speziellen Wetterkonstellationen noch nicht ausreichend sein, um den Bedarf zu decken. Vor allem in Süddeutschland soll es zu einer Unterdeckung kommen, die für das Jahr 2023 auf 18.900 MWh prognostiziert wird und nicht durch Energieimporte gedeckt werden kann.

Optimale Infrastruktur im Industriepark Griesheim

Der Industriepark, den Infrasite Griesheim betreibt, sei ein idealer Standort für das Kraftwerksprojekt. Die Infrastruktur sei perfekt, sowohl in Bezug auf die Versorgung mit Erdgas als auch hinsichtlich der nahegelegenen Einspeisemöglichkeiten in das Versorgungsnetz. Hierfür müsste eine neue Erdkabelverbindung geschaffen werden. Falls es bei der Gasversorgung durch die überörtlichen Gasleitungen zu Problemen kommen sollte, kann über die Hafenanlage des Standortes Flüssigbrennstoff angeliefert werden.

Der ca. 60 Hektar große Standort, an dem rund 30 Unternehmen ansässig sind, verfügt über eine voll erschlossene, etwa 20.000 m2 große Freifläche, die für das Kraftwerks-Projekt genutzt werden kann.

Reservekraftwerke zur Sicherstellung der Energieversorgung

Die Umsetzung des Kraftwerksprojektes soll gemäß der Pläne auf der „Reservekraftwerksverordnung“ basieren, die 2013 in Kraft getreten ist. Die Verordnung verpflichtet die Bundesnetzagentur, jährlich vorausschauende Analysen zur Sicherheit und Zuverlässigkeit der Elektrizitätsversorgung zu veröffentlichen. Ergibt sich daraus eine Notwendigkeit für den Bau von Reservekraftwerken, übernehmen die jeweiligen Netzbetreiber die Ausschreibung und die Projektvergabe. Sollte ein solcher Bedarf ermittelt werden, beabsichtigt PQ Energy sich an diesem Verfahren mit dem Projekt am Standort Griesheim zu beteiligen.

Größte Einzelinvestition im Industriepark Griesheim

Wenn das Kraftwerk im industriepark Griesheim gebaut werden sollte, wäre das 250-Millionen-Euro-Projekt die größte Einzelinvestition, die jemals am Standort realisiert wurde.

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