Turnaround-/Shutdown-Projekte Neue Studie: Für Dienstleister sind Turnaround-/Shutdown-Projekte ein interessantes Segment

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die vorliegende Studie setzt sich erstmalig mit der Nachfrager- und Anbieter-Seite für Shutdown-/Turnaround-Projekte innerhalb der Prozessindustrie auseinander und verschafft einen zusammenfassenden und detaillierten Marktüberblick.

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Abbildung 2: Gruppierung der Top 12-Anbieter (Bild: T.A. Cook)
Abbildung 2: Gruppierung der Top 12-Anbieter (Bild: T.A. Cook)

Industrielle Großanlagen, wie sie u.a. in der chemischen Industrie betrieben werden, müssen in regelmäßigen Abständen aus gesetzlichen und technischen Gründen stillgelegt und generalüberholt werden. Dieser Vorgang wird in der petrochemischen Industrie als Shutdown-/Turnaround-Projekt bezeichnet. Ziel der im Mai 2010 erstmals veröffentlichten T.A. Cook-Studie war einerseits die Herausarbeitung von Entwicklungspotenzialen des Marktsegmentes und andererseits die Schaffung von mehr Markttransparenz auf Anbieter- und Nachfragerseite. Zur Faktensammlung wurde eine detaillierte Informationsrecherche durchgeführt.

610 Millionen Euro Marktvolumen pro Jahr lassen Shutdown-/Turnaround-Projekte attraktiv erscheinen

Der Markt für Turnaround-/Shutdownmanagement-Dienstleistungen liegt bei

610 Millionen Euro pro Jahr, so das Ergebnis der Studie. „Das Marktvolumen für diese spezialisierte Dienstleistung ist überraschend hoch und daher interessant für technische Dienstleistungsanbieter“, sagt Studienleiter Dr. Dirk Meissner. Das Gesamtnachfragevolumen im Bereich der Raffineriestandorte erreicht ca. 2,1 Milliarden Euro bezogen auf einen Stillstandszyklus von fünf Jahren. Annualisiert und bereinigt entspricht dies ca. 345 Millionen Euro. Das ermittelte Nachfragevolumen für Cracker (Olefin-Anlagen) liegt bei 76 Millionen Euro und das für petrochemische Anlagen bei ca. 188 Millionen Euro pro Jahr.

Zur Ermittlung des Marktvolumens wurden 39 petrochemische Produktionsstandorte und 159 Anbieter von technischen Dienstleistungen untersucht und detailliert befragt. Es wurden insgesamt 99 Interviews dieser Befragungsgruppe ausgewertet. Dies entspricht einem Anteil von knapp 50 Prozent. Die befragten Teilnehmer sind überwiegend in der petrochemischen und chemischen Industrie tätig. 63 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Dienstleistungen auch in der Energiebranche anzubieten. 24 Prozent der befragten Personen sind als Geschäftsführer tätig, 40 Prozent sind Führungskräfte und 26 Prozent der Befragten stufen sich als Turnaround-Experten ein.

Insgesamt finden pro Jahr ca. 70 Anlagenabstellungsprojekte im betrachteten Marktsegment statt. Für den Zeitraum von 2010 bis 2020 identifiziert die Studie insgesamt 108 große Tunraround-Projekte (mit einem Volumen über 30 Millionen Euro pro Projekt). Dabei ist zu erkennen, dass die Jahre 2011, 2013, 2016, 2017 und 2019 als Geschäftsjahre mit einer geringeren Anzahl von relevanten TAR-Projekten prognostiziert werden.

Wenige Spezialisten dominieren den Markt

Die dominierende Anbietergruppe am Markt bilden die so genannten Turnaround-Anbieter mit Generalunternehmer-Kompetenzen. Der geschätzte Umsatz dieser Anbietergruppe (Grundlage der Schätzung bilden Befragungen) liegt bei ca. 180 bis 230 Millionen Euro pro Jahr (siehe Abbildung 1). Dies bedeutet, dass sieben Prozent der Anbieter (bei einer Gesamtheit von 159 betrachteten Unternehmen) anteilig ca. 30 Prozent des gesamten Marktvolumens (610 Millionen Euro/Jahr) umsetzen. Betrachtet man die im Wettbewerb stehenden Anbieter im Einzelnen, so wird deutlich, dass die Gruppe der TAR-Anbieter mit GU-Kompetenz über den höchsten Bekanntheitsgrad verfügt. So wurden alle Diensteistungsanbieter im Rahmen der Erhebung gebeten, ihre drei wichtigsten Wettbewerber zu nennen. Am Häufigsten wurden die Anbieter TKX, Voith Ermo und die BIS Group genannt, gefolgt von MCE Ost, Ebert Hera und der WWV Wärmeverwertung Merseburg.

Unter Berücksichtigung relativer Umsätze, Ressourcen und Kompetenzen, lassen sich drei TAR-spezifische Gruppen (Abbildung 2) herausstellen: Marktdominierend sind TKX, Voith Ermo und die BIS Group. Voith und die BIS Group sind teilweise TAR-Newcomer und durch den Zukauf von MCE (heute BIS Group) und Ermo (heute Voith Industrial Services) mit in die führende TAR-Anbietergruppe aufgestiegen. Die BIS Group ist vor allem aufgrund von Zukäufen zum umsatzstärksten TAR-Anbieter aufgestiegen. Alle drei Anbieter sind grundsätzlich gleich gut positioniert. TKX und BIS Group sind in Bezug auf ihre Zielgruppe gegenüber Voith Ermo breiter aufgestellt, da Voith Ermo insbesondere auf Raffinerie-Kunden fokussiert ist. Die Befragung hat ergeben, dass Voith Ermo aus Sicht der Betreiber über das attraktivste TAR-Projektgeschäftsmodell verfügt.

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