Industrie 4.0 im Großanlagenbau

Kosten senken und Geschäftsmodelle überdenken

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Und so steht auch die Frage im Raum, ob denn die globalen Lieferanten bereits fit sind für eine digitale Integration. Aus Sicht der Umfrageteilnehmer kommt ein klares Nein. Der Großteil der globalen Lieferanten sei definitiv nicht ausreichend qualifiziert, gibt Haverkamp das Umfrageergebnis dazu wider. Ein Wettbewerbsvorteil für Zulieferer aus Industrieländern? „Ja“, meint SMS-Manager Reifferscheid. Er und seine Kollegen im VDMA sehen deutsche und europäische Ausrüster aufgrund ihrer technologischen Vorreiterrolle besser auf die anstehenden Veränderungen gerüstet als Lieferanten aus Schwellenländern. Mittelfristig, so eine ungestützte Prognose der Studienersteller, könnte dadurch das heute im Großanlagenbau vorherrschende Best-Cost-Country-Sourcing von einem Leading-Technology-Country-Sourcing abgelöst werden.

Neue Geschäftsmodelle als Chance

Aber sind damit die Vorteile von Industrie 4.0 schon final gehoben oder ergeben sich nicht doch viele neue Ansätze für Geschäftsmodelle? Eine Handlungsempfehlung von Maex partners und VDMA hebt dies explizit hervor. Denn die Verfasser warnen auch davor, die Risiken, die Industrie 4.0 für traditionelle Anlagenbauer mit sich bringen kann, zu unterschätzen. Neue Wettbewerber und Geschäftsmodelle aus Branchen mit deutlich schnelleren Innovationszyklen könnten den Großanlagenbau schon bald vor so nicht erwartete Herausforderungen stellen. Die eingehende und rechtzeitige Prüfung und Bewertung der Chancen und Risiken aus Industrie 4.0 sei daher für jedes Anlagenbauunternehmen das Gebot der Stunde, folgert Haverkamp.

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So sieht das auch SMS-Manager Reifferscheid – und so wollen die Düsseldorfer Stahlanlagenbauer schon im Jahr 2020 zwischen 30 und 35 % des Umsatzes mit Service-, Wartungs- und und Instandhaltungs-Dienstleistungen erwirtschaften. Eine deutliche Veränderung, die nicht zuletzt auch durch Big-Data-Auswertungen entstehen können, und dem Betreiber Mehrwert versprechen. Wenn das Geschäft mit Greenfield-Anlagen zurückgehe, müsse der Umsatz mit Bestandskunden-Anlagen eben steigen, so die nachvollziehbare Rechnung.

Immerhin, so seine Kalkulation, investieren Betreiber jährlich zwischen 8 bis 10 % einer Neuinvestition in Wartungs- und Instandhaltungsaufgaben. Konstante und vor allem berechenbare Umsätze, die immerhin in zehn bis zwölf Jahren, das gleiche Volumen einer Neuanlage ergeben. „Der große Schatz, den wir zu heben haben, sind die hunderte von Anlagen, die wir schon gebaut haben“, zeigt sich Reifferscheid zuversichtlich.

Dringend gesucht: Neue Mitarbeiter und neue Ausbildung

Doch dafür braucht es nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern auch neue Mitarbeiter, die die Dynamik anderer Branchen verstehen. Und ob sich die in der bisher konservativen Welt des Engineering- und Anlagenbaus wohlfühlen, ist noch nicht ausgemacht. Daher bleibt interne Aus- und Weiterbildung ein weiteres wichtiges Handlungsfeld.

AGAB-Sprecher Hauenschild sieht daher Unternehmen und Hochschulen gleichermaßen gefordert. Beide könnten hierzu gemeinsam Konzepte entwickeln, um die Fortbildung der bestehenden Belegschaft, aber auch die Ausbildung und Rekrutierung neuer Mitarbeiter sicherzustellen. „Den Bedürfnissen der Unternehmen angepasste oder neu geschaffene Studien-Programme und Organisationskonzepte sind dafür dringend erforderlich“.

Doch will man im Anlagenbau die Chancen von Industrie 4.0 heben, ist eine wichtige Kernvoraussetzung, auch bestehende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen. Geschäftsmodelle müssen auch neu gedacht werden (dürfen). Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls könnte die neue Studie den Stein im Anlagenbau ins Rollen bringen. Und das wäre ja schon mal ein Anfang.

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