VDI/IW-Ingenieurmonitor Q3/2025 Konjunkturelle Delle trifft Chemieindustrie und Kunststoffverarbeitung

Quelle: Pressemitteilung VDI 3 min Lesedauer

Die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte sinkt, während die Arbeitslosigkeit steigt. Ein durchwachsenes Bild also auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure. Gegensteuern könnte man mit früher Förderung ab Kita und Schule, und auch die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte stabilisiert den Ingenieurarbeitsmarkt.

Trotz der aktuell sinkenden Zahlen erwarten Arbeitsmarktexperten mittelfristig wieder steigenden Bedarf – insbesondere durch Digitalisierung, Klimaschutzmaßnahmen, demografischen Wandel und Investitionen.(Bild:  frei lizensiert / Pixabay)
Trotz der aktuell sinkenden Zahlen erwarten Arbeitsmarktexperten mittelfristig wieder steigenden Bedarf – insbesondere durch Digitalisierung, Klimaschutzmaßnahmen, demografischen Wandel und Investitionen.
(Bild: frei lizensiert / Pixabay)

Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor (Q3 2025) zeichnet ein durchwachsenes Bild für den Ingenieurarbeitsmarkt. Besonders deutlich wird die konjunkturelle Abkühlung in der chemischen Industrie und der Kunststoffverarbeitung: Die Zahl der offenen Stellen in diesen Ingenieurberufen ging im Jahresvergleich um 25,1 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit in den IT- und Ingenieurberufen insgesamt um 17,6 Prozent.

Energie- und rohstoffintensive Branchen besonders betroffen

Insgesamt sank die Zahl der offenen Stellen im IT- und Ingenieurbereich gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 99.470. Neben der Chemie- und Kunststoffindustrie sind auch die Informatikberufe stark betroffen – hier beträgt der Rückgang der offenen Stellen 37,7 Prozent. Ein leicht gegenläufiger Trend zeigt sich lediglich in der Metallverarbeitung, wo die Nachfrage nach Ingenieuren um 3,6 Prozent angestiegen ist.

Die Entwicklung in der chemischen Industrie und Kunststoffherstellung spiegelt die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage energie- und rohstoffintensiver Branchen wider. Investitionszurückhaltung, hohe Produktionskosten und eine schwache Nachfrage wirken sich direkt auf den Personalbedarf aus. Trotz der aktuell sinkenden Zahlen erwarten Arbeitsmarktexperten mittelfristig wieder steigenden Bedarf – insbesondere durch Digitalisierung, Klimaschutzmaßnahmen, demografischen Wandel sowie durch Investitionen in Infrastruktur und Transformationstechnologien.

Fachkräftemangel bleibt Thema

Ungeachtet der konjunkturellen Delle bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Thema. In vielen Ingenieurberufen übersteigt die Nachfrage weiterhin das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Besonders ausgeprägt ist der Engpass in Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur.

Als strukturelle Ursachen gelten vor allem der laufende Renteneintritt der Babyboomer-Generation, rückläufige Studienzahlen und nachlassende Technik- und Mathematikkompetenzen bei Schülern: Zwischen 2016 und 2023 sank die Zahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften um mehr als 11 Prozent. Für technologieintensive Industrien wie Chemie und Pharma stelle dies ein erhebliches Risiko für die Innovationsfähigkeit und Attraktivität des Standorts Deutschland dar, so VDI-Direktor Adrian Willig.

Zuwanderung und Integration gewinnen an Bedeutung

Ein zentraler Schlüssel zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes ist die Integration ausländischer Studierender und Fachkräfte. „Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: wie attraktiv Deutschland im internationalen Vergleich ist, und wie gut Integration im Alltag gelingt“, erläutert Willig. Der VDI biete dafür auch Mentoring-Programme für ausländische Fachkräfte, wie VDI-Xpand. Gleichzeitig müssen bürokratische Hürden abgebaut werden, so Willig.

Zwischen 2012 und März 2025 stieg der Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen von 6 auf 11,4 Prozent. Besonders stark vertreten sind Fachkräfte aus Indien, deren Zahl sich im genannten Zeitraum von 2.120 auf 13.997 mehr als versechsfacht hat. Fachkräfte aus der Türkei und Italien machen ebenfalls einen erheblichen Anteil aus. Wie die Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte in den Arbeitsmarkt erfolgreich funktioniert, zeigt sich besonders in Bayern: Im innovations- und patentstarken Großraum München leistet die Zuwanderung einen großen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur regionalen Innovationskraft. In absoluten Größen arbeiten hier mit 11.877 die meisten ausländischen Beschäftigten in Ingenieurberufen.

Nachwuchsförderung als langfristige Stellschraube

Neben der Zuwanderung bleibt die Nachwuchsförderung ein zentraler Hebel. Der VDI fordert eine praxisnahe Ingenieurausbildung, frühzeitige Technikvermittlung ab Kita und Schule sowie gezielte Maßnahmen zur Ansprache von Mädchen und jungen Frauen. Im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ hat der VDI dazu vergangenen Herbst ein Impulspapier zur Bildung und Qualifikation der Zukunft veröffentlicht, in dem 28 nationale und internationale Good-Practice-Beispiele vorgestellt werden. Für die Chemie sind diese Maßnahmen insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Prozessinnovationen von strategischer Bedeutung.

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