Innovationsmanagement

Ist die deutsche Chemie zu risikoscheu?

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Strategisch vorgehen

Den europäischen Firmen bleibt also nichts anderes übrig als auf risikoreichere Innovationsstrategien zu setzen. Glücklicherweise lässt sich die derzeit vorherrschende mangelnde Risikobereitschaft, die zugegebenermaßen nicht völlig unbegründet ist, zumindest abschwächen. Hierzu bedarf es eines strukturierten Innovationsmanagements, mit dem sich bisherige Fehler in der Strategieentwicklung vermeiden lassen.

Um ein Innovationsmanagementkonzept erfolgreich zu gestalten, müssen zu Beginn drei grundlegende Fragen beantwortet werden:

  • Was ist das Ziel des Projekts?
  • Wie kann der Erfolg des Projektes gemessen werden?
  • Welchen Wettbewerbsvorteil bringt die angestrebte Innovation für das Unternehmen?

Angesichts der Antworten auf diese Fragen lassen sich klar unterscheidbare Risikoprofile für die einzelnen Innovationsmöglichkeiten erstellen und Konsequenzen für das eigene Unternehmen erfassen. Beides führt dazu, dass Unsicherheiten deutlicher eingeordnet werden können.

Ein auf diese Weise aufgebautes Innovationsmanagement ist aus zweierlei Gründen transparent: Es ist offen gegenüber Neuerungen und messbar. Die erste Frage nach dem Ziel des Projekts repräsentiert vor allem die Offenheit, denn hier wird die angestrebte Wirkung der geplanten Innovation determiniert. Sprich, wie disruptiv soll das neue Produkt werden? Unternehmen, welche die möglichen Wege zum Ziel kreativ ausloten, kommen manchmal zu bisher nicht bedachten Lösungen.

Damit wird konkret, ob man bereit ist, ein bestehendes Geschäftsmodell zu verändern. Frage zwei und drei hingegen sollen anhand konkreter Zahlen beantwortet werden. Somit kann ein direktes Verhältnis zu den angestrebten betriebswirtschaftlichen Zielen des Unternehmens hergestellt werden. Es geht darum, mittels bewährter Methoden die Eintrittswahrscheinlichkeiten für den technischen Erfolg und die Bandbreite kommerzieller Faktoren wie Marktgröße und Marktanteile für jede mögliche Innovationsstrategie zu beschreiben.

So könnte es z.B. sein, dass eine bestehende Technologie zur Herstellung neuer Produkte einen wahrscheinlichkeitsgewichteten Wert (häufig als Nettobarwert gemessen) von 200 Millionen Euro und ein wirtschaftliches Risiko (die Chance eines negativen Ergebnisses) von nur zehn Prozent hat. Im Vergleich dazu könnte eine ganz neu entwickelte, disruptive Technologie zwar ein höheres Risiko von 50 Prozent aufweisen, der Gesamtwert aber, unter Berücksichtigung dieses Risikos, 400 Millionen Euro betragen. Abhängig von der Antwort auf die erste Frage, gäbe es in diesem Fall zwei klar unterscheidbare Innovationsstrategien. Mehr Mut zum Risiko schafft meistens mehr Wert.

Um Bewertungsmodelle mit einer hohen Aussagekraft zu entwickeln, müssen zudem weitere, vom eigentlichen Produkt unabhängige Faktoren eingerechnet werden. Beispielsweise unterliegen europäische Unternehmen bei der Produktion oftmals ganz anderen umweltpolitischen Beschränkungen als ihre asiatische Konkurrenz. In solchen Fällen müssten zu erwartende gesetzliche Verschärfungen, die die Kosten beeinträchtigen würden, mit Zahlen unterlegt und in die Risikoprofilberechnung einkalkuliert werden. Wenn nach all diesen Schritten verschiedenste, klar quantifizierte Innovationsalternativen auf dem Tisch liegen, kann über die zukünftigen Schritte des Unternehmens verhandelt werden.

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