Suchen

1. Pumpen- und Schüttgutforum 2010

Industriepumpen im Wettstreit: Verdrängerpumpen werden immer noch vielfach unterschätzt

Seite: 4/4

Firmen zum Thema

Verdrängerpumpen: Vielfach unterschätzt

Robert Kurz (Netzsch) gab Hinweise zur Auslegung einer Exzenterschneckenpumpe für feststoffhaltige Medien: Die Führung der Saugleitung ist wichtig, ebenso die Beachtung von saugseitigen Druckverlusten (NPSHA > NPSHR). Man achte auf die Kalkulation der druckseitigen Verhältnisse, häufig geht feststoffbeladenes Fördermedium mit höherer Viskosität einher. Wie ist die Schersensitivität des Mediums – thixotrop oder dilatant? Sedimentieren die Feststoffpartikel? Wie ist die Partikelgröße, wie hoch der Feststoffanteil? Darüber hinaus sind noch die Daten wie Fördermenge, Förderdruck, pH, Temperatur, Viskosität, Antriebsanordnung, usw. von Bedeutung.

Die Pumpen empfehlen sich bei folgenden Anwendungsanforderungen: Niedrige bis sehr hohe Viskosität, gleichbleibende Fördermenge bei schwankendem Förderdruck, Mischmedien mit Gas, Fluid und Feststoffanteil, stichfeste oder pastöse Produkte, geringe Pulsation des Förderstromes, schersensible Produkte sowie Regelbarkeit der Fördermenge.

Bildergalerie

Holger Kremer (Witte) stellte die Vorteile und Einsatzgrenzen von selbstansaugenden „Zahnradpumpen für zähe Medien“ vor. Vorteilhaft sind das einfache Förderprinzip, der verfügbare große Viskositätsbereich bis hin zu sehr hohen Viskositäten, die möglichen hohe Differenzdrücke, die exakte, weil volumetrische Dosierung, die Pulsationsarmut und der förderhöhenunabhängige Förderstrom. Allerdings sind Zahnradpumpen im Vergleich zu Kreiselpumpen wenig wirtschaftlich bei niedrigen Viskositäten in Verbindung mit großen Fördermengen; zudem sind sie empfindlich gegenüber Feststoffen.

Schlauchpumpen nicht zu passend auslegen

„Hermetisch dichte Pumpen für die schonende Förderung“ betitelte Till Völker (Ponndorf) seinen Vortrag über Schlauchpumpen. Es ist immer wieder erstaunlich, was diese doch so einfache Pumpen-Bauart zu leisten vermag: Sie fördert schonend empfindliche Medien, ist hermetisch dicht und fördert auch grobe Feststoffe. Selbstansaugend bis 9,5 m und trockenlaufsicher ist sie auch noch. Die Grenzen liegen beim Fördern von Kohlenwasserstoffen, höheren Temperaturen und Drücken über 15 bar. Empfehlung von Völker: Man möge eine Schlauchpumpe doch bitte nicht „zu passend“ auslegen, dann könne man die Drehzahl niedriger wählen – der Schlauch werde es mit einer höheren Standzeit danken.

Ähnlich universell ist übrigens die Druckluftmembranpumpe („Die arme Verwandte der Kolbenmembranpumpe“): praktisch überall im Niederdruckbereich einsetzbar.

Matthias Sauter (Lewa) stellte „Kolben- und Kolben-Membranpumpen für hohe Drücke“ vor. Er arbeitete heraus, dass oszillierende Verdrängerpumpen sich durch eine hohe Dosiergenauigkeit und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnen und sich für hohe Betriebsdrücke eignen. Die Kolben-Membranpumpen seines Unternehmens sind hermetisch dicht und zeichnen sich durch eine hohe Betriebssicherheit aus (Sandwichmembran). Die Pumpen sind trockenlaufsicher, besitzen ein integriertes Druckbegrenzungsventil und sind bis max. 1200 bar (max. 200 m3/h) einsetzbar.

Heinz Nägel (Feluwa) offenbarte sich mit seinen Doppel-Schlauchmembranpumpen als Hidden Champion der chinesischen Kohlevergasungsindustrie: Der Anteil von Feluwa an den hierbei eingesetzten Reaktorspeisepumpen liegt bei 80%! Die bisher installierten 143 Pumpen fördern mit einer Gesamt-Motorleistung von knapp 30000 kW rund 9000 m³ Kohle-Slurry pro Stunde bei Drücken von bis zu 100 bar. Die Pumpen gelten als wichtigstes Bauteil der Anlage. Keine der Pumpen hat je eine Notabschaltung einer Anlage verursacht, wie Nägel stolz berichtete.

Fazit

Auf die Frage eines Teilnehmers „Wie lange hält die Pumpe?“ gab es die launisch anmutende Antwort „Zwischen 30 Sekunden und fünf5 Jahren!“ Es komme eben erheblich darauf an, ob die Pumpe anwendungsgerecht ausgelegt und bestimmungsgemäß behandelt werde. Damit das Aggregat in dieser Sicht optimal konfiguriert wird, müssen die Lieferanten von Pumpen, Armaturen oder Dichtungen immer mehr Beratungsleistung anbieten, müssen tatsächlich vom Produkt- zum Systemanbieter werden.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 24238930)