Digitalisierung und KI Incubator als Ideenschmiede: Die jungen Wilden des Sicherheitsexperten Hima

Von Anke Geipel-Kern 4 min Lesedauer

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Auf den sprechende Namen Himalaya hat Sicherheitsexperte Hima seine Innovationsschmiede in Mannheim getauft. Welche Höhen das Team des Innovation Lab bereits erreicht hat, wie KI die Entwicklungen beflügelt und was das Jahr 2024 für die Hima Group insgesamt bereit gehalten hat.

Seit vier Jahren ein Team: Hima-CEO Jörg de la Motte (rechts) und CFO Dr. Michael Löbig(Bild:  Geipel-Kern)
Seit vier Jahren ein Team: Hima-CEO Jörg de la Motte (rechts) und CFO Dr. Michael Löbig
(Bild: Geipel-Kern)

Reisen bildet, sagt der Volksmund und eine Tour durchs kalifornische Silicon Valley ist sicher eine gute Idee, wenn man seinem Unternehmen ein bisschen Start up Mentalität verpassen will. Der Flug ins Silicon Valley im Jahr 2019 war zwar für Hima-Gesellschafter Steffen Philipp der Auslöser, 2022 das Innovation Lab „himalaya“ ins Leben zu rufen. Initialzündung war jedoch der Ausspruch eines Kunden.

„Ihr seid nicht innovativ“, habe der ihm mit auf den Weg gegeben, erzählt Philipp – Worte, die der leidenschaftlichen Familienunternehmer, der das Unternehmen in der vierten Generation führt, nicht auf sich sitzen lassen konnte. Und die in der Idee von „himalaya“ kulminierten mit einem Konzept „nah an der Hima aber mit dem Freiraum eines Incubators.“

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Künstliche Intelligenz ist ein wichtiger Treiber

Mangelnde Innovationskraft kann man dem Team um Dr. Leontin Grafmüller und Knut Haberkant wahrhaftig nicht vorwerfen. Haberkant ist ein Hima-Gewächs, seit 25 Jahren im Unternehmen und ehemals Teamleiter der Softwareentwicklung. Grafmüller bringt eine gehörige Portion Methodenkompetenz mit und hat über Co-Creation promoviert. Beide führen das Team im Tandem und das, schaut man sich die Ergebnisse und Mitarbeitenden-Entwicklung der letzten drei Jahre an, funktioniert offenkundig.

In wenigen Wochen und Monaten sind vier Demonstratoren entstanden, die zeigen was mit Künstlicher Intelligenz alles möglich ist. Hipatrol, ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt für das nun nach erfolgreicher Pilotphase „early adopter“ gesucht werden. Mittels KI-gestützter Analyse greifen Hima-Experten standortunabhängig auf Diagnosedaten der Hima-Sicherheitssteuerungen zu, erkennen frühzeitig Anomalien und ermöglichen vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance).

Es gibt noch drei weitere KI-Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen, darunter ein Chat Bot der den Blick in die Zukunft eröffnet, ein internes „Chat GPT“ um Hima-Wissen zugänglich zu machen und ein visuelles Ki-Werkzeug, das Hima-Geräte im Einbau erkennt.

Ehemaliges Kasernengelände wird zur Innovationsschmiede

Das Innovation Lab residiert auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne, dem Taylor Areal. Direkt an der A6, 15 Kilometer vom Hauptsitz Brühl gelegen, ist es nah genug, damit Hima-Kollegen schnell mal zum Austausch vorbei kommen können, aber eben auch weit genug weg, damit kreative Ideen unbeeinflusst vom operativen Geschäft entstehen können. „Wir wollen nicht den schnellen Erfolg“, erklärt Steffen Philipp. Ihn treibe der dynastische Gedanke, soll heißen das Familienunternehmen „leistet sich diesen Standort“, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Die Gegenwart sieht jedenfalls momentan recht rosig aus. Hima hat in 2024 erneut gute Geschäftszahlen geschrieben. Der Umsatz stieg um 23 Prozent, von 151 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 186 Millionen Euro in 2024. Ein Teil des Wachstums kommt durch Zukäufe, die sowohl Lösungsangebot alsauch regionale Präsenz ausgebaut haben.

Erfolgreiche Übernahmen

„Mit der Übernahme von Sella Controls und Origo Solutions in den Jahren 2023 bzw. 2024 haben wir neue Kompetenzen ins Unternehmen geholt und unsere Marktposition als Lösungsanbieter nachhaltig gestärkt“, erklärt CEO de la Motte. Das britische Unternehmen Sella Controls hilft Hima mit seiner starken Präsenz im englischen Bahngeschäft und Origo Solutions hat gerade erst wieder einen mehrjährigen Rahmenvertrag mit Equinor geschlossen. Hier geht es um die Lieferung sicherheitskritischer Lösungen für Onshore- und Offshore-Anlagen sowie die Lieferung von Automatisierungslösungen mit dazugehörigem Elektro- und Instrumentierungsumfang. Zukunftsträchtig ist auch die Turn-Key-Kompetenz für kleinere Projekte, die Origo mit bringt und die Hima helfen könnte in Regionen wie Asien, wo Unternehmen verstärkt Lösungen aus einer Hand suchen, Angebote zu platzieren.

Hima wird noch internationaler

Auch wenn Hima nach wie vor ein deutsches Familienunternehmen ist und der deutsche Markt ist mit 23 Prozent (2023 30 Prozent) am Umsatzkuchen immer noch ein wichtiger Treiber ist. Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden seien im Ausland beschäftigt, betont la Motte. Folgerichtigt baut das Unternehmen seinen weltweiten Fussabdruck weiter aus. Nach der Eröffnung einer neuen Landesgesellschaft in Saudi-Arabien im Jahr 2023 folgte im November 2024 eine weitere Tochtergesellschaft in Indien. Darüber hinaus wurden in mehreren Ländern neue Vertriebsbüros und Servicecenter eröffnet, in China etwa ging ein neues Servicecenter in Zhanjiang in Betrieb, um die Kunden im Südosten Chinas besser betreuen zu können. Darüber hinaus ging in Kolumbien eine Tochtergesellschaft an den Start und in Peru ist eine Niederlassung geplant. Ein weiterer Ausbau in diesen Wachstumsmärkten soll folgen, um auch große und anspruchsvolle Kundenprojekte lokal unterstützen zu können. In Regionen, in denen die Hima Group nicht mit einer eigenen Gesellschaft vertreten ist, wurde das Partnerprogramm weiter ausgebaut.

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Investitionen in Digitalisierung und KI

Hima investiert einen, für einen Mittelständler beträchtlichen, Umsatzanteil von zehn Prozent in Forschung und Entwicklung. Deshalb hat das Portfolio erneut Zuwachs erhalten: Neue digitale Lösungen wie Cockpits zur Steuerung des Safety Lifecycle Managements, Scada+ und das in Partnerschaft mit Deuta-Werke entwickelte „safeHMI“. Das „safeHMI“ ersetzt klassische, hartverdrahtete Visualisierungslösungen durch sichere, flexible Bedienpanels. Zudem wurde die langjährige Zusammenarbeit mit dem Security-Spezialisten Genua weiter vertieft, um die Resilienz von Automatisierungssystemen gegenüber Cyber-Bedrohungen weiter zu stärken. Ingesamt zahle sich die Strategie mit einem klaren Fokus auf Digitalisierung aus, erklärt der CEO.

Und wie geht der Sicherheitsexperte mit der Nachhaltigkeit um? CFO Dr. Michael Löbig hebt vor allem die Mitgliedschaft bei der „KLIMAfit“ Initiative des Rhein-Neckar-Kreises und die Bronzeauszeichnung des Ecovadis Assessment. Auch intern tut sich bei Hima einiges: Neben dem Aufbau eines globalen CSRD-Projektteams und dem Entwicklung nachhaltiger Standort- und Messekonzepte zeichnet die Unternehmensleitung globale Ideen zur kontinuierlichen Verbesserung Nachhaltigkeit aus. Und das LevelX Camp 2026 soll ganz im Zeichen des Austausch und der Entwicklung nachhaltiger Innovationen stehen.

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