Interview mit Thorsten Pötter

„In den Köpfen ist Industrie 4.0 angekommen“

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? Eine Hürde, die Industrie 4.0 in der Branche nehmen muss, ist der Sicherheitsaspekt. Ist das ein reales Hindernis oder eher eine psychologisches?

Pötter: Beides – eine Zeitlang wurde das Neue vom Sicherheitsgedanken überlagert. Aber wir arbeiten daran, diese Hürde abzubauen und das gelingt immer besser. Die Frage ist, wie kann ich die neue Welt gestalten, ohne bewährte Sicherheitskonzepte aufzugeben? Das gelingt nur durch Offenheit neuen technologischen Ansätzen gegenüber, wie z.B. der Datenaustausch über einen zweiten Kanal – eine Idee, die wir auf der Namur-Hauptsitzung letztes Jahr diskutiert haben. Wir müssen uns neuen Gedankenmodellen und Lösungen öffnen, mehr „out of the box“ denken.

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? Big Data ist ein wichtiger Aspekt bei der Industrie 4.0-Diskussion. Sie sind im Rahmen des Smart-Data-Programm des BMWi Leiter des Konsortialprojektes Sidap. – Erklären Sie uns in zwei Sätzen worum es geht?

Pötter: Der Grundgedanke des Projekts lässt sich wohl recht gut mit folgendem Sprichwort beschreiben: „Nur der Dumme lernt aus eigener Erfahrung, der Kluge aus der Erfahrung anderer.“ Entsprechend bedienen wir uns innerhalb des Projektes der Daten aus den vielen verschiedenen IT-Systemen der einzelnen Partner und versuchen aus den heterogenen Datenmassen intelligente Prognosetools zu entwickeln, relevante Informationen für gemeinsame Use Cases herauszufiltern. Ein konkretes Beispiel sind Ventile, wie sie in vielen Anlagen der chemischen Industrie eingesetzt werden. Anhand der unterschiedlichen Nutzungsdaten für diese Ventile wollen wir ein Framework zur Nutzungsoptimierung schaffen.

? Haben Sie nach einem Jahr bereits erste Ergebnisse?

Pötter: Wir haben jetzt die ersten Datensätze ausgetauscht und es geschafft, die Datensätze der verschiedenen Daten (Nutzer, Hersteller und Anbieter) übereinander zu bringen. Und wir haben die ersten Vorhersagemodelle erstellt. Allerdings müssen wir diese Modelle jetzt noch verfeinern, denn noch sind die Vorhersagemodelle zu ungenau, um damit in Betrieb zu gehen.

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