Gefahrstoffmanagement

Gefahrstoff-Experte Dr. Hans-Albert Beul im Interview

Seite: 4/5

Anbieter zum Thema

Im vierten Teil des Interviews erklärt Dr. Hans-Albert Beul warum Gefahrstofflösungen nicht nur für die chemische Industrie interessant sind.

PROCESS: Ist es so, dass das GSM ausschließlich für das Management von gefährlichen Produkten eingesetzt werden kann, also nur für die chemische Industrie in Frage kommt?

Beul: Da geben Sie mir ein gutes Stichwort. Wir haben einige Firmen aus der Lebensmittelindustrie, die unser Werkzeug einsetzen. Karotten Müller beispielsweise produziert Lebensmittelfarbstoffe, die aus Frucht- und Gemüse-Extrakten gewonnen werden. Primär zur Erstellung von Technischen Merkblättern und Produktbeschreibungen, sogenannten „Produkt-Spezifikationen“ setzt Karotten Müller das Gefahrstoffmanagement (NAV) ein. Karotten Müller unterliegt überhaupt nicht der Pflicht zur Beibringung von Sicherheitsdatenblättern, erstellt diese aber als Service für ihre Kunden, quasi als „Abfallprodukt“. Entsprechend der Produktpalette bestehen die „Gefahrstoffrezepturen“ nicht aus gefährlichen Chemikalien, sondern aus Zuckern, Früchten und Gemüse, allenfalls noch aus Zitronensäure,

die in reiner Form nach dem neuen Globally Harmonized System mit dem Ätzend- Piktogramm zu kennzeichnen wäre und als Säuerungssmittel eingesetzt wird. Karotten Müller muss Deklarationen bzgl. Der Produktbeschreibung und der Zusammensetzung erstellen. Dies errechnet das GSM auf Basis der zugrundeliegenden Rezeptur:

  • Die Produkt-Kategorie: „das Produkt besteht aus Früchten/Gemüsen/Pflanzen“ – mit dem Schmankerl, dass „Gemüse“ und „Pflanze“ im englischsprachigen Raum gemeinsam unter ‚Vegetables‘ laufen
  • Pflanzenfamilien werden gruppiert ausgewiesen: Rote Karotte und schwarze Karotte gehören zur Familie der Karotten
  • Der Koscher-, Koscher/Passover- und Halal-Status wird gegebenenfalls in Absprache mit dem konsultierten Rabbi ermittelt – nach dem Halal-Status fragt man einen Imam
  • Lebensmittel-Allergene werden identifiziert und gelistet
  • Nährwerte werden aus der Grundstoffrezeptur ermittelt bzw. berechnet

Nach eingehender Schulung haben die Mitarbeiter von Karotten Müller ihre diversen Deklarationen selbst konfiguriert.

Über sogenannte Artikelreferenzen kann Karotten Müller kundenabhängige Artikelnamen verwalten und diese auf den Datenblättern ausgeben. So könnte dann ein Artikel für Kunde A „Karotten-Orange“ für Kunde B „Red Fruit Orange“ heißen.

(ID:33910860)