Gefahrstoffmanagement

Gefahrstoff-Experte Dr. Hans-Albert Beul im Interview

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Im zweiten Teil des Interviews spricht Dr. Hans-Albert Beul über die unterschiedlichen Phrasen und Formate.

PROCESS: Sie bieten für Ihr System ja auch Phrasen an, wie gehen Sie jetzt mit dieser neuen Situation um?

Beul: Wir haben uns entschieden, diesen Weg mitzugehen und auch den EuPhraC in unser System wahlweise einzubinden. Denn es kommt aktuell noch folgende wichtige Entwicklung hinzu: Für die künftigen „Erweiterten SDBs“, in denen die Expositionsszenarien für Stoffe und Gemische aufgeführt werden müssen, kommen weitere neue Phrasen hinzu. Hier beispielsweise. beschränken wir uns für die Inhalte von vornherein auf den EuPhrac-Katalog, den wir in Deutsch und Englisch mit anbieten.

PROCESS: Sie erwähnen „Expositionsszenarien“ – was muss ich mir darunter vorstellen?

Beul: Der Begriff Expositionsszenarium, kurz ES, kommt aus der REACH-Verordnung und meint eine Zusammenstellung der Herstellungs- und Verwendungsbedingungen für einen chemischen Stoff, welche geeignet sind, die Belastung von Mensch und Umwelt auf ein erträgliches Maß zu beschränken. So etwas gab es im Grunde genommen auch früher schon: der gute alte MAK-Wert (heute AGW genannt) besagte zum Beispiel, dass eine bestimmte Grenzkonzentration in der Arbeitsplatz-Raumluft einzuhalten ist. Punkt! Entsprechend existieren Grenzwerte für die Freisetzung von Schadstoffen in die Umwelt seit langem. Das war aber dem EU-Gesetzgeber zu einfach. Heute muss der Verwender einer Chemikalie nachprüfen, ob sein Lieferant in dem ans SDB angehängten Expositionsszenarium seine speziellen Verwendungsbedingungen berücksichtigt hat (selbst wenn er die Expositionsgrenzwerte für den betreffenden Stoff (die jetzt DNEL heißen) einhalten kann: ohne passende PROCs (Prozesskategorie) im ES des Zulieferers ist die Anwendung verboten. Der Downstream-User muss also erreichen, dass der Lieferant seine Verwendung beziehungsweise Verwendungsbedingungen in sein ES aufnimmt, oder ggf. den Lieferanten wechseln. Als Ultima Ratio darf er auch selbst einen sogenannten Chemical Safety Report erstellen und seine Verwendung in Helsinki nachregistrieren. Der aus diesen Anforderungen entstehende Papierkrieg (bzw. PDF-Krieg) ist vom Gesetzgeber als „Kommunikation in der Lieferkette“ im Prinzip ausdrücklich erwünscht. Inzwischen hat sich aber – völlig unerwartet – herausgestellt, dass die resultierenden Erweiterten SDBs im Umfang von mehreren Dutzend bis zu mehreren Hundert Seiten auch von ausgewiesenen Gefahrstoffexperten nicht mehr mit vernünftigem Zeitaufwand gelesen und verstanden werden. Vom einfachen Handwerker, der eine schnelle Information darüber wünscht, wie er mit einer Spachtelmasse oder einem 2-Komponentenkleber sicher umgehen soll, ganz zu schweigen. Immerhin können softwareseitige Ansätze helfen, die ärgsten Probleme zu verringern. Eine Möglichkeit besteht im elektronischen Austausch von strukturierten Dokumenten. So ist auf europäischer Ebene geplant, auf Basis von standardisierten Kapitelstrukturen und standardisierten Phrasen diese in elektronischer Form zu übermitteln. Das heißt im Klartext: Das SDB als Kommunikationsmittel wird ergänzt durch die Übermittlung eines Datenfiles in einem festgelegten Format (ESCom-XML), das von jedem in jedes System ex- und importiert werden kann. Soviel zur Theorie.

PROCESS: Das klingt ja sehr vielversprechend und ambitioniert!

Beul: Aus unserer Sicht ist das auch so, solche Bestrebungen gibt es ja schon einige Zeit, so richtig durchgesetzt haben sich einheitliche Formate bisher aber nicht. Sinn macht das Ganze eigentlich nur, wenn eine kritische Masse von Unternehmen zu einem solchen Datenaustausch bereit ist. Wir von Prosisoft sind jedenfalls Willens und in der Lage, diesen Prozess zu begleiten und zu unterstützen. Damit das SDB seinem ursprünglichen Sinn, nämlich der raschen Vermittlung von wichtigen produktsicherheitsrelevanten Fakten, wieder näherkommt, geht es nicht nur um die schnellere Übermittlung beziehungsweise Erfassung einer übertriebenen Datenfülle. Daher können zum Beispiel die Expositionsszenarien auch so abgefasst werden, dass für einen bestimmten Adressaten nur die Verwendungen berücksichtigt werden, die bei ihm tatsächlich vorkommen. So können mit unserem GSM für einen Debitor maßgeschneiderte Erweiterte SDBs generiert werden. Hier zeigt sich schon deutlich, dass eine simple Textverarbeitung für die rationelle SDB-Erstellung heute nicht mehr ausreicht. Auch haben Industrieverbände und die europäische Chemikalienbehörde ECHA selbst vereinfachte Ansätze zur ES-Erstellung entwickelt (Schlagwörter: Generische Expositionsszenarien, Beitragende Expositionsszenarien). Überhaupt ist festzuhalten, dass vom Gesetzgeber keine eindeutige Vorgabe bezüglich Struktur und Ablage von ES gegeben wurde und die Möglichkeit zulässig ist, die ES innerhalb eines bestimmten Rahmens individuell zu gestalten. Prosisoft hat daher hierzu entsprechende Werkzeuge entwickelt, mit deren Einsatz die Kunden ihre eigenen Vorstellungen umsetzen können. Wir bieten unseren Kunden an, sie bei Einsatz dieser Werkzeuge zu beraten, um gemeinsam Prozesse zu implementieren, die überschaubar und wartbar bleiben – ansonsten verliert das Ganze seinen Sinn und Kunden verweigern sich.

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